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Biodiversität im Vorgebirge: Der Apfel und die Artenvielfalt

Biodiversität im Vorgebirge : Der Apfel und die Artenvielfalt

Staatssekretär Horst Becker besuchte den Impekovener Naturhof Wolfsberg, der an einem Biodiversitäts-Programm des Landes teilnimmt. Das Projekt läuft über sieben Jahre.

„Apfelhof“, „Biohof“, „Obstbauer“ – all dies wären mögliche Namen für den Familienbetrieb gewesen, den Heike und Andreas Mager auf dem Wolfsberg in Impekoven betreiben. Doch die beiden Agraringenieure entschieden sich für den Namen „Naturhof“ – und brachten damit zum Ausdruck, dass es ihnen bei ihrer Arbeit um mehr als den reinen Obstbau geht.

„Das Arbeiten in und vor allem mit der Natur ist für uns von großer Bedeutung“, erklärte Andreas Mager, als er auf Einladung des Alfterer Grünen-Landtagskandidaten Wilhelm Windhuis den Staatssekretär im NRW-Umweltministerium, Horst Becker, sowie Vertreter der linksrheinischen Grünen auf dem Hof begrüßte.

Seit mehr als 100 Jahren ist der Betrieb der Familie im Obst- und Gemüsebau tätig. Seit den 80er Jahren liegt der Schwerpunkt im Obstanbau und im Jahr 2003 wurden alle Flächen sukzessive auf ökologischen Obstbau umgestellt.

Dass sich dieser nicht nur auf den Verzicht auf chemisch-synthetisierten Pflanzenschutzmittel bezieht, sondern ebenso auf das Miteinander von Arten, ist für die Magers selbstverständlich.

Auch deshalb nimmt der Hof derzeit an einem BiodiversitätsProgramm teil, das mit Mitteln des Ministeriums für Klimaschutz, Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalen gefördert wird. Koordiniert wird das Projekt von der Universität Hohenheim, Verbundpartner ist die Universität Bonn.

Verzicht auf chemisch-synthetisierte Pflanzenschutzmittel

Ziel ist, die Artenvielfalt im Obstbau zu steigern und das Bewusstsein für dieses spezielle Agrarökosystem zu fördern. Denn gerade im Erwerbsobstbau bestehen viele Möglichkeiten, die obstbau-typische Vielfalt zu erhalten oder wiederherzustellen.

So sollen im Rahmen des Projektes die Potenziale der Förderung der Biodiversität und der Ökosystemleistungen im Obstbau erhoben und zielführende Maßnahmen in enger Zusammenarbeit mit den Betrieben umgesetzt werden. Im Falle des Naturhofs wollen die Wissenschaftler anhand von Vergleichen belegen, was die ökologische Vielfalt für den Ertrag bedeutet.

So wird etwa ein Hektar Obstbaumfläche mit Blühstreifen und Nistkästen versehen, der andere nicht. Ausgewertet wird, ob und welcher Unterschied sich daraus ergibt. Das im März gestartete Projekt läuft über sieben Jahre.

„Der Naturhof Wolfsberg ist ein Vorzeigebetrieb wenn es um Nachhaltigkeit und biologische Vielfalt geht“, bekräftigte Wilhelm Windhuis. 30 Hektar Land mit rund 100 000 Obstbäumen umfasst der Kernobstbetrieb. Der Verkauf findet zu etwa 30 Prozent über den eigenen Hofladen statt. Die restlichen 70 Prozent der Äpfel und Birnen werden über die eigene Vertriebsgesellschaft, die „R(h)einBioFrucht“, vermarktet und landen im Lebensmittel- und Naturkosthandel.

Während des Rundgangs machten die Gäste nicht nur Bekanntschaft mit den Wildbienen, die für die Bestäubung der Obstbäume zuständig sind. Wildkräuter, Blühstreifen, Steinhaufen sowie Hecken und Sträucher am Wegesrand sorgen dafür, dass auch viele andere Tiere Unterschlupf und Nahrung auf dem weitläufigen Gelände finden.

Über die Karpfen und Kröten im Weiher, der als Wasserreservoir für die Frostschutzberegnung dient, freuen sich Reiher und Kormoran. Und auch Schleiereule und Steinkauz finden in den bereitgestellten Nistkästen ein Zuhause. „Wir müssen viel mehr darüber nachdenken, was wir tun und welche Folgen unser Handeln hat“, fassten Heike und Andreas Mager ihr Anliegen zusammen. „Die Natur kommt gut ohne uns zurecht – aber wir nicht ohne sie.“