Hervorgegangen aus Bürgerinitiative: Freie Wähler in Alfter feiern zehnjähriges Bestehen

Hervorgegangen aus Bürgerinitiative : Freie Wähler in Alfter feiern zehnjähriges Bestehen

Die Freien Wähler Alfter, die mittlerweile die Politik in der gesamten Gemeinde mitbestimmen, haben ihr zehnjähriges Bestehen gefeiert. Hervorgegangen ist die Gruppe aus einer Bürgerinitiative.

Während sich viele Bürgerinitiativen für ein bestimmtes Projekt zusammenfinden und anschließend nach Erfolg- oder Misserfolg wieder auseinandergehen, hat die Bürgergruppe Ortsentwicklung Alfter für Alfter-Ort eine Wählergemeinschaft hervorgebracht, die mittlerweile die Politik in der gesamten Gemeinde mitbestimmt.

Auf den Tag genau feierten die Freien Wähler Alfter am Donnerstag ihr zehnjähriges Bestehen mit Mitgliedern und auch Gästen anderer Parteien im Gasthaus Zur Krone in Alfter. „Wir sind keine klassische Partei. Wir sind eine lokal wirkende, politische Kraft“, sagt Sandra Semrau, stellvertretende Fraktionsvorsitzende und Vorsitzende der Wählergemeinschaft.

Die Bürgerinitiative gründete sich 2004. Anlass war die Planung von Verwaltung und Politik von sechs großen Baugebieten am Alfterer Hang. Viele Anwohner fühlten sich bei den Planungen und Entscheidungen entgegen des vorausgegangenen Gemeindeentwicklungsprozesses übergangen. „Dieses Vorgehen hat unseren Widerstandsgeist geweckt“, erinnert sich Bolko Graf Schweinitz, der zu den Gründungsmitgliedern zählt und heute den Fraktionsvorsitz inne hat.

Initiative verhinderte Baugebiet

Das Kernteam begann dann, Informationen über die Neubauprojekte zu sammeln, Bürgeranfragen an den Gemeinderat zu stellen und die Öffentlichkeit zu informieren – mit Flugblättern, bei Bürgerversammlungen und auf ihrer damaligen Internetseite www.lebendiges-alfter.de. Wer heute diese Adresse im Internet eingibt, wird direkt auf die aktuelle Seite der Wählergemeinschaft geführt.

Die Initiative verhinderte eines der Baugebiete, das Areal an der Görreshöhle. „Je länger wir uns in diese Thematik eingearbeitet haben, desto mehr Spaß hat uns diese Arbeit gemacht“, sagt Schweinitz. Da der Gemeinderat jedoch weiterhin an den Planungen für die anderen Neubaugebiete festhielt, entschied sich die Bürgergruppe Ende 2008 für einen weiteren Schritt – um sich selbst in das Gremium wählen zu lassen.

2009 gründete sich daraufhin die Freie Wählergemeinschaft. Dass dabei unterschiedliche politische Gesinnungen zusammentrafen, habe die Diskussionen innerhalb der Gemeinschaft eher gefördert. Bei der Kommunalwahl im selben Jahr zogen die Freien Wähler mit vier Sitzen in den Gemeinderat ein, auch bei der vergangenen Kommunalwahl 2014 sicherten sie sich erneut vier Sitze. Mitglied des Rates sind neben Semrau und Schweinitz auch Thomas Wedemeyer und Manfred Wanke. „Heute sind wir in Alfter-Ort die zweitstärkste politische Kraft. In der Gemeinde Alfter stehen wir an vierter Stelle“, sagt Schweinitz.

Mehr als 50 Mitglieder

Die Anliegen von damals sind den Freien Wählern auch heute noch wichtig. Die Aufarbeitung der nach ihrer Einschätzung unangemessenen Baugebiete ist eines von vier Schwerpunktthemen, die sich die Gemeinschaft für die Wahlperiode gesetzt hat. Daneben finden sich die Einsparmöglichkeiten bei Haushaltsplanungen, der Ausbau der Infrastruktur und die Förderung des Dorflebens auf ihrer Agenda. „Das sind unsere Leitziele – wir versuchen an diesen dranzubleiben“, so der Fraktionsvorsitzende.

In seiner Rede anlässlich der Feierlichkeiten stellte Schweinitz die bisherigen Erfolge der Gemeinschaft vor, wie beispielsweise die Verhinderung von weiterem Wohnungs- und Straßenbau im Bereich zwischen dem Alfterer Schloss, der Kirche Sankt Matthäus und dem Friedhof, die Aufhebung des Bebauungsplans „Kramersbruch“ sowie die Offenlegung der Gemeindegesamtschulden.

Heute bestehen die Freien Wähler aus mehr als 50 Mitgliedern und sind offen für neue Ideen. „Wir haben jetzt auch Mitgliedsanträge ausgedruckt, um das Angebot niederschwellig zu halten“, sagt Semrau. Jeden Montag trifft sich ein fester Kreis von Mitgliedern, andere fungieren eher im Hintergrund als Experten für bestimmte Themengebiete. „Bei uns sind die Hürden kleiner“, so Schweinitz.

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