Dienst an Weihnachten: "Die Leute sind gut drauf - und wir auch"

Dienst an Weihnachten : "Die Leute sind gut drauf - und wir auch"

Dienst, wenn andere gemütlich neben dem Tannenbaum sitzen, lecker speisen und die Geschenke auspacken. Mit Menschen, die an den Feiertagen arbeiten müssen und denen kaum ein Innehalten vergönnt ist, haben wir uns unterhalten. Hier die Wortprotokolle.

Dieter und Gabriele Piel betreiben das Gasthaus "Spargel Weber" und das angrenzende Hotel in Alfter. Die Gaststätte ist am zweiten Weihnachtsfeiertag mittags geöffnet, dafür an Heiligabend und am ersten Weihnachtsfeiertag geschlossen. Der Betrieb im Hotel läuft über die Feiertage weiter. Die beiden berichten:

Für uns ist es wichtig, dass wir zumindest an zwei Tagen das Lokal schließen können. Wir brauchen diese Zeit mit der Familie, um durchzuatmen. Die Zeit vor Heiligabend ist ganz besonders stressig. Dorfvereine feiern ihre Jahresabschlüsse bei uns, Firmen oder auch Privatpersonen möchten ihre Weihnachtsfeiern buchen. Im Hotel ist zu dieser Zeit auch reger Betrieb, weil viele Gäste ihre Familien in Alfter besuchen.

Wir bieten über die Feiertage dann kein Frühstück an. Unsere Stammgäste kennen das schon, die sind ganz froh, wenn sie frei haben und ausschlafen können. Am zweiten Weihnachtsfeiertag starten wir dann erholt wieder in die Gastronomie. Wir bieten im Gasthaus ein oder zwei Weihnachtsmenüs an, aber auch Essen à la carte. Außerdem gibt es eine Kinderkarte, weil viele Familien am 26. Dezember zu uns kommen. Die Stimmung so kurz nach Weihnachten ist feierlich und irgendwie gelassener als sonst. Manchmal sitzen wir dann am frühen Abend, wenn das Mittagsgeschäft vorüber ist, mit den Angestellten noch nett beisammen und lassen den Tag ausklingen.

Wir finden es gar nicht schlimm, an Weihnachten zu arbeiten. Die Atmosphäre ist einfach toll, die Leute sind gut drauf und wir sind es auch, wenn es jedem Gast geschmeckt hat.

Alleinlebende Patienten freuen sich über die Pflegerin an Weihnachten

Petra Fromm ist examinierte Altenpflegerin und arbeitet beim mobilen Pflegedienst Gunkel-Becker in Brenig. Die 60-Jährige übernimmt die Spätschicht an Heiligabend und zwei Schichten am ersten Weihnachtsfeiertag.

Ich muss mich jedes Jahr wieder ein wenig anstupsen, um an Heiligabend vom gedeckten Tisch aufzustehen und zur Arbeit zu fahren. Schließlich sitzt dort die Familie beisammen.

So richtig feiern wir aber auch erst am zweiten Weihnachtsfeiertag, weil ich da frei habe. An Heiligabend brunchen wir eher mal um die Mittagszeit. Abends bleibt mir natürlich keine Zeit, um ein großes Essen vorzubereiten. Die Spätschicht dauert etwa von 17 bis 21 Uhr. Wenn man an Weihnachten bei den Patienten ist, fühlt es sich manchmal so an, als würde man in ihre Privatsphäre eindringen. Sie bekommen oft Besuch von der Familie, damit muss man sich irgendwie arrangieren. Es gibt aber auch Patienten, die alleine leben und sich wahnsinnig freuen, wenn an Weihnachten der Pflegedienst kommt.

Einige erzählen gerne, wie sie früher Weihnachten gefeiert haben. Am 25. Dezember bringen wir immer ein kleines Geschenk mit. Im vergangenen Jahr gab es ein Glas selbst gekochter Marmelade.

Darius Piechocki: "An Weihnachten zu arbeiten macht mir nichts"

Darius Piechocki (50) ist seit 2003 Busfahrer bei der Regionalverkehr Köln (RVK). Zunächst fuhr der gebürtige Pole für die RVK Bad Godesberg. Erst 2012 wechselte er zur RVK-Niederlassung nach Meckenheim und befährt seitdem die verschiedensten Linien im gesamten linksrheinischen Rhein-Sieg-Kreis. Piechocki wohnt mit seiner Frau Regina und den 18-jährigen Zwillingen Patrick und Natalie auf dem Brüser Berg in Bonn. Nach dem Abitur in Danzig kam Piechocki 1986 als 21-Jähriger mit seinen Eltern nach Bonn. Er wollte nicht studieren. Auch einen Beruf hat er nicht erlernt, da er möglichst schnell Geld verdienen wollte, um früh eine Familie zu gründen. Seine beruflichen Tätigkeiten waren vielfältig. So arbeitete er in Bonn als Verkäufer von Elektroinstallationsgeräten, als Taxifahrer, als Linienbusfahrer bei Univers-Reisen und schließlich als Fahrer bei der RVK.

Leidenschaftlich gerne fahre ich Bus und bin fast so etwas wie ein Arbeitstier. An Weihnachten zu arbeiten macht mir nichts. Denn Busfahren ist mein Beruf und Busse müssen halt auch an Feiertagen fahren. Solange ich Busfahrer bin, bin ich immer an einem der Weihnachtstage gefahren. Das war auch schon so, als ich als Taxifahrer gearbeitet habe. Ich finde es völlig in Ordnung, dass ich Dienst habe, denn wir haben auch Kollegen mit kleinen Kindern, die wollen dann bei ihren Familien sein. Meine Kinder sind ja schon erwachsen.

Da wir Polen sind, ist für uns Heiligabend auch wichtiger als der erste Weihnachtstag. Da sind dann meine Frau und die Kinder zusammen. Nach polnischer Tradition stehen bei uns zwölf Gerichte auf dem Tisch, nach den zwölf Aposteln. Dann gehen wir um Mitternacht in die Christmette in der Stiftskirche. Da wird eine polnische Messe gefeiert . Da ist mehr Atmosphäre. Am ersten Feiertag schlafe ich aus und fange meine Arbeit um 16 Uhr an. Ich fahre dann die Kurzstrecke mit der Linie 882 von Roisdorf Bahnhof über Alfter und zurück nach Roisdorf.

Bei solchen Kurzstrecken vergeht die Zeit schnell. Ich liebe den Kontakt mit den Fahrgästen. Die Fahrgäste im Vorgebirge sind klasse. An Weihnachten sind die Menschen noch netter.

Die schenken uns dann kleine Nikoläuse und Schokotäfelchen. Meine Familie findet es nicht schlimm, wenn ich arbeiten muss. Auch die Kinder nicht, die treffen sich am ersten Feiertag mit Freunden. Meine Frau wird dann stundenlang mit ihrer Mutter in Polen telefonieren. Am zweiten Tag fahren wir immer nach Iserlohn zu meinen Eltern.

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