Apfel-Ernte im Vorgebirge: Ein Besuch auf dem Wolfsberg

Meckenheim und Alfter : Wie der Apfel vom Baum auf den Teller kommt

Die Erntezeit neigt sich zwar dem Ende zu, die Saison am Hof der Familie Mager in Alfter-Impekoven hat damit aber erst begonnen. Schließlich hat der Apfel vom Baum noch eine ganz schöne Reise vor sich, bevor er schließlich verzehrt werden kann - ein Besuch auf dem Wolfsberg.

Ein halbes Dutzend Mitarbeiter in Regenjacken, Mützen und Gummistiefeln arbeitet sich langsam durch Reihen niedrigstämmiger Apfelbäume. Auf dem matschigen Boden zwischen ihnen wartet ein Zug mit vier Pflückwägelchen darauf, mit den runden Früchten gefüllt zu werden. Behutsam drehen die Mitarbeiter die roten Äpfel samt Stil vom Ast ab, lassen die gelben aber noch hängen. Nur noch wenige Wochen, dann werden auch sie rot und schließlich abgeerntet worden sein. Denn die Erntezeit am Naturhof Wolfsberg der Familie Mager neigt sich dem Ende zu.

Doch als der Traktor mit den bis zum Rand gefüllten Wägelchen im Schlepptau schließlich auf dem Hof an der Straße In der Asbach eintrudelt, hat die Reise der Äpfel erst begonnen. Der Chef des Familienbetriebs, Andreas Mager (60), nimmt den Zug in Empfang. Rund 300 Kilogramm Früchte passen in ein Wägelchen, weiß er. Den Inhalt einer solchen Holzkiste sortieren heute - wie immer mal wieder das ganze Jahr über - eine Hand voll Damen an einer Fließbandmaschine in einer großen Halle im Inneren des Hofs.

Am Ende des Tages werden die Äpfel der Sorte Topaz in Ein-Kilo-Plastiktüten verpackt und in handlichen schwarzen Kisten verstaut sein. Jeweils 44 Kisten gehen dann als Gesamtpaket direkt in die Obst- und Gemüseabteilung eines Einzelhändlers. Der Naturhof beliefert weitere Einzelhändler, Biomärkte und einen großen Discounter, doch die Äpfel für diese Läden werden in einer Zentrale in Meckenheim verpackt. Dort wird ein Teil auch zu Apfelsaft weiterverarbeitet.

Nicht alle Äpfel werden sofort sortiert. Obstbauer Mager öffnet die Tür zu einem der Kühlhäuser, in dem sich bis zur meterhohen Decke 70 Tonnen Äpfel in großen Holzkisten stapeln. "Mit der richtigen Lagerung halten die Äpfel fast ein Jahr - bis zur neuen Ernte Ende Juli", sagt er.

Apfelernte: Dahinter steckt eine ganze Menge Wissenschaft

Dahinter steckt eine ganze Menge Wissenschaft. Von den Kühlräumen führen Rohre in einen Nebenraum, in dem eine Maschine die Atmosphäre und Temperatur in den gasdichten, zwei Grad kalten Räumen kontrolliert. "Das ist nötig, weil der Apfel lebt, er atmet", erklärt Mager.

Bei zu viel Kohlenstoffdioxid fingen die Früchte an zu gären, die Maschine filtere also das CO2 aus der Luft und sorge für das richtige Verhältnis von Stick- und Sauerstoff. "Das Gerät ist wie ein großer Staubsauger", fasst der Experte zusammen. Die Äpfel bekämen den niedrigst möglichen Sauerstoffanteil von zwei Prozent und seien so wie Bären im Winterschlaf. Deswegen sollten Äpfel zu Hause im Kühlschrank gelagert werden, am besten in einem geschlossenen Fach oder in einer Plastiktüte mit kleinen Löchern.

Ein guter Teil der Äpfel hat nur eine kurze Reise auf die andere Seite der B56 vor sich: In ihrem Hofladen an der Raiffeisenstraße vermarktet die Familie seit etwa zehn Jahren die Biofrüchte und weiteres Obst und Gemüse, das oft von Bauern aus der Region stammt, selbst. "Unser größter Erfolg ist, dass wir unsere Kinder begeistern konnten, mitzumachen", freut sich Andreas Mager. Das Sagen im Laden hat daher auch seine Tochter Christiane Mager (32). "Wir verkaufen hier auch Äpfel zweiter Wahl, also zu kleine, deformierte oder raue Äpfel", erklärt die Ladenchefin. Im regulären Handel hätten solche Exemplare wegen ihrer mangelhaften Optik oft keine Chance.

Naturhof Wolfsberg: Zwölf Apfelsorten stehen zum Probieren bereit

Wer Schwierigkeiten hat, sich zwischen den zwölf Apfelsorten zu entscheiden, kann sich an der Probiertheke im Eingangsbereich bedienen. Im hinteren Bereich zeigen Fotos die Stationen des Apfeljahrs, das mit der Ernte im Herbst erst beginnt. "Im Winter schneiden wir jeden Baum per Hand", erklärt Christiane Mager. Zu alte Exemplare werden gerodet. "Was auch nicht zu unterschätzen ist, sind Wühlmäuse." Ungestört würden diese die Wurzeln der Bäume fressen und sie so unbrauchbar machen.

Im Frühjahr würden neue Bäume gepflanzt, gedüngt, Unkraut und Spätfrost bekämpft, berichtet Mager. Die Familie spannt riesige Nylonnetze über die Felder, um die Bäume vor Hagel zu schützen. Im Sommer müssen die Bäume ausgedünnt werden, damit sie nicht zu viele Früchte tragen. Wenn alles nach Plan läuft, hängen ab Ende Juli wieder die ersten roten Früchte in den Bäumen, bereit dazu, gepflückt zu werden.

Obsthof Meckenheim: Manfred Felten setzt auf Handarbeit

Für Saft und Most werden Äpfel in anderen Regionen oft wenig schonend vom Baum geholt, um kurz darauf in der industriellen Presse zu landen. Große Rüttelmaschinen und an Treckern angebrachte Sammler, die Äpfel aufspießen, setzt Manfred Felten nicht ein. "Wir legen Wert auf Qualität", sagt der Meckenheimer Obstbauer.

Apfelkuchen, Müsli mit frischen Apfelstücken oder ein Apfel als leckerer Snack zwischendurch: Das Obst, das zu einem der beliebtesten Deutschlands zählt, ist in der Butterbrotdose ebenso wie in der Küche beliebt, berichtet Felten von den Verzehrgewohnheiten seiner Kunden. Damit die den Vitaminlieferanten in allen möglichen Varianten verwenden können, müssen Elstar, Gala, Berlepsch und Co. frisch und qualitativ hochwertig im Einkaufskorb ankommen.

Frisch gepflückt in Meckenheim: Auf der Plantage von Obstbauer Manfred Felten werden die Äpfel von Hand geerntet. Foto: Petra Reuter

"Und das geht nur mit Handarbeit", ist Felten überzeugt. Meist seien acht Personen während der etwa zweieinhalb Monate dauernden Apfelernte damit beschäftigt, rund 15 Apfelsorten zu pflücken, in 300 Kilo fassende Großkisten zu legen und zum Hof zu transportieren, erläutert Velten. Außerdem kümmern sich die Familienmitglieder und zwei Saisonarbeiter um die Sortierung und größengerechte Verpackung. "Ein Apfel, der im Handel bestehen soll, darf nicht zu groß und nicht zu klein sein", erklärt Felten die Effekte der Toleranz im Handel, aber auch bei den Verbrauchern.

Zwischen 55 und 85 Millimeter Durchmesser, wiederum in sechs Größenabschnitten sortiert, sollten die Früchte messen. Nur so hätten sie eine Chance, in den Einkaufswagen gepackt zu werden und schließlich - in welcher Form auch immer - zwischen den Zähnen zu landen. Den Weg in den Handel nimmt aber nur ein Teil der rund 400 Tonnen Äpfel, die der Familienbetrieb erntet. Je nach Erntejahr und Marktlage verkauft Felten etwa die Hälfte seiner Früchte im Direktvertrieb ab Hof oder in Höfen, deren landwirtschaftlicher Schwerpunkt auf anderen Erzeugnissen liegt. Im gut sortierten Hofladen an der Ecke Bonner Straße/Gudenauer Allee suchen Kunden oft gezielt nach Äpfeln, die im Kuchen besonders gut schmecken, für Apple-Crumble geeignet sind oder in die Butterbrotdose der Kinder gelegt werden.

Die ersten frischen Äpfel der frühen Sorten Delba und Sommer-Gala stehen in warmen Jahren schon im August im Laden. Im Laufe des Septembers kommen dann Elstar, Gala und Berlepsch dazu. Bis Ende Oktober komplettieren Jonagold, Topaz, Pinova und Sapora den Geschmacksreigen. Während vor nicht allzu vielen Jahren die Lagerfähigkeit des Obstes abhängig von der Außentemperatur und Luftfeuchtigkeit im Winter begrenzt war, arbeitet Felten wie die meisten seiner Kollegen mittlerweile mit ausgefeilter Technik.

Auch Bio-Äpfel mit Hitze- oder Hagelschaden nimmt der Handel inzwischen ab. Foto: Petra Reuter

"Wir haben Lagerhallen, in denen Temperatur, Luftfeuchtigkeit, Sauerstoffgehalt und Kohlendioxidgehalt genau geregelt werden", erklärt Felten. Dem Apfel würde so eine Art Winterschlaf suggeriert, der ihn frisch hält. Auf diese Weise könne man das Obst nach der Ernte bis in den nächsten Juni hinein bedarfsgerecht liefern. Zum Sortiment des Familienbetriebs gehören Apfelsaft und Apfelchips sowie andere Obstsorten wie Erdbeeren, Kirschen und Pflaumen.

Nach den vergangenen Jahren mit teilweise extremen Wetterkapriolen denkt Felten über weitere Schutzmaßnahmen für die Plantagen nach. Hagelnetze könnten in Zukunft ebenso wichtig werden wie eine Wasserversorgung. Störend seien die seit einigen Jahren geforderten Dokumentationen. "Es ist nicht das Problem, die Qualitätsstandards zu erfüllen", erklärt Felten. Das Problem sei der Aufwand zur Vor- und Nachbereitung der Kontrollen, die oft zwei volle Arbeitstage in Anspruch nähmen. Trotzdem liebt Apfelbauer Felten seinen Beruf. "Wir produzieren Qualität und kümmern uns um den Erhalt und die Gestaltung der Landschaft", sagt er. Von nicht allzu naturnah aufgewachsenen Menschen, die diese Landschaft in ihrer Freizeit genießen, würde er sich allerdings etwas mehr Wertschätzung und Rücksicht wünschen, wenn in den Plantagen gearbeitet wird.

Hier geht es zur Bilderstrecke: So werden auf dem Naturhof Äpfel geerntet

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