Ein Spaziergang durch Impekoven: Das Land der 70.000 Apfelbäume

Ein Spaziergang durch Impekoven : Das Land der 70.000 Apfelbäume

70.000 Apfelbäume stehen in Impekoven - mehr als 30 Mal so viele, wie der Ort westlich des Hardtbergs Einwohner hat. Saftig hängen in diesen Tagen die Äpfel in den Plantagen. Ein Traktor, bis oben hin beladen mit reifen Früchten, fährt die Straße entlang. Es ist Apfelsaison in Impekoven.

Die Landwirtschaft ist es, die den Charakter des 2200-Seelen-Dorfs prägt. Bis 1969 eigenständig, zählt Impekoven heute zu den fünf Ortschaften der Gemeinde Alfter. Zu Impekoven gehört der südlich gelegene Ortsteil Ramelshoven, dort steht das Haus des Ortsvorstehers Klaus Tschiersch. Der zweite Ortsteil schmiegt sich südöstlich an den Hauptort und nennt sich Nettekoven. Und unmittelbar an Impekoven grenzt wiederum Oedekoven, "und auf der anderen Straßenseite, das ist Witterschlick". Für Ortsunkundige mag die Vielfalt der Bezeichnungen zunächst verwirrend wirken, der 74-jährige Tschiersch, seit 1999 im Amt, erklärt jedoch geduldig die lokalen Grenzen.

Nicht nur Apfelplantagen, auch Pferde und Rinder sind zu sehen, wenn man den Blick über die grünen Hügel des Ortes schweifen lässt. Nicht allen Tieren waren die Impekovener von Anfang an wohlgesonnen - für Amphibien war Impekoven im wahrsten Sinne des Wortes lange Zeit ein gefährliches Pflaster. Zum Laichen wandern zahlreiche Kröten zu einem der beiden Teiche im Ort, auf ihrer Wanderung müssen sie eine viel befahrene Straße überqueren.

"Früher wurden die Kröten alle totgefahren", erzählt die Frau des Ortsvorstehers, Ursula Tschiersch (63), "Froschleder haben wir das genannt, die ganze Straße war gepflastert mit toten Tieren." Tschiersch, damals Mitglied des Umweltausschusses, wollte dem Amphibiensterben nicht länger zusehen und setzte sich für eine Straßensperrung zu den Zeiten der Krötenwanderung ein. "Krötenfrau" wird sie seitdem im Ort genannt. Fast zehn Jahre sind seit dem Beschluss vergangen, die Kröten überqueren nun sicher die Straßen und auch sonst hat sich in Impekoven einiges getan.

Südwestlich des Hauptortes wurden in den vergangenen Jahren stetig Neubaugebiete erschlossen. Die Nachfrage ist groß. Da vor allem junge Familien Impekoven für sich entdeckt haben, muss die Infrastruktur Schritt für Schritt deren Bedürfnissen angepasst werden.

Nach der Erschließung des Baugebietes steht als nächstes die Kinderbetreuung für unter Dreijährige auf der Agenda der Kommunalpolitiker. Ein Kindergarten ist zwar vor Ort, dieser bietet jedoch nicht die Kapazitäten, um die ganz Kleinen aufzunehmen.

Nicht nur für die Jüngsten, auch für die Ältesten will Impekoven attraktiv sein. Auf dem Gelände der ehemaligen Gaststätte Scheeben wird bis Sommer 2014 ein Projekt zur dezentralen Seniorenbetreuung entstehen. Der "Lebenshof Alfter" soll seniorengerechte Wohnungen, eine Tagespflegestation und eine Wohngemeinschaft für Menschen mit Demenz bieten (der GA berichtete).

Von der viel beschworenen Landflucht ist in Impekoven jedenfalls nichts zu spüren. Im Gegenteil: Der Ort wächst stetig. Derzeit wird die Bahnlinie auf zwei Gleise erweitert, eine Haltestelle ist im Bau, dazu eine Unterführung für Fußgänger und Radfahrer, die Straßeninfrastruktur mit der Anbindung an Bonn ist bereits optimal. Die Lebensqualität ist hoch. Nur was fehle, meint Tschiersch bedauernd, sei das eine oder andere Geschäft. "Davon gibt es hier im Ort kein einziges mehr."

Hinter dem Dorfplatz ragt grau das Wahrzeichen der Stadt in den Himmel, die katholische Kirche Sankt Mariä Heimsuchung, 1968 von dem bekannten Architekten Gottfried Böhm erbaut. Mit ihrer ungewöhnlichen Architektur lockt die Kirche selbst überregionale Besucher an. Der Charme des Gebäudes erschließt sich dem Besucher erst auf den zweiten Blick, der blanke Beton wirkt zunächst etwas abweisend. Von den Impekovenern wurde die Kirche von Anfang an sehr gut angenommen.

Synonym für die Lebendigkeit des Ortes ist sein Karnevalszug, auf den die Impekovener ganz besonders stolz sind: Mehr als drei Jahrzehnte gab es keinen "Zoch", seit 2009 rollen nun wieder die geschmückten Wagen die Dorfstraße entlang. "35 Jahre sind genug", lautete dementsprechend das Motto des ersten Zuges. "Da war gleich richtig was los, gerade so als hätte ganz Impekoven in den Startlöchern gestanden", erzählt Ursula Tschiersch. Sogar mancher Witterschlicker muss zugeben, der Impekovener Karnevalszug wäre noch schöner anzusehen als der eigene. Und das obwohl der Zug durch Witterschlick größer ist.

Die Impekovener sind stolz auf ihren Karnevalszug und ihr Dorf - dementsprechend selbstbewusst gibt man sich beim Karnevalsmotto 2014: "Spaß und Freud, et Sönnche von ovve, jitt et nur in Impekovve." Wie bestellt bricht an diesem grauen Herbsttag doch noch die Sonne zwischen den Wolken hindurch und lässt die Regentropfen an den roten Äpfeln glänzen.