Dependance Gesamtschule Rheinbach: Kosten von 15 Millionen Euro für Alfterer Konzept

Dependance Gesamtschule Rheinbach : Kosten von 15 Millionen Euro für Alfterer Konzept

Die Gemeinde Alfter legt ein Konzept für die Gesamtschulzweigstelle in Oedekoven vor. Geplant ist zudem ein OGS-Neubau. Dieses Vorhaben lässt die Gemeinde sich viel Geld kosten.

Die Schaffung einer Dependance der Rheinbacher Gesamtschule in Alfter wird die Gemeinde fast 15 Millionen Euro kosten. Knapp elf Millionen Euro sind für die Herrichtung und die Erweiterung des ehemaligen Hauptschulgebäudes in Oedekoven notwendig, das die Gesamtschulzweigstelle beherbergen soll. Wiederum knapp vier Millionen Euro setzt die Gemeindeverwaltung für den Bau eines Gebäudes mit Mensa an der Oedekovener Grundschule an. Dieses soll einmal den Offenen Ganztag (OGS) der Grundschule beherbergen. Dieser findet aktuell im ehemaligen Hauptschulgebäude statt.

Zwei Jahre könnten nach Berechnungen der Gemeinde OGS und Gesamtschule zusammen im Gebäude Platz haben. Wenn dann der dritte Gesamtschuljahrgang kommt, wird es zu eng. Bis 2021 soll das neue OGS-Gebäude stehen. Das Ex-Hauptschulgebäude muss wiederum saniert, eingerichtet und später erweitert werden – um eine Mensa, naturwissenschaftliche sowie weitere Klassenräume.

Gleich zweimal hatte sich die Alfterer Politik in dieser Woche mit dem Thema beschäftigt. Und das in ungewöhnlicher Reihenfolge. Normalweise bereiten Fachausschüsse Entscheidungen vor, die dann vom Gemeinderat bestätigt werden. Das war nun anders. Der Rat hatte am Dienstag den Beschluss für die Planung der Arbeiten gefasst. Am Donnerstag hatten wiederum Bildungs- und Gemeindeentwicklungsausschuss in einer teilweise gemeinsamen Sitzung die Entscheidung quasi rückwirkend getroffen.

Ex-Hauptschulgebäude muss saniert und später erweitert werden

Bürgermeister Rolf Schumacher hatte dieses Vorgehen in der Ratssitzung mit dem Zeitdruck in der Sache begründet. Erst nach Abschluss des vorgezogenen Anmeldeverfahrens im Februar 2019 wisse man, ob die Gesamtschuldependance realisiert werde, so Schumacher. Und falls ja, müsse man im August 2019 ein schulfähiges Gebäude haben. Wie mehrfach berichtet, sind Anmeldungen von 75 Kindern aus Alfter und Rheinbach für die Zweigstelle erforderlich. Noch offen ist, ob eine sogenannte Beschulungsvereinbarung mit Bornheim umgesetzt wird. In diesem Fall könnten auch Kinder von dort mitgezählt werden. Der Ratsbeschluss, die Planungen anzugehen, sei ein wichtiges Signal an die Eltern, so Schumacher.

Im Gemeinderat stieß das Vorgehen der Verwaltung auf großen Zuspruch. Barthel Schölgens (CDU) nannte die Überlegungen diesbezüglich „überzeugend“, Monika Rudeloff erkannte für die FDP den hohen Zeitdruck an. Wilhelm Windhuis (Grüne) sagte, dass er sich schon jetzt darauf freue, mit einem Glas Sekt die Gesamtschule zu eröffnen. Den Schuldenstand der Gemeinde im Blick zu haben, sei richtig und wichtig, sagte Bolko Graf Schweinitz (Freie Wähler), Schulen seien aber Investitionen in die Zukunft. Thomas Klaus (SPD) unterstrich, dass die Gemeinde massiv unter Handlungsdruck stehe. Es werde für Alfterer Kinder immer schwieriger, an Schulen in den Nachbarkommunen unterzukommen.

Einzig Werner Urff (UWG) mochte sich alldem nicht anschließen. Er verlas eine Erklärung, mit der sich die Wählergemeinschaft angesichts der hohen Kosten und des Schuldenstands der Gemeinde erneut gegen die Dependance aussprach. Zugleich erinnerte Urff daran, dass es mit der Freien Christlichen Schule bereits eine Gesamtschule in Alfter gebe.

Nachbarkommunen nehmen seltener Alfterer Kinder auf

In der gemeinsamen Ausschusssitzung am Donnerstag untermauerte Dorothea Tradt die Kritik der UWG. Sie sprach von „explodierenden Schulden und der unnötigen und kostenintensiven Dependance“. Auch hier stießen die Vertreter der UWG auf eine geschlossene Mauer der Ablehnung bei den anderen Fraktionen. Lediglich Frank Hebestreit (CDU) wollte die Kosten für Um- und Neubau genauer erläutert wissen – ohne das Projekt grundsätzlich infrage zu stellen, wie er betonte. Claudia Gerhardi, Leiterin des Fachbereichs Planen, Entwickeln, Bauen bei der Gemeinde, nannte das Konzept „die Gesamtperspektive“. Jede Einzelmaßnahme müsse dann noch einmal einzeln beschlossen werden. Die Zahlen seien die, die im Moment belastbar seien. Umgesetzt würden die Maßnahmen unter der Voraussetzung, dass die Gesamtschule kommt. Das sei eine wirkliche Herausforderung – sowohl finanziell als auch zeitlich.