Heilende Wirkung: Gruppe in Alfter hat gemeinsam gefastet

Heilende Wirkung : Gruppe in Alfter hat gemeinsam gefastet

Gemeinsam hat eine Alfterer Gruppe der katholischen Pfarreiengemeinschaft gefastet. Und dabei haben die Teilnehmer so einiges über sich selbst erfahren. Auch Pfarrer Georg Theisen fastete mit. Auf den Messwein indes durfte er nicht verzichten.

„Den Abschluss unserer Fastentage werden wir mit einer Bergbesteigung beginnen, um dann von oben ins Tal herabzuschauen“, sagt Barbara Eva von Brockdorff, die als Heilpraktikerin die Fastengruppe der katholischen Pfarreiengemeinschaft Alfter elf Abende lang begleitet hat. Das Besteigen eines Bergs und das Hinabsehen von dort ist für die zehn im Volmershovener Jugendheim versammelten Fastenden als ein Bild gemeint, das ihre zurückliegenden Tage anschaulich beschreibt. Der „Berg“, den es zu erklimmen galt, bestand vor allem aus den ersten drei sogenannten Entlastungstagen, in denen man mit Ernährungsgewohnheiten bricht und sich ausschließlich von grünen Salaten und dem von Brockdorff als „Goldstück der Vollwertküche“ bezeichneten Getreidebrei ernährt.

Um im Bild zu bleiben, war für manche Teilnehmer der bereits zweiten Fastenaktion der katholischen Gemeinde, der „Gipfel“ der Besteigung bereits mit der Einnahme von Abführsalz oder einem Einlauf erreicht. Die Prozedur ist wichtig, sonst beginnen die Überbleibsel im Dünndarm zu faulen und zu gären. Ab dem vierten Tag gibt es fünf Tage lang nur noch Gemüsebrühe und Kräutertee oder Wasser.

Täglich abendliche Treffen der Teilnehmer

„Der Einstieg war überhaupt kein Problem für mich. Der Salat machte mich schon richtig satt“, berichtet Johannes D’Intinosante (49). Ihn quälten weder Hungergefühle noch empfand er sich anfänglich in seiner Leistungsfähigkeit eingeschränkt. Erst ab dem vierten Tag fühlte er sich geschwächt. „Ich bekam wackelige Beine“, erinnert er sich, „doch mit dem ersten Aufbautag, an dem ich einen Apfel essen konnte, war das schlagartig vorbei.“

Über das Fasten hat D’Intinosante eine für ihn wichtige Erfahrung gemacht. Ihm wurde bewusst, dass er in Phasen, in denen es ihm nicht gut geht, Besserung durch den Gang zum Kühlschrank sucht. Schlussendlich bewertet er, wie alle anderen Teilnehmer auch, seine erste Fastenerfahrung, für die er sich eine Woche Urlaub genommen hatte, als sehr positiv.

Eine Teilnehmerin, die während des Fastens ihren Job als Lehrerin weiter ausübte, ihren Namen jedoch an dieser Stelle nicht lesen möchte, bemerkte in Zeiten des Nahrungsverzichts leichte Konzentrationsschwierigkeiten, fühlt sich jedoch auch „irgendwie gelassener“. Sie konnte nicht, wie die meisten der Teilnehmer, an den täglich stattfindenden abendlichen Treffen teilnehmen. Und doch fühle sie sich von der Gruppe getragen.

Auch Pfarrer Georg Theisen, der bereits die erste Fastengruppe 2017 nicht nur spirituell begleitete, sondern auch aktiv mitmachte, war wegen seiner Verpflichtungen nur an wenigen Abenden dabei. Doch er versorgte die Gruppe mit kleinen Heften, die christlich meditative Impulse für jeden Fastentag bereithielten. „Für das Fastenbrechen habe ich mir den Tisch festlich gedeckt und mit Blumen und einer brennenden Kerze geschmückt“, erzählt der Pfarrer, der diese Situation fotografiert hat und als Anregung für die Gruppe in seinem Fastenheft mit den Worten „Achtung vor dem, was gewachsen ist“ überschrieb. Im Mittelpunkt des Bildes ist ein Teller zu sehen, auf dem ein Apfel liegt.

Zum Fastenbrechen gibt es einen Apfel

Wie wertvoll der erste bewusste Biss in diesen scheinbar so einfachen Apfel sein kann, lässt sich wahrscheinlich nur durch einen Fastenden ermessen.

Pfarrer Theisen freut sich schon auf seinen selbst zubereiteten Getreidebrei, den er am folgenden Tag erstmalig wieder essen darf. Seit der letzten Fastenaktion gehört die abendliche Zubereitung des Breis zu seinem Frühstücksritual.

Dazu nimmt er etwa 50 Gramm frisch gemahlenes Sechskorngetreide, das er über Nacht quellen lässt und am Morgen mit etwas Leinöl, einem geriebenen Apfel, Sonnenblumen- und Kürbiskernen sowie einem halben Becher saurer Sahne („weil die wenig Kalorien, aber viele Mineralstoffe hat“) anreichert und mit ein wenig Piment und Zimt verfeinert. „Für mich war es allerdings kein hundertprozentiges Fasten“, gesteht der Pfarrer und schmunzelt. Er habe ja bis zu drei Messen am Tag feiern müssen, bei denen er auf das Trinken des Messweins nicht verzichten darf.

Den Hinweis, dass er sicherlich nur „genippt“ habe, weist Theisen laut lachend von sich: „Also nein – Jesus hat gesagt, also nehmt und trinkt!“

Mehr von GA BONN