Interview mit Krimiautor und Journalist: Ditmar Doerner spricht über das Schreiben

Interview mit Krimiautor und Journalist : Ditmar Doerner spricht über das Schreiben

Ditmar Doerner liest am Dienstag in Alfter aus seinen Büchern "Marie - Ein stiller Tod" und Exitus Venusberg: Mord in Bonn". GA-Redakteurin Sabrina Bauer sprach mit ihm über Inspiration, Recherche und die beste Zeit zum Schreiben.

Sie sind Journalist und schreiben in Ihrer Freizeit Krimis. Wie kommt man vom journalistischen zum literarischen Schreiben?

Ditmar Doerner: Ich wollte schon seit der Kindheit schreiben. Sprache und Menschen haben mich immer interessiert. Nach dem Abitur habe ich Germanistik studiert und Praktika bei verschiedenen Medienunternehmen absolviert. Zu meinem ersten Buch hat mich mein Heimatort inspiriert. Aufgewachsen bin ich in einem kleinen Dorf, das eine gewisse Agatha-Christie-Atmosphäre hatte – vor allem in den Wintermonaten: Alle kannten sich, waren befreundet oder eben verfeindet. Schon mit 25 Jahren wusste ich, dass ich eines Tages daraus eine Geschichte machen wollte. Vor zehn Jahren habe ich es dann getan.

Was ist der größte Unterschied zwischen den beiden Schreibstilen?

Doerner: Für das Fernsehen zu schreiben, ist schwieriger, weil man alles komprimieren muss. Bei einem Buch kann man ausschweifen und seine Fantasie spielen lassen.

In dem Buch „Marie – Ein stiller Tod“ verbinden Sie Realität mit Fiktion. Der Fall des toten Mädchens Marie basiert auf einem realen Fall aus Bad Honnef. Damals wurde eine Neunjährige von ihrer Pflegemutter ertränkt.

Doerner: Das Buch ist an den realen Fall angelehnt – dieser geht aber ganz anders weiter.

Wann haben Sie sich dafür entschieden, den Fall, über den Sie auch berichtet haben, in einem Krimi zu verarbeiten?

Doerner: Ich weiß es noch ganz genau: Ich stand nach der Verurteilung der Mörderin in meinem Büro und habe darüber nachgedacht, wie entsetzlich und grausam diese Tat war und wie man die Täterin zumindest literarisch „beseitigen“ könnte. Zunächst habe ich ein Kapitel geschrieben, daraus wurden vier. Dann habe ich die Geschichte erst einmal liegen lassen und nach einer Weile den neuen Fall daraus konstruiert.

Wie viel ist Fiktion?

Doerner: Das ist schwer zu sagen. Es kommen immer wieder Figuren vor, die es im tatsächlichen Fall gegeben hat – aber ohne dass ich diese kenne. Wenn ich über Tatorte oder Schauplätze schreibe, dann ist das reine Fiktion. Ich war nie in der Wohnung, die ich beschreibe.

Woher nehmen Sie die Inspiration für die Figuren?

Doerner: Für die Nebenfiguren orientiere ich mich meistens an Menschen, die ich flüchtig kenne, und übernehme von ihnen äußerliche Merkmale. Den Charakter erfinde ich dazu. Es kommt aber auch vor, dass Figuren komplette Fiktion sind, wie die beiden Kriminalkommissare und Hauptcharaktere Margot Lukas und Fabian Faust. Die beiden sind irgendwann in meiner Vorstellung aufgetaucht und haben sich mittlerweile so verfestigt, dass ich gar nicht mehr viel nachdenken muss, wie sie sich in bestimmten Situationen verhalten sollen.

Im Herbst soll Ihr viertes Buch erscheinen, der dritte Fall von Lukas und Faust. Womit haben es die Ermittler in diesem Fall zu tun?

Doerner: Das Thema hat wieder einen aktuellen Bezug: Es geht um Clans, moderne Kunst und Geldwäsche. Und: Die Handlung spielt wieder in Bonn. Ich habe es im vergangenen Winter geschrieben und überarbeite es aktuell noch. Zwei Freundinnen korrigieren es im Anschluss. Erst danach schicke ich es an den Verlag.

Das heißt, Winter ist die klassische Jahreszeit für Sie zum Schreiben?

Doerner: Wenn es draußen früher dunkel wird und ich abends Zeit habe, ziehe ich mich in mein Zimmer zurück, setze mich an meinen Schreibtisch und beginne zu schreiben. Die Idee für die Geschichte habe ich zu dem Zeitpunkt aber schon längst fertig im Kopf.

Machen Sie sich selbst Vorgaben, wie viele Zeilen Sie an so einem Abend schaffen wollen?

Doerner: Wenn ich einen Krimi schreibe, dann muss ich die Geschichte auch in drei bis vier Monaten durchschreiben. In dieser Zeit versuche ich, mich je nach Arbeit vormittags oder abends an den Text zu setzen. Ich kann den Schreibprozess nicht für zwei Wochen unterbrechen, weil ich die spezifische Stimmung für die Protagonisten und deren Ich-Perspektive brauche.

Inwieweit recherchieren Sie für ihre Krimis bei der Polizei oder in der Pathologie?

Doerner: Bevor ich etwas Falsches schreibe, lasse ich es weg. In der Pathologie war ich einmal für einen anderen Fernsehbeitrag. Bei dem Besuch habe ich viel über die Arbeit und die Abläufe der Pathologen erfahren. Solches Detailwissen kann ich dann in meine Geschichten einfließen lassen. Allerdings recherchiere ich nicht alles akribisch – ein Krimi ist immer noch Literatur und Fiktion.

Erzählen Sie anderen von neuen Krimi-Ideen vor dem Schreibprozess?

Doerner: Ich entwickele neue Geschichten komplett alleine. Wenn ich laufen gehe, denke ich darüber nach, wie sich die Geschichte oder eine erste Idee weiterspinnen lässt. Oft kommen mir aber auch kurz vor dem Einschlafen neue Gedanken. Die Geschichte gebe ich erst jemand anderem zum Lesen, wenn sie fertig ist.

Die Lesung findet am Dienstag, 9. April, ab 20 Uhr in der Öffentlichen Bücherei Sankt Matthäus, Hertersplatz 14 in Alfter, statt. Um Anmeldung unter 02222/935360 oder per E-Mail an kontakt@buchstuetzen-alfter.de wird gebeten. Der Eintritt ist frei.

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