Nach dem Aus der Dependance: Gemeinde Alfter kämpft um weiterführende Schule

Nach dem Aus der Dependance : Gemeinde Alfter kämpft um weiterführende Schule

Sowohl die Politik als auch die Verwaltung bleiben hartnäckig und wollen eine weiterführende Schule, nachdem eine Dependance der Rheinbacher Gesamtschule in Alfter an zu wenig Anmeldungen gescheitert war. Eine Lösung sollen interkommunale Gespräche bringen.

Politik und Verwaltung wollen alles dafür tun, dass die Gemeinde Alfter eine weiterführende Schule, möglichst eine Gesamtschule, erhält. Das bekräftigten die Mitglieder des Bildungsausschusses und Bürgermeister Rolf Schumacher am Dienstag bei einer Sitzung des Gremiums. Erreicht werden soll das in Gesprächen mit der Bezirksregierung Köln und den Nachbarkommunen Bornheim, Bonn, Swisttal und Rheinbach. Ziel ist es laut Schumacher, die Schulentwicklungsplanung interkommunal zu intensivieren und konkrete Absprachen zu treffen.

Werner Urff stimmte für die UWG dagegen, Jochen Roebers (FDP) enthielt sich, da sich seine Fraktion nicht auf die Art der weiterführenden Schule festlegen will. Vor den Beschlüssen, die auch die Sanierung des alten Hauptschulgebäudes in Oedekoven und ein Nutzungskonzept dafür vorsehen, hatte der Ausschuss das Nichtzustandekommen der Dependance der Gesamtschule Rheinbach in Alfter intensiv diskutiert.

Die Ausgangslage: Er und viele andere seien enttäuscht, dass die Dependance aufgrund zu weniger Anmeldungen – 75 wären bekanntlich nötig gewesen, nur 54 hatte es gegeben – nicht zustande gekommen sei, sagte Schumacher. Das Thema einer Zweigstelle sei nun vom Tisch. „Rheinbach will nicht mehr“, so Schumacher. Und er sehe nicht, dass die Europaschule Bornheim an einem solchen Modell Interesse habe. Es müsse über weitere Lösungen nachgedacht werden.

Die Debatte: Er sei verwundert über die Kritik aus Bornheim, man habe sich zu wenig engagiert, sagte Barthel Schölgens (CDU). Die Politik habe alles getan, um die Dependance zu ermöglichen, man müsse den Elternwillen akzeptieren. Sandra Semrau und Bolko Graf Schweinitz (beide Freie Wähler) hielten dagegen. Man habe die Eltern nicht überzeugt und müsse sich fragen, ob man wirklich genug getan habe, hieß es von ihnen. Es sei für Eltern sicher ein Problem gewesen, Kinder an einer Schule anzumelden, die es noch gar nicht gebe und deren Gebäude nicht saniert sei, meinte Semrau.

Laut Graf Schweinitz war die Öffentlichkeitsarbeit für die Schule nur „Dienst nach Vorschrift“, das Bekanntgeben der Kostensteigerung ebenso missglückt wie der Elternabend im Rathaus. Die CDU solle sich „demutsvoller äußern“, so Graf Schweinitz. Semrau ergänzte, dass sie nicht überzeugt sei, dass Schumacher die weiterführende Schule wirklich wolle. Robert de la Haye (Grüne) sprang der Union bei. Der CDU etwas zu unterstellen, sei unfair, sagte er. „Es lag nicht am Bürgermeister.“ Bei der Einrichtung einer Schule müsse man auch so selbstbewusst sein, auch eine Sekundarstufe II anzubieten.

Schumacher warf den Freien Wählern vor – abgesehen von der UWG – die Einmütigkeit in Sachen Schule zu spalten. „Wir schauen nicht kritiklos auf den Prozess“, sagte er. Es sei nicht leicht, Eltern zu überzeugen. Zudem wisse er, dass Eltern von einigen Schulen unter Druck gesetzt worden seien, ihr Kind nur dort anzumelden und nicht – wie mit der Möglichkeit zur Doppelanmeldung eingeräumt – auch für die Dependance. Dass die Schule im laufenden Betrieb saniert worden wäre, sei sicher ein Argument dagegen gewesen. Luise Wiechert (CDU) erklärte, sie habe im Bekanntenkreis ordentlich Werbung gemacht, aber nur zwei Eltern seien für die Zweigstelle gewesen. FDP-Mann Roebers meinte, dass die Form der Dependance ohne eigene Oberstufe abschrecke. „Identifikation braucht Eigenständigkeit“, befand er. Reimund Overhage stellte für die SPD heraus, am System Gesamtschule für Alfter festhalten zu wollen. „Keine andere Schule ist in der Lage, ein so breites Spektrum an Schülern aufzunehmen.“

Das weitere Vorgehen: Sofern die Politik die Gelder im Haushalt – dieser soll in der Ratssitzung am 11. April verabschiedet werden – freigibt, wird das 40 Jahre alte Ex-Hauptschulgebäude auf Vordermann gebracht. Dafür hat Kämmerer Nico Heinrich bekanntlich 9,6 Millionen Euro im Etat vorgesehen. Der Komplex soll für eine spätere Nutzung saniert werden, aber auch um dem Offenen Ganztag der Grundschule Oedekoven, der dort aktuell untergebracht ist, bessere Bedingungen zu bieten. Dazu wird die Verwaltung ein Konzept zur späteren Gebäudenutzung erarbeiten.

Die Politik stimmte zu, die Wünsche der Freien Christlichen Schulen Bonn/Rhein-Sieg sowie des Rhein-Sieg-Kreises – für die Waldschule – zu berücksichtigen. Beide würden gerne Teile des Gebäudes zeitweise nutzen. Die Beschlüsse zur Sanierung und zum Nutzungskonzept fielen einstimmig.

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