Scharfer Blick fürs Detail: Kirchen in Alfter in einem Fotobuch festgehalten

Scharfer Blick fürs Detail : Kirchen in Alfter in einem Fotobuch festgehalten

Schon als Jugendlicher fotografierte der heute 90-Jährige begeistert. Das Hobby hat er sich erhalten. Nun hat der Impekovener Hans Schneider hat ein Fotobuch über die Alfterer Kirchen und Kapellen herausgegeben.

Professor Hans Schneider ist eine Koryphäe auf seinem Gebiet. Während seiner Zeit als Direktor des Zoologischen Instituts der Universität Bonn von 1970 bis 1991 forschte er schwerpunktmäßig über die Lauterzeugung und Kommunikation von Fröschen. Schon als Jugendlicher fotografierte der heute 90-Jährige begeistert. Auch für die Dokumentation seiner Forschungen war die Kamera unerlässlich. Jetzt hat der Impekovener ein liebevoll gestaltetes Fotobuch herausgebracht. Er hat allerdings keine Amphibien abgelichtet, sondern die Kirchen und Kapellen in der Gemeinde Alfter.

„Es ist aber kein Kirchenführer“, sagt er, „die Aufnahmen sollen für sich wirken“. Und im besten Falle neugierig auf einen Besuch der sechs katholischen, drei evangelischen Kirchen und vier Kapellen in der Gemeinde machen. Dies ist dem Hobby-Fotografen in beeindruckender Weise gelungen. Das Buch verbindet stimmungsvolle Außenaufnahmen der Gotteshäuser mit einer Fülle von Detailbildern aus deren Innerem.

Details fügen sich wieder zu einem Ganzen

So stellt Schneider dem Leser die Pieta von Sankt Matthäus in Alfter vor, die der Kölner Bildhauer Nikolaus Steinbach 1902 aus hellem Stein geschaffen hat. Die Aufnahme wirkt umso mehr, da die Figur aus ihrer realen Umgebung herausgelöst ist. Der Betrachter sieht die Gottesmutter, die den am Kreuz gestorbenen Jesus auf ihrem Schoß hält. Dem Hochaltar widmet Schneider eine Doppelseite. Zunächst ist das 1903 von Ferdinand Hachenberg aus Eichenholz geschaffene Werk in der Gesamtansicht zu sehen. Dann folgen die Darstellungen auf den vier Flügeln in Großaufnahmen: die wunderbare Brotvermehrung, Jesus mit den Jüngern beim Abendmahl, die Fußwaschung und die Hochzeit zu Kana. Auf diesen Bildern sind die Physiognomien oder Details der Gewänder der Dargestellten gut erkennbar. Das Auge der Kamera zeigt, was das Auge des Messbesuchers auf der Kirchenbank aufgrund der Entfernung zum Altar nicht wahrnehmen kann.

Detailreich ist auch die Kirche Sankt Jakobus in Gielsdorf dargestellt. Schneider zeigt die Figuren der Seitenaltäre: die heilige Cäcilia, Patronin der Kirchenmusik, mit Orgelpfeifen, den heiligen Josef mit dem Jesuskind, den heiligen Johannes, die Muttergottes mit dem Kind, die heilige Klara und den heiligen Franz von Assisi.

Musterbeispiel moderner Sakralarchitektur

Auf der Oedekovener Kirche Sankt Mariä Himmelfahrt hat Schneider den Posaunenengel auf dem Wetterkreuz per Zoom sichtbar gemacht. Kurios sind die Türgriffe am Haupteingang: einer gestaltet als Eichhörnchen mit langem buschigen Schwanz, der andere als springender Hase. Eine mögliche Deutung: Das Eichhörnchen steht einerseits für das Sammeln. Der Kirchgänger soll etwas von dem Gottesdienst mit in den Alltag nehmen. Andererseits ist der rote Schweif Symbol für den Feuerschweif des Teufels. Dadurch, dass dieser die Tür zum Gotteshaus öffnet, muss der Teufel dem Besucher dienen. Die Symbolik des Hasen dürfte bekannter sein: Da das Tier keine Augenlider hat und somit immer wach zu sein scheint, steht es für das ewige Leben. Fotos von Monstranz und Kelch dokumentieren die liturgischen Utensilien der Kirche.

Vom Impekovener Gotteshaus, vom Kölner Architektur-Künstler Gottfried Böhm entworfen, besticht allein schon die Außenaufnahme. Das Gotteshaus, zu dem 1968 der Grundstein gelegt wurde, besteht aus unterschiedlichen geometrischen Körpern. Nicht alle Kirchgänger haben sich damals rasch an den Anblick des wuchtig wirkenden Betonbaus gewöhnt. Mittlerweile ist die Kirche ein Musterbeispiel moderner Sakralarchitektur, weit über die Grenzen des Rheinlands bekannt und anerkannt. „Betonkirche“ ist längst keine abschätzige Bezeichnung mehr, sondern eine treffende Beschreibung der Besonderheit dieses Bauwerks.

Die evangelischen Kirchen sind jünger als die katholischen und daher auch moderner und sachlicher hinsichtlich ihrer Architektur. Die evangelische Kirche in Alfter, die 1996 eingeweiht wurde, verbindet diese Nüchternheit mit geschwungenen Linien. Schneider gewährt auch Einblicke in die Judas-Thaddäus-Kapelle in Alfter mit einer Darstellung des Patrons der Bedrängten und Verlassenen und in die Kapelle Sankt Mariä Vermählung in Oedekoven, die 1756 erbaut wurde. Darin hängt ein von Josef Nettekoven gefertigtes Kupferrelief, das die vier Apokalyptischen Reiter über dem Ort zeigt. Sie stehen sinnbildlich für die Schrecken der beiden Weltkriege. Schneider hat den Kirchengemeinden mehrere Exemplare seines Werks zur Verfügung gestellt. Pfarrer Rainald M. Ollig sei begeistert gewesen. So wird es auch vielen anderen Lesern gehen, die das Buch erwerben.

Die erste Auflage des Buches von Hans Schneider ist nahezu vergriffen, eine zweite Auflage geplant. Bestellungen nimmt Schneider unter 02 28/64 21 06 entgegen. Der Preis (acht Euro) deckt die Druckkosten.

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