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Herrenwingert in Alfter: Funktional statt desolat

Herrenwingert in Alfter : Funktional statt desolat

Der zentrale Platz in Alfter, der Herrenwingert, genügt den Ansprüchen nicht mehr. Nach einjähriger Beratung legt eine Arbeitsgruppe dem Rat nun Verbesserungsvorschläge vor

Die Festwiese wird bei Regen zu einem Matschplatz, Busse quälen sich durch den Passanten- und Parkplatzsuchverkehr, und bei einer Beerdigungsmesse reichen die Stellplätze auf dem Herrenwingert nicht aus. Das könnte anders aussehen: durch Erneuerung der Wiese, Änderung der Busroute und Schaffung von zusätzlichem Parkraum - insbesondere für Dauerparker.

Nach knapp einjähriger Beratung hat die Arbeitsgruppe Dorfplatzgestaltung des Ortsausschusses Alfter für Politik und Verwaltung einen Maßnahmenkatalog erarbeitet und legt ihn zur kommenden Ratssitzung vor. Damit war der Ortsausschuss als repräsentative Vertretung der Bürgerschaft Ende vergangenen Jahres vom Gemeinderat beauftragt worden. Seit Anfang des Jahres sammelte und diskutierte die Arbeitsgruppe Anregungen von Bürgern, Politikern und Gewerbetreibenden und gibt nun die gemeinschaftlich erarbeitete Empfehlung in die Beratung der zuständigen politischen Gremien.

Optimierung der Festwiese: Hügel, Bäume und ein aufgeweichter Boden bei Nässe schränken die Nutzung der Festwiese im Alfterer Ortskern ein. Sie wirkt nach Ansicht der Arbeitsgruppe Dorfplatzgestaltung vernachlässigt und desolat. Die Fläche soll deshalb für Kirmesveranstaltungen so umgestaltet und aufgewertet werden, dass sich die Nutzung des angrenzenden Parkplatzes am Herrenwingert zumindest zum größten Teil erübrigt. Eventuell kann die Wiese bei besonderen Gelegenheiten auch als Parkplatz dienen. Dazu sollten die Hügel entlang des Pfarrheimes abgetragen und die Mäuerchen entfernt werden; der Baumbestand soll reduziert und die Oberfläche der Wiese erneuert werden. Die Mitglieder des Ortsausschusses sind bereit, durch Hand- und Spanndienste an dieser Umgestaltung mitzuwirken.

Verlagerung der Buswendeschleife: Die getrennte Einfahrspur für den Bus und die Bepflanzung des Trennstreifens behindern die Sicht auf die Festweise. Die Führung der Busse um den Parkplatz verschlingt nicht nur viel Platz; beim Zusammentreffen mit Lieferwagen und dem Parkplatzsuchverkehr entstehen nach Angaben der Arbeitsgruppe Dorfplatzgestaltung auch gefährliche Situationen, insbesondere für Fußgänger. Vorgeschlagen wird deshalb, den Busverkehr vom Parkplatz fernzuhalten und stattdessen die Wendeschleife auf der Festwiese anzulegen - und zwar so, dass deren Nutzung als Festwiese nicht eingeschränkt wird. Die gesonderte Busspur soll zugunsten der Erweiterung der Wiese entfallen.

Parkplatz-Neugestaltung: Der vorhandene Parkraum im Ortszentrum reicht im Normalfall aus, bei Veranstaltungen oder Beerdigungsmessen in der nahegelegenen Kirche Sankt Matthäus jedoch nicht. Finden Kirmesveranstaltungen auf dem Parkplatz statt, wird der dann fehlende Parkraum zu einem besonderen Problem. Außerdem ist der Parkbedarf von Lehr- und Kindergartenpersonal sowie des Personals der Gewerbebetriebe nach Auffassung der Arbeitsgruppe Dorfplatzgestaltung nur ungenügend berücksichtigt.

Sie fordert daher, Lösungen für die Anlieferverkehre und eine Reduzierung der Blumenbeete zu planen; zudem soll die Aufenthaltsqualität vor den Cafés verbessert werden. Dazu brauche es Fahrradabstellplätze und eine Prüfung, ob Boxen für Einkaufswagen auf dem Parkplatz hilfreich wären.

Parkplätze am Schloss: Um für Arbeitnehmer im Ortszentrum Dauerparkplätze zu schaffen, schlägt die Arbeitsgruppe als Beispiel die Freifläche hinter dem Schloss vor, die wie ein Dreieck zwischen dem Buchholzweg und der Zufahrt zum Schloss liegt. Sie unterliegt derzeit keiner intensiven landwirtschaftlichen Nutzung und ist sehr nah am Zentrum. Zusätzlicher Parkraum dort wäre auch eine Hilfe für Kirchenbesucher, da sie dann einen ebenerdigen Weg nutzen könnten.

Kundenbindung im Ort: Der Edeka-Markt am Herrenwingert ist ein Ankerbetrieb, dessen Fortbestand für die Existenz der weiteren Geschäfte von essentieller Bedeutung ist. Die Arbeitsgruppe Dorfplatzgestaltung unterstützt daher die Erweiterungspläne des Marktes und fordert, dass die Voraussetzungen dafür geschaffen werden.

Zur Stabilisierung der Kundenbindung wäre ein zusätzlicher Frequenzbringer hilfreich, zum Beispiel ein Drogeriemarkt. Um die Ansiedlung weiterer Betriebe zu ermöglichen, wird angeregt zu prüfen, ob eine städtebauliche Studie im entsprechenden Studiengang der Alanus Hochschule entwickelt werden kann. Eine solche Entwurfsplanung könnte dann später die Grundlage für die Beantragung von Städtebaufördermitteln sein.

Der Rat der Gemeinde Alfter tagt morgen ab 18 Uhr im Rathaus, Alfter-Oedekoven, Am Rathaus 7. Die Sitzung zu dem genannten Tagesordnungspunkt ist öffentlich.

Grüne fordern barrierefreie Zonen

Über die Umgestaltung des Ortskerns am Herrenwingert hat sich auch der Ortsverband Alfter von Bündnis 90/Die Grünen Gedanken gemacht. Für ihn führte Diplom-Ingenieurin Sonia Teimann aus Alfter eine Bürgerbefragung durch. Sie ist seit der jüngsten Kommunalwahl Ratsmitglied. Nach Auswertung der 245 Fragebögen zur Aufenthaltsqualität und zu Verbesserungswünschen setzen die Befragten drei Prioritäten: ein besserer Branchenmix aus Geschäften, Cafés und Dienstleistungen; mehr begrünte Fußgängerbereiche und eine Platzgestaltung mit Bürgerbeteiligung.

Die Forderung nach weniger und mehr Parkraum hielt sich die Waage. Am sinnvollsten wurde eine andere Verteilung der Stellflächen angesehen. Auf Basis der Umfrageergebnisse schlagen die Grünen unter anderem größere, barrierefreie Aufenthaltsbereiche für Fußgänger vor. Vor dem Ärztehaus soll die Fläche vergrößert werden, indem eine der sechs Parkreihen entfällt. Die Zufahrtstraße zwischen Lukasgasse und Herrenwingert sollen nur noch Zulieferer nutzen dürfen. Die Zahl der Dauerparkplätze soll zugunsten des Parkens mit Parkscheibe stark eingeschränkt werden. Auch die Grünen fordern die Suche nach Alternativen für Dauerparker in Schlossnähe sowie die Auslagerung des Pausenhaltestelle für Busse, damit stattdessen an der Schule gegenüber eine verbreiterte Grünzone entstehen kann.

Die Grünen stellen ihre Ergebnisse der Verwaltung und den politischen Gremien zur Verfügung und beantragen, bei der kommenden Ratssitzung die Fördermöglichkeiten für die Umgestaltung des Herrenwingert zu prüfen. Für den Fall, dass es dafür öffentliche Mittel gibt, soll die Verwaltung ein integriertes Handlungskonzept erstellen oder ein Fachbüro damit beauftragen. An dem Prozess sollen Bürger, Gewerbeverein und Politik beteiligt werden.

Die Umfrageergebnisse sind unter www.gruene-alfter.de abrufbar.