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Fußball in Witterschlick: DFB-Präsident Reinhard Grindel zu Gast

Fußball in Witterschlick : DFB-Präsident Reinhard Grindel zu Gast

Auf Einladung der CDU sprach DFB-Präsident Reinhard Grindel beim TB Witterschlick über das Ehrenamt, Anstoßzeiten und Gewalt. Eine Aussage dürfte für Diskussionen sorgen.

Mit Sicherheit werden viele der kleinen Kicker des Turnerbunds (TB) Witterschlick nicht gewusst haben, wer sie da bei ihrem Training auf dem Kunstrasenplatz besuchte. Aber wichtig müsse er wohl sein, mag sich der eine oder andere Nachwuchsfußballer wohl gedacht haben. In der Tat war am Freitagnachmittag niemand geringerer als DFB-Präsident Reinhard Grindel in den Alfterer Ortsteil gekommen. Auf Einladung des CDU-Kreisverbands Rhein-Sieg referierte und diskutierte er über die gesellschaftliche Bedeutung des Fußballs.

Zuvor nahm sich Grindel aber Zeit für die Bambini. Auch ließ er sich vom TB-Vorsitzenden Daniel Schreiner über den Verein informieren. „Wir sind sehr stolz, dass Reinhard Grindel hier ist“, befand Schreiner dann im Vereinsheim, in dem sich rund 80 Menschen eingefunden hatten. Laut Schreiner hat keine Sportart wie der Fußball die Kraft, Menschen zusammenzubringen. „In Witterschlick ist es Tradition, dass Kinder und Jugendliche verschiedener Kulturen und Religionen miteinander spielen“, so Schreiner. In Sachen Integration war er sich mit CDU-Landtagskandidat Oliver Krauß, der die Veranstaltung moderierte, einig. Sportvereine hätten eine enorme Bedeutung bei der Integration, befand Krauß.

Grindel ging dann auf das Vorurteil ein, die DFB-Spitze sei weit von dem entfernt, was bei den Vereinen passiere. „Wir sind ganz nah dran an der Basis“, sagte er. Die Aufgabe des DFB sei es, die Rahmenbedingungen für die Vereine zu schaffen – „so gut wir es können“, fügte er hinzu. Ohne die wertvolle Arbeit an der Basis gebe es keine Spitzenleistungen in der Nationalmannschaft, meinte Grindel. „Entscheidend ist, dass wir das Ehrenamt hochhalten und fördern“, führte er weiter aus. Dabei sei es auch von Bedeutung, mehr Menschen mit Migrationshintergrund in die Ehrenämter zu bekommen. Mit Blick auf die Flüchtlingsthematik erläuterte Grindel, dass es gelungen sei, rund 80 000 Flüchtlinge deutschlandweit in die Vereine zu integrieren.

Nicht nur in Grindels Vortrag, sondern auch in den Wortbeiträgen aus dem Publikum drehte es sich um die Zukunftssorgen des Amateurbereichs – etwa aufgrund fehlender Kunstrasenplätze oder durch die Ausweitung der Anstoßzeiten im Profibereich. Für Diskussionen im Nachgang der Veranstaltung dürfte dabei sicher gesorgt haben, dass Grindel nicht die Liveübertragung am Sonntagmittag als den eigentlichen Feind der Amateurvereine ansah, sondern vielmehr die veränderte Freizeitgestaltung der Menschen.

Resolut zeigte sich Grindel mit Blick auf die jüngste Diskussion um Gewalt bei Bundesligaspielen. „Gewalt gehört nicht zur Fußballkultur“, sagte er. Nach den Vorkommnissen beim Spiel von Dortmund gegen Leipzig wünsche er sich, dass Ultras anderen „in den Arm fallen“, die psychische oder physische Gewalt anwenden. Es gehe um eine Binnenkontrolle in der Fankurve. Der DFB tue mit Blick auf die Gewalt sein Möglichstes, meinte Grindel. Ein „Teil der Wahrheit“ sei aber auch, dass die Justiz mitunter Gewalt im Fußball als etwas szenetypisches empfinde und nicht mit aller Härte verfolge, so der DFB-Präsident.