Geburtstag an Heiligabend: Lauter Christkinder

Geburtstag an Heiligabend : Lauter Christkinder

Schöne Bescherung: Am 24. Dezember geboren zu sein, bringt Vor- und Nachteile. Drei Beispiele von "Christkindern" aus Alfter und Bornheim-Merten.

„Das ist ja wie Weihnachten und Geburtstag zusammen“ ist ein Ausruf, der oft dann zu hören ist, wenn eine Überraschung besonders gelungen ist. Wie ist es aber tatsächlich, wenn der eigene Geburtstag auf Weihnachten fällt? Feiert man dann seinen Geburtstag vor oder nach oder gar nicht? Und was passiert mit den für Kinder so wichtigen Geschenken? Fühlt man sich als „Christkind“ gegenüber den Geschwistern und Freunden benachteiligt, die zweimal im Jahr Geschenke bekommen? Oder gibt’s von allem mehr, damit der Gedanke an einen Nachteil erst gar nicht aufkommt?

„Mein Geburtstag hat für mich in jedem Alter eine andere Rolle gespielt“, antwortet Ute Wagner-Kühle (55) aus Alfter pragmatisch auf die Frage, ob es denn ein besonderes Gefühl sei, als Christkind“ geboren zu sein. Sie habe eigentlich nie Nachteile erlebt. In ihrer Kindheit wurde erst am ersten Weihnachtstag beschert. Der Heiligabend war somit für sie ein ganz normaler Geburtstagstag.

„Nur für meine Mutter muss es damals bei meiner Geburt nicht so schön gewesen sein. Die ganzen Weihnachtstage mehr oder weniger alleine im Marienhospital zu liegen und dem ‚Ihr Kinderlein kommet-Gesang‘ der Schwestern auf dem Flur zuzuhören“, sagt Wagner-Kühle „Und damals konnte ja auch noch kein Mann bei der Geburt dabei sein. Das war alles noch etwas strenger.“

Wie sehr sie dem Weihnachtsfest gegenüber ihrem Geburtstag den Vorrang gab, zeigt, dass sie etwa 20 Jahre lang ihren Ehrentag in der Küche feierte, damit das Wohnzimmer mit dem geschmückten Tannenbaum noch vor ihren drei Kindern verschlossen blieb.

Erst seit einigen Jahren wird sie von ihren erwachsenen Töchtern und dem Sohn am „Geburtstags-Heiligabend“ mit einem im Wohnzimmer aufgebauten Büfett verwöhnt.

Genau 55 Jahre nach Ute Wagner-Kühle kam ebenfalls im Bonner Marienhospital Luisa Sommer um 11.27 Uhr als zweites Baby des damaligen Heiligabends zur Welt. „Ausgerechnet war Luisa für den 15. Dezember, da hatten wir noch gehofft, dass sie nicht viel später kommt“, erzählt Jennifer Sommer (29). Aber es kam anders. „Beckenendlage mit Kopf nach oben. Nach der Wendung kommen die Kinder dann meist früher. Aber sie kam nicht.“ So konnte die Veranstaltungsleiterin eines Bonner Hotels noch am 22. Dezember an der Weihnachtsfeier ihres Unternehmens im Phantasialand teilnehmen. Zwei Tage später wurde Luisa als „Christkind“ geboren. Ein Termin, der die katholisch geprägte Mutter dann doch sehr glücklich machte.

Nun steckt sie mitten in den Vorbereitungen zu Luisas erstem Geburtstag. Mindestens 30 Personen werden da sein. „Alle haben Weihnachten Zeit“, freut sich die junge Mutter, die mit ihrem Mann Esen Chioussin (35) erst im Oktober von Bonn nach Alfter gezogen ist. Ganz in die Nähe ihrer Schwester Sarah, die zwei kleine Kinder im Alter von zweieinhalb und einem halben Jahr hat.

Auch Carolin Justenhoven aus Bornheim-Merten kann keine Nachteile an ihrem Geburtstagstermin entdecken. „Ich kenn' das ja nicht anders“, sagt die Noch-18-Jährige, die 2017 ihr Abitur an der Europaschule machen wird. Als sie noch klein war, wurde der Heiligabend, wie bei Ute Wagner-Kühle, zu ihrem Geburtstag und Weihnachten begann erst am 25. Dezember. „Ja, und heute finde ich es gut, dass ich in meinen Geburtstag reinfeiern kann und alle Leute Zeit haben“, erzählt Carolin Justhoven. „Außerdem ist es doch toll, dass keiner meinen Geburtstag vergisst.“

So wird es auch ihrem Freund Michael Brumm (22) ergehen, der an Silvester seinen Geburtstag feiert. Aber das ist eine ganz andere Geschichte.

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