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Mitsingen ist Ehrensache: Heiligabend auf dem Böhling und am Eisernen Mann

Mitsingen ist Ehrensache : Heiligabend auf dem Böhling und am Eisernen Mann

Am 24. Dezember heißt es traditionell zusammenkommen und Mitsingen bei einem Stelldichein auf dem Böhling und am Eisernen Mann. Dann treffen sich Gleichgesinnte aller Generationen.

Was macht man am Vormittag des Heiligen Abends, wenn man in Alfter oder in Swisttal wohnt? Für die 52 Jahre alte Sabine Dingler ist das eigentlich längst keine Frage mehr. Denn warm angezogen zieht es sie am 24. Dezember seit Jahr und Tag rauf auf den Böhling. Dort heißt es zusammenkommen und vor allem Mitsingen bei einem höchst traditionsreichen Stelldichein.

Das hatte der Stammtisch der Schlepperfreunde Alfter vor etlichen Jahren aus der Taufe gehoben, um sich gesellig und fernab der Einkaufshektik auf Heiligabend einzustimmen. Im Laufe der Zeit entwickelte sich die Veranstaltung unter freiem Himmel zu einem echten Selbstläufer, der alle Generationen anspricht.

Dass das weihnachtliche Singen auf dem Böhling nichts von seinem Charme eingebüßt hat, war erneut am vergangenen Sonntag zu erleben: Neben Dingler, die ausgerüstet mit einer Art portablem Glockenspiel angetreten war, sangen Hunderte große und kleine Gleichgesinnte aus vollen Kehlen Weihnachtslieder. So, wie wenige Kilometer Luftlinie entfernt bei einem ähnlichen Weihnachtstreffen mit Kultstatus: Am Eisernen Mann im Kottenforst.

Ziel war der Grillplatz

Von „Kling Glöckchen“ bis „Ihr Kinderlein kommet“ – kaum ein Weihnachtslied von Rang ließ die Kapelle in Gestalt der beiden „Cortinga“-Musiker Theo Klein und Heinz Weber ungespielt, die sich noch Verstärkung von Schorsch Melchior, Vorsitzender des Heimatvereins Alfter, und Gaby R. Weber geholt hatten. Hier mit einzustimmen war natürlich auch für Sabine Dingler fast schon Ehrensache: „Ich bin schon als kleines Mädchen mit meiner Familie an Weihnachten zum Singen unterwegs gewesen“.

Anfangs war dies allerdings noch ganz rustikal und urgemütlich auf dem alten Holder-Traktor der Familie hinein in den Kottenforst gegangen: Ziel der weihnachtlichen Exkursion, das auch noch zahlreiche anderer Treckerfahrer aus den umliegenden Gemeinden ansteuerten, war der Grillplatz am Eisernen Mann.

Dort war nämlich der Heimerzheimer Willi Bregulla vor 43 Jahren auf die Idee kommen, sich sozusagen unter freiem Himmel am Lagerfeuer und mit dem Singen von Weihnachtsliedern auf das Fest der Liebe vorzubereiten. „Damals hatten wir neben Glühwein sogar noch Tische und Stühle mit auf dem Traktor“, erinnert sich Dingler.

Viele junge Familien dabei

Seit 2008, seit es es die „Konkurrenzveranstaltung“ auf dem Böhling gibt, zieht es die 52-Jährige allerdings hoch auf den Aussichtspunkt über Alfters Dächern: „Mit der Veranstaltung beginnt eigentlich erst Weihnachten für mich“, schwärmt sie. „Die Gemeinsamkeit, der Zusammenhalt und das Singen sind einfach toll.“ Nach wie vor eingeschworene Fans hatte am Sonntag auch wieder Bregullas Kulttreffen, zu dem rund 150 Weihnachtsfreunde gekommen waren. Was Bregulla besonders freute: „Es waren jede Menge junger Familien mit dabei.“

So wie die Familie von Marion Fritzen aus Alfter, die das Dabeisein am Eisernen Mann quasi in die Wiege gelegt bekam: Ihr 70 Jahre alter Vater Günter Knien, der natürlich auch vor Ort Flagge zeigte, ist nach eigener Aussage seit 1972 regelmäßig am 24. Dezember Gast beim Weihnachtstreff im Kottenforst. Bei so viel Familientradition ist es auch kein Wunder, dass auch Fritzens Tochter Luise, Alfters amtierende Kinder-Alfreda, bereits infiziert ist. Sie ist nicht nur begeistert vom gemeinsamen Singen, sondern auch davon, das großzügig „auch Würstchen abgegeben werden“.