Pläne für Alfter-Ort: Der neue Herrenwingert nimmt Gestalt an

Pläne für Alfter-Ort : Der neue Herrenwingert nimmt Gestalt an

Am Donnerstag haben acht Planungsbüros ihre Entwürfe für den Alfterer Ortskern vorgestellt. Die Bürger können ihre Meinung sagen, entscheiden wird indes der Rat.

Wie möchte sich der Alfterer Herrenwingert künftig darstellen? Soll Alfter-Ort urbaner werden oder eher dörflich bleiben? Eine Interpretation des gemeindlichen Charakters schlug sich auch in den Entwürfen verschiedener Stadtplaner nieder, die am Donnerstagabend im voll besetzten Ratssaal präsentiert wurden. Bei der von der Gemeinde ausgeschriebenen Mehrfachbeauftragung sollten ursprünglich acht Büros mitmachen, sechs erläuterten am Donnerstag ihre Vorstellungen eines attraktiven Herrenwingerts in knapp bemessenen 15 Minuten.

„Wir stehen vor wichtigen Entscheidungen. Ich freue mich, dass Bürger uns in den unterschiedlichen Etappen begleitet haben“, sagte Bürgermeister Rolf Schumacher. Seit 2013 machen sich Ausschüsse, Bürger und Gewerbetreibende Gedanken, wie Dorf- und Festplatz gestaltet werden sollen, wie Neubauten von Supermarkt (Vollsortimenter) und Mehrzweckhalle aussehen könnten.

Bürger als auch die Verwaltung sahen die Entwürfe der Architekten zum ersten Mal. Entsprechend gespannt lauschten die Zuhörer den unterschiedlichen städtebaulichen Ansätzen. Anregungen und Diskussionen waren nicht erlaubt wie Moderator Helmut Hardt vom Planungsbüro „Stadtumbau“ aus Kevelaer bei kritischen Zwischenbemerkungen zu Detailfragen zwischendurch immer wieder deutlich machte. Einig waren sich die Stadtplaner über die Einbeziehung des Schlosses in eine Gesamtplanung für den Alfterer Ortskern.

Vollsortimenter: Der geplante Supermarkt soll eine Verkaufsfläche von 1500 Quadratmetern aufweisen. Bei einigen Konzepten wurden schon erste bauliche Maßnahmen erläutert. So schlug das Büro Pilhatsch (Bonn) Arkaden vor dem Supermarkt in feingliedrigen Stutzen vor. Angedacht waren in mehreren Entwürfen auch Glasfassaden, die eine „Öffnung“ zum Dorfplatz ermöglichen sollen.

Wohnen: Wie die Gemeinde in der Rahmenvorgabe festgeschrieben hatte, soll der geplante Vollsortimenter mit Wohnungen aufgestockt werden. So präsentierten die Bonner ein Gründach mit drei Wohngebäuden. Für das Kölner Büro Königs sind mehrere Häuser mit eigenem Garten denkbar „mit Blick aufs Schloss“. Das Atelier Fritschi & Stahl (Düsseldorf) möchte das Wohnungs-Ensemble dem Vorbild eines Hofhauses im Tonnenpütz nachempfinden. Den Architekten aus Bochum reichte der geplante Wohnraum auf dem Dach des Supermarktes nicht aus – ein achtgeschossiger Wohnturm soll zusätzliche Wohnungen schaffen.

Dorfplatz/Festplatz: Für die Kölner Architekten ist eine autofreie Ortsmitte ein „Muss“, um eine „grüne Lunge“ zu schaffen. Entsprechend soll der gesamte Herrenwingert zur Rasenfläche mit Bäumen und Blumen werden. Die Bad Neuenahrer Architekten (Mertens) stellen sich als Verbindung zwischen Festplatz und Schlosspark eine Brücke vor. Wasserspiele, Sitzecken, hier und da auch ein Bistro und Restaurants sollen die Attraktivität am Herrenwingert steigern.

Parksituation: Der Bau einer Tiefgarage war bei allen Planern gegeben. Während das Konzept Königs sämtliche Stellplätze in die Tiefgarage verbannt hat, sahen die meisten Entwürfe einen Teil auch als oberirdische Kurzzeitparkplätze vor. Die Zufahrten zur Tiefgarage unter dem Platz oder unter dem Vollsortimenter wurden nicht thematisiert.

Verkehr: Die Verkehrsführung auf dem Herrenwingert ist schon seit jeher ein Thema. Die Mehrzahl der Entwürfe sah eine Wendeschleife zwischen Schulcampus und Mehrzweckhalle vor. Für Mertens ist dagegen die Einrichtung eines Kreisverkehrs die einzig richtige Antwort. Um eine Abrundung des Platzes zu erreichen und den ortshistorischen Bezug herzustellen, schlug Königs an der Stelle der gegenwärtigen Turnhalle Mühlenterrassen vor.

Mehrzweckhalle: Von schlicht bis aufwendig waren die Vorschläge. Von einer beweglichen Tribüne über einen flexiblen Grundriss mit mehreren Bühnen und einer Tribüne, die sich in ein Amphitheater umrüsten lässt, bis zu einer zweigeschossigen verglasten Fassade mit Sportbetrieb im Untergeschoss – die Entwürfe der Fachleute zeigten vielfältige Variationen.

Die Bewertungskommission stand denn auch am Freitag vor einer schwierigen Entscheidung, gaben doch Mitglieder aus Verwaltung, politischen Parteien, Gewerbeverein und Experten eine Empfehlung für die nächste Ratssitzung ab. Die Entscheidung kann für ein Konzept oder – auch das ist theoretisch möglich – für einen Mix verschiedener Versionen fallen. Wenn der Förderantrag bei der Bezirksregierung Köln eingereicht wird, könnten die Bagger ab 2020, so Hardt, anrollen. „Dann wird sich entscheiden, in welcher Reihenfolge gebaut wird“, so Pressesprecherin Maryla Günther.

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