Umgestaltung der Alfterer Ortsmitte: "Die Nachbargemeinden sind an uns vorbeimarschiert"

Umgestaltung der Alfterer Ortsmitte : "Die Nachbargemeinden sind an uns vorbeimarschiert"

Soll es einen großen Wurf geben mit neuer Wohnbebauung und einer Tiefgarage am Herrenwingert oder lieber nur eine maßvolle überirdische Umgestaltung? Beim Bürgergespräch über die Zukunft der Ortsmitte von Alfter gingen die Argumente der rund 200 Besucher hin und her. Die Suche nach einem Königsweg ist schwierig. Nur so viel wurde klar: Das Zentrum steht und fällt mit einem Einkaufsmarkt und einem bedarfsgerechten Parkplatzangebot.

Mit Blick auf die Konkurrenz in Roisdorf und Duisdorf warnte der Alfterer Unternehmer Paul Faßbender: "Was hier ist, hat mittel- und langfristig keine Chance. Die Nachbargemeinden sind an uns vorbeimarschiert." Die Gelegenheit, einen wunderschönen Platz zu gestalten, solle man nutzen. Versteckte Potenziale am Herrenwingert sieht auch Kirsten Mohr. Sie betreibt dort seit rund zehn Jahren den Edekamarkt und gab ein klares Bekenntnis ab: "Wir würden gerne vor Ort bleiben und die Nahversorgung beibehalten."

Ausdrücklich ergebnisoffen war dieses Gespräch mit den Bürgern, deren Anregungen zu drei unverbindlichen Ideenskizzen gefragt waren (der GA berichtete). "Wir werden das nun sacken lassen und auswerten, in den politischen Gremien besprechen und strukturieren, Vorschläge erarbeiten und über die weitere Form der Bürgerbeteiligung beraten." So fasste Bürgermeister Rolf Schumacher den zweistündigen Austausch zusammen. Erklärtes Ziel der Gemeinde ist es, die Multifunktionalität des Platzes zu wahren, wo Wohnen und Arbeiten, Bildung und Kultur, Nahversorgung, Dienstleistungen und Brauchtumspflege aufeinandertreffen.

Vorschläge zur Umgestaltung stellte Diplom-Ingenieurin Sonia Teimann aus Alfter vor, die im Auftrag des Ortsverbandes Alfter von Bündnis 90/Die Grünen im vorigen Jahr eine Bürgerumfrage durchgeführt hatte. Die Ergebnisse mündeten unter anderem in Wünschen nach einer Aufwertung von Zugangs- und Einfahrtsbereichen, Schaffung ästhetischer Verweilbereiche, Anpassung der Wegführung der Busse und einer intelligenten Verteilung des Parkraums. Die Verlegung der Busspur und die Aufwertung der Festwiese, die bei Bedarf als zusätzlicher Parkraum dienen könnte, gehören zu wichtigen Anregungen der Arbeitsgruppe Dorfplatzgestaltung des Ortsausschusses Alfter (der GA berichtete).

Georg Melchior, Mitglied im Ortsausschuss und Vorsitzender des Heimatvereins Alfter, stellte den erarbeiteten Maßnahmenkatalog vor, der mit überschaubarem Finanzierungsaufwand umgesetzt werden könne. Die Vorschläge Teimanns und des Ortsausschusses fanden viel Zuspruch, da sie den Charakter der Ortsmitte nicht grundsätzlich ändern würden. Zahlreiche Wortmeldungen drehten sich um den Wunsch nach einem Parkplatzangebot, das nicht ausreicht, wenn Kirmes ist oder Beerdigungen in der nahen Kirche stattfinden. Die Lösung durch eine Tiefgarage, über der ein permanenter Festplatz angelegt wird und die ein Investor im Tausch gegen Gemeindegrundstücke zum Bau neuer Wohnhäuser errichten könnte, stieß auf geteilte Meinungen. Ideen dazu stellte der Bonner Architekt Wilfried Pilhatsch vor.

"Diese Vision passt nicht zum Image dieses Ortes", sagte ein Besucher. Und Ortsvorsteher Werner Jaroch sorgt sich, ob ein Grundstücksverkauf an einen Investor überhaupt mit der Schenkung der Fürstenfamilie zusammenpasst, die den Herrenwingert einst der Alfterer Bevölkerung für Feiern und Feste überließ. Nähere Angaben über Klauseln dieser Schenkung werden zurzeit noch recherchiert. Der Wegfall kurzer Besorgungswege im Falle einer Tiefgarage wurde ebenso kritisiert wie der Bau von Wohnhäusern, weil Ärger wegen Lärm bei Brauchtumsfesten zu befürchten sei.

Doch die große Lösung bietet auch Chancen für ein "Wohnen der kurzen Wege" in der Ortsmitte, insbesondere für ältere Menschen. Voraussetzungen dafür zu schaffen, gehört nicht nur zu Zielen der Gemeinde Alfter; auf diese Notwendigkeit mit Blick auf den demografischen Wandel wies Rainer Jenniches vom Vorstand der VR-Bank Bonn hin. An die Konkurrenz durch Einkaufsmöglichkeiten in den Nachbargemeinden erinnerte Alanus-Kanzler Dirk Vianden und begrüßte den Architektenvorschlag: "Dann könnte aus dem sogenannten Platz tatsächlich ein Platz werden." Auch ein anderer Besucher meinte: "Eine Dorfplatzgestaltung darf mehr sein, als ein paar Bäume umzugruppieren." Bis zu einer Entscheidung wird noch viel zu diskutieren sein. "Das ist ein ergebnisoffener Prozess", sagte Schumacher.