Fürst Franz Josef: Elisabeth Böttges sammelt Geschichten der Fürstenfamilie

Fürst Franz Josef : Elisabeth Böttges sammelt Geschichten der Fürstenfamilie

"Freude und Leid in der fürstlichen Familie Salm-Reifferscheidt-Dyck" lautet der Titel der privaten Sammlung, die in Alfter Seltenheitswert haben dürfte.

Die Danksagung ist auf feinem Briefkarton gedruckt und persönlich von Fürst Franz Josef und seiner Frau Cecilie mit blauer Tinte unterschrieben. Formvollendet bedanken sich der Altgraf zu Salm-Reifferscheidt-Krautheim und Dyck und Prinzessin zu Salm-Salm 1955 beim Alfterer Volksschullehrer Jakob Böttges und dessen Frau Luise für die Glückwünsche zur Hochzeit ihrer Tochter Marie Christine. Auf dieses Schreiben an ihre Eltern ist Elisabeth Böttges (80) besonders stolz und verwahrt es sorgsam zusammen mit weiteren fürstlichen Familienanzeigen, Fotos und Zeitungsartikeln sorgsam in einem eigenen Album.

"Freude und Leid in der fürstlichen Familie Salm-Reifferscheidt-Dyck" lautet der Titel der privaten Sammlung, die in Alfter Seltenheitswert haben dürfte. Der Fürst wurde zwar mit 'Durchlaucht' angesprochen, aber er gab sich nicht abgehoben", beschreibt Elisabeth Böttges ihre Erinnerungen an den Adligen, der seine Töchter ganz bewusst nicht isoliert auf dem Schloss unterrichten ließ, sondern in die Alfterer Volksschule schickte. Einige der sechs Töchter, die siebte starb im Alter von drei Jahren, hatten Jakob Böttges als Klassenlehrer. Und so ergaben sich zwangsläufig engere Kontakte zum Schlossherrn.

"Der Fürst war an der schulischen Entwicklung seiner Kinder interessiert", weiß Elisabeth Böttges, die von 1968 bis 1995 Rektorin der Johann-Wallraf-Grundschule in Bornheim war. Zum Beweis zieht sie einen 1941 handschriftlich verfassten Brief des Fürsten an den Volksschullehrer aus dem Album, der in Alfter bis 1954 unterrichtete. "Ich selbst ging mit der Fürstentochter Marie Anne in eine Klasse." Das brachte Elisabeth Böttges vereinzelte Einladungen zum Spielen auf Schloss Alfter ein, wo sie über wunderschöne Puppenstuben und Kaufläden staunte und diverse Kinderfahrzeuge ausprobieren konnte.

Während sich die Mädchen nach der Grundschulzeit aus den Augen verloren, blieb Lehrer Böttges durch nachrückende jüngere Geschwister mit dem Fürstenhaus in Verbindung und erhielt Einladungen zu Veranstaltungen der Donnerstag-Gesellschaft (1947-1950), die unter der Schirmherrschaft von Fürst Franz Josef auf Schloss Alfter ein Zentrum für moderne Kunst und Kultur schuf. "Das Angebot schätzten meine Eltern sehr. Meine Mutter zog dann ihre besten Sachen an. In Bonn war ja unmittelbar nach dem Krieg nichts los aufgrund der vielen Zerstörungen." Diese Kontakte führten dazu, dass auch die Familie Böttges Hochzeits- und Todesanzeigen aus dem Fürstenhaus bekam sowie manches handsignierte Foto.

Zusammen mit Zeitungsausschnitten über die prachtvolle Hochzeit von Marie Christine, Altgräfin von Salm-Reifferscheidt-Krautheim-Dyck (1931-2010), mit Peter Reichsgraf Wolff Metternich zur Gracht (1929-2013) 1955 füllte sich mit den Jahren eine Schublade, bis Elisabeth Böttges und ihre Mutter die Dokumente in den 60er Jahren in ein Album sortierten.

Der Berichterstattung über die damalige Hochzeit lässt sich entnehmen, dass die Fürstenfamilie im Ort wohlgelitten war. Denn zu Ehren des Brautpaars formierten sich mehrere Hundert Bürger am Vorabend zu einem Fackelzug, an dem sich unter anderem auch der Männergesangverein und der Kirchenchor, der Junggesellenverein und die Schützen beteiligten. Angekommen im Schlosshof, überreichte der damalige Bürgermeister Heinrich Weiler den Brautleuten als Geschenk ein Gemälde des Künstlers Hubert Berke. Die Eheschließung erfolgte tags drauf in der mit weißen Nelken und Lilien geschmückten Pfarrkirche Sankt Matthäus, wo der Kirchenchor unter Leitung von Theo Schneider die "Missa in Honorem St. Nicolai" von Haydn sang. Danach wurde mit 350 geladenen Gästen auf dem Schloss gefeiert. Dabei trat der Kirchenchor erneut auf und sang "Die Himmel rühmen" von Beethoven.

Die Frischvermählten lebten fortan im niedersächsischen Adelebsen. Nach dem Tod von Fürst Franz Josef im Jahr 1958 blieb auch Schloss Alfter, das von der Familie 1930 bezogen worden war, nicht mehr lange der ständige Wohnsitz. Dieser wurde 1961 nach Schloss Dyck verlegt.

Für Elisabeth Böttges bleibt Schloss Alfter unverändert ein Stück Heimat. Wenn die Pensionärin im nächsten Jahr ins Beethovenstift nach Bornheim zieht, wird das Schloss sie in Form eines Aquarellgemäldes des Alfterer Künstlers Dankward Freiherr von Funck begleiten.

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