Schulentwicklung im Vorgebirge und in der Voreifel: Klarer Bedarf für eine Gesamtschul-Dependance

Schulentwicklung im Vorgebirge und in der Voreifel : Klarer Bedarf für eine Gesamtschul-Dependance

Experte Wolf Krämer-Mandeau stellt ein Gutachten zum Bevölkerungswachstum in Alfter und Rheinbach vor - inklusive Schülerzahlen, Klassengrößen und Anmeldeverhalten.

Der Bedarf für eine dreizügige Dependance der Gesamtschule Rheinbach in Alfter ist da. Das zeigen die Ergebnisse des Schulentwicklungsplans, den Wolf Krämer-Mandeau vom Bonner Beratungsbüro biregio am Dienstagabend in der Sitzung des Bildungsausschusses vorgestellt hat. Für den Bedarfsplan hatte der Experte sowohl aktuelle Schülerzahlen, Klassengrößen und Anmeldeverhalten als auch Bevölkerungsentwicklungen – jeweils für Rheinbach und Alfter – untersucht. Das Gutachten gibt einen Ausblick auf die Entwicklungen bis über das Jahr 2030 hinaus.

Bevölkerungswachstum: „Wir haben in Alfter eine sehr dynamische Bevölkerungsentwicklung“, erklärte Krämer-Mandeau. Die Entwicklung sei positiv, fast vergleichbar mit Köln. In Rheinbach ist die Einwohnerzahl in den vergangenen zehn Jahren um zehn Prozent angestiegen, in Alfter sogar um 21,6 Prozent. Durch die angespannte Situation auf dem Wohnungsmarkt in Köln und Bonn wichen viele Familien ins Vorgebirge aus. Während 2012 noch weniger als 200 Geburten in Alfter verzeichnet wurden, ist die Zahl mittlerweile auf über 200 angestiegen.

Schülerzahlen: In den Grundschulen in Alfter und Rheinbach wurden im Schuljahr 2017/2018 insgesamt 2146 Schüler unterrichtet, 3071 Schüler der beiden Kommunen besuchten weiterführende Schulen.

Klassengröße: Eine Klasse besteht im Durchschnitt aus 18 bis 27 Kindern. An den weiterführenden Schulen ist diese Klassenstärke erhöht. In der Gesamtschule in Rheinbach sind es beispielsweise 27 Schüler. „Wir haben zu wenig Plätze für zu viele Kinder“, bilanziert Krämer-Mandeau.

Weiterführende Schulen: Bei der Wahl der weiterführenden Schulform unterscheiden sich Rheinbach und Alfter deutlich. Die Rheinbacher Grundschüler besuchen zum Großteil eine Schule in Rheinbach: Gesamtschule Rheinbach (46 Prozent), Städtisches Gymnasium (25 Prozent) und Erzbischöfliches Sankt-Joseph-Gymnasium (25 Prozent). Die übrigen Schüler (insgesamt nur drei Prozent) pendeln nach Euskirchen, Meckenheim, Swisttal sowie Königswinter.

Dependance auch im Interesse der Nachbarkommunen

In Alfter besucht die Mehrzahl der Grundschüler hingegen eine Schule außerhalb der Gemeinde. Weniger als neun Prozent entscheiden sich für die dortige private Freie Christliche Gesamtschule. Stattdessen besuchen die Alfterer Schüler das Hardtberg-Gymnasium (zwölf Prozent), die Europaschule (zehn Prozent) sowie das Alexander-von-Humboldt-Gymnasium (neun Prozent) in Bornheim und die Margot-Barnard-Realschule in Medinghoven (acht Prozent). Zur Gesamtschule nach Rheinbach pendeln hingegen nur fünf Prozent der Alfterer Grundschüler. 212 Schüler – das entspricht 7,5 Klassen – mussten im vergangenen Jahr insgesamt für einen Schulplatz auspendeln. Mit der Gründung einer Gesamtschuldependance in Alfter handle die Politik daher „im eigenen Interesse und im Interesse der Nachbarbarkommunen“, wie Krämer-Mandeau bilanzierte.

Werner Urff wiederholte für die UWG die Kritik an der geplanten Zweigstelle aufgrund der hohen Kosten und äußerte Zweifel an dem tatsächlichen Bedarf. Jochen Roebers (FDP) fragte nach den Optionen für die Schüler der Alfterer Dependance nach Abschluss der Sekundarstufe I. „Die Schule wird einen Mitnahmeeffekt haben“, so Krämer-Mandeau. Für Thomas Ehlers (CDU) war wichtig, abzuklären, was mit Anmeldungen von Kindern über die Zahl der erforderlichen 75 Anmeldungen hinaus erfolgen soll. Die Klassengröße für den neuen Teilstandort sei laut Markus Jüris, Fachgebietsleiter Sozialwesen, noch nicht festgelegt. Der Bildungsausschuss hat den Schulentwicklungsplan mit einer Gegenstimme der UWG mehrheitlich angenommen.

Der Gemeinderat befasst sich in seiner nächsten Sitzung am 6. Dezember mit dem Thema. Die finale Entscheidung trifft die Bezirksregierung Köln bis zum 20. Februar.

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