Lkw-Verkehr zu Wester Werken in Alfter: Ringververkehr überzeugt Bürger nicht

Wester Werke in Alfter : "Die Lkw drängen die Bürger weg"

Rund 200 Menschen haben in Alfter die Versammlung zur Lkw-Problematik in Witterschlick und Volmershoven-Heidgen besucht. Während die SPD die Union angreift, kritisieren die Freien Wähler den Bürgermeister.

Zufrieden dürfte am Dienstagabend niemand aus dem Alfterer Ratssaal nach Hause gegangen sein: weder die Mitarbeiter von Kreis- und Gemeindeverwaltung noch die Politik, vor allem nicht die rund 200 Besucher der Bürgerversammlung, zu der Gemeinde und Rhein-Sieg-Kreis geladen hatten. Das Thema: der von vielen Anwohnern kritisierte Lkw-Verkehr von und zu den Wester Werken durch enge Straßen in Witterschlick und Volmershoven-Heidgen (der GA berichtete). Zwar präsentierten die Vertreter der Kreisverwaltung einen Vorschlag zur Verkehrsführung. Das eigentliche Problem der Anwohner löst das aber nicht.

Der Vorschlag: Voraussichtlich noch bis zum Ende des Jahres ist die Kottenforststraße in Volmershoven-Heidgen für die Sanierungsarbeiten gesperrt. Solange wird der Lieferverkehr von und zu den Wester Werken ausschließlich über das Witterschlicker Geltorfviertel mittels Einbahnstraßen-Regelungen geführt. "Die Kottenforststraße ist aber die gewachsene Anbindung für die Wester Werke", sagte Harald Pütz, Leiter des Straßenverkehrsamts des Kreises. Und da die Firma da sei, müsse man sich dem stellen. Oberstes Ziel sei die Verkehrssicherheit, so Pütz. Aber: "Irgendwo müssen die Lkw ja herfahren."

Sodann übernahm sein Mitarbeiter Guido Mertens. Er erinnerte daran, dass die Fahrbahn der Kottenforststraße nach dem Ausbau zu eng für Begegnungsverkehr der 40-Tonner sein werde. Aus diesem Grund solle ein Ringverkehr eingeführt werden. Zu den Wester Werken soll es über die Kottenforststraße gehen, von der Firma durchs Geltorfviertel - konkret über die Esserstraße, da diese laut Mertens breiter als die Geltorfstraße ist. Geregelt werden soll das mit Verkehrszeichen.

Geplante Regelung ist „nicht in Stein gemeißelt“

Foto: Christoph Meurer

Ebenso soll baulich - etwa durch Poller - die Sicherheit für Fußgänger erhöht werden. Wie Mertens erläuterte, gelte die Einbahnregelung nicht für Pkw, Müll- und Streufahrzeuge, wohl aber für jeglichen Lkw-Verkehr, also auch für private Anlieferungen. Die geplante Regelung sei aber "nicht in Stein gemeißelt", so Mertens. Sprich: Es sollen Erfahrungswerte gesammelt werden.

Die Reaktionen: Überzeugen konnten die Kreismitarbeiter die Anwesenden nicht. Vielstimmig waren die Klagen über die großen Lkw, die Bürgersteige, Zäune und Poller beschädigten und Kinder auf ihrem Schulweg gefährdeten. "Sie können keine Lösung präsentieren, die unseren Kindern das Leben garantiert", sagte eine hörbar aufgebrachte Frau. Ein Mann befand: "In der Esserstraße kommt man mit einem 40-Tonner nicht um die Kurve." Weitere Anwesende gingen davon aus, dass die dann frisch sanierte Kottenforststraße die 40-Tonner nicht aushalte. Was ebenso aufregte: Beschädigungen durch Lkw an den Bürgersteigen müssen die Anlieger zahlen.

"Die Lkw drängen die Bürger weg", sagte ein Mann. Der zuständige Kreis könne die Verkehrssicherheit nicht sicherstellen. Pütz hielt dagegen, dass die Ringlösung insofern sicherer sei, da es keinen Lkw-Begegnungsverkehr mehr gebe. Die Wester Werke könnten aber nun einmal nicht mit Hubschraubern beliefert werden, sagte er weiter. Höhnisches Lachen erntete Mertens auf seine Aussage, dass es laut Ordnungsamt auf der Heerstraße nur "kleine Auffälligkeiten" gebe. Wenn nichts an den Kreis herangetragen werde, könne man auch nicht aktiv werden.

Mehr als 60 Meldungen zwischen 2016 und 2018

Hintergrund ist, dass die Zufahrtsstraße und das Betriebsgelände nur tagsüber von Lkw befahren werden dürfen. Auch dürfen auf dem Werksgelände nur acht Lkw pro Tag be- beziehungsweise entladen werden. Diese Auflagen hatte der Kreis mit der Genehmigung einer Nutzungsänderung einer Halle auf dem Firmengelände verbunden. Zwischen 2016 und 2018 seien mehr als 60 Meldungen an Gemeinde und Kreis eingegangen, sagte hingegen ein Anwohner, aber keiner fühle sich zuständig. Kritisiert wird etwa, dass Lkw auch nachts fahren und auf der Heerstraße campieren.

Die Polizei: Wie Polizeisprecher Frank Piontek am Tag nach der Bürgerversammlung dem GA auf Anfrage sagte, sei die Heerstraße der Polizei als problematische Straße bekannt. Nach Beschwerden aus der Bürgerschaft sei dort verstärkt kontrolliert und Vergehen geahndet worden. Mittlerweile fänden Kontrollen der Straße nur noch im allgemeinen Streifendienst statt.

Der Bestandsschutz: Aufgeworfen wurde an dem Abend auch die Frage des Bestandsschutzes für die Wester Werke. In der Tat hatte die Firma einst als Tonabbauunternehmen begonnen, im Laufe der Jahre aber auf die Verarbeitung von Korund umgestellt. Der Bestandsschutz im Landschaftsschutzgebiet habe nur für den Tonabbau gegolten, sagte ein Mann. Bürgermeister Rolf Schumacher erwiderte, dass es auch für die Betriebsänderung eine Genehmigung durch den Rhein-Sieg-Kreis gebe. Tatsächlich war diese rückwirkend erfolgt, nachdem der Betrieb zwischen 1979 und Anfang der 90er Jahre ohne Genehmigung gearbeitet hatte.

„Problem nicht zu lösen, solange Wester da ist“

Die rückwirkende Genehmigung erfolgte indes auch mit dem Segen der Alfterer Kommunalpolitik im Jahr 1992. "Das Problem ist nicht wirklich zu lösen, solange Wester da ist", sagte Schumacher weiter. Er habe den Firmeninhabern Grundstücke etwa im neuen Gewerbegebiet Alfter-Nord angeboten, es gebe aber "keinen Millimeter Bereitschaft, umzuziehen". Im Gespräch mit dem GA hatten die Firmeninhaber kürzlich erklärt, dass ein Umzug finanziell nicht stemmbar sei. Die Firma stillzulegen, hätte laut Schumacher keine 24 Stunden Bestand, da die Inhaber sofort dagegen klagen würden. Letztlich könne man es den Inhabern an dem Standort nur so unbequem wie möglich machen, so Schumacher. Daher komme für ihn auch kein Ausbau der eigentlich nicht für 40-Tonner ausgelegten Heerstraße in Betracht.

Die Alternative: Wie wäre es, von der Servaisstraße eine neue Straße zu bauen, die direkt auf die Heerstraße führt? Dann müssten die Lkw nicht mehr durch die Wohngebiete. Schumacher sah das kritisch. Eine solche Straße würde durch ein früheres Tonabbaugebiet führen und müsste von der Gemeinde bezahlt werden. Somit zahlten die Bürger den Wester Werken eine Straße. "Und wenn die dann doch weggehen?", fragte er.

Die Erweiterung: Der Rhein-Sieg-Kreis ist in der Sache nicht nur straßenverkehrsrechtlich, sondern auch baurechtlich zuständig. Das ist insofern wichtig, da die Wester Werke den Anbau einer Lagerhalle beantragt haben. Die Gemeinde ist insofern involviert, als dass sie ihr Einvernehmen erteilen oder verweigern kann - was der Kreis aber ersetzen kann. Laut Schumacher soll der Bauantrag am Donnerstag, 28. November, im Ausschuss für Gemeindeentwicklung Thema sein.

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