Risiken besser abwägen: Alfter will Hochwasserschutz verbessern

Risiken besser abwägen : Alfter will Hochwasserschutz verbessern

Eine neues Gutachten im Auftrag der E-Regio prüft, welche Auswirkungen Unwetter auf das Gemeindegebiet haben. Ein erster Schritt ist es, sogenannte Starkregengefahrenkarten auszuarbeiten.

Bilder von einer überfluteten Kronenstraße oder der Linie 18, die sich am Bahnübergang Alfter durch die Wassermassen schiebt, sollen sich in Zukunft nicht wiederholen. Für Alfter-Ort hat das Ingenieurbüro Osterhammel im Auftrag des Versorgungsunternehmens E-Regio bereits 2014 ein Konzept zum Überschwemmungsschutz nach Unwettern erarbeitet. Teile dieses Maßnahmenpaktes sind schon umgesetzt worden. Dennoch fordert die Politik weitere Schritte.

Dazu hat der Ausschuss für Gemeindeentwicklung in seiner jüngsten Sitzung die Ausarbeitung von sogenannten Starkregengefahrenkarten einstimmig beschlossen. Die Gemeinde geht dabei von Kosten in Höhe von rund 100.000 Euro aus. Die Hälfte könnte dabei durch das Land Nordrhein-Westfalen übernommen werden. Seit Herbst 2018 hat das Land dafür Förderungsmöglichkeiten für Kommunen geschaffen. Städte und Gemeinden, die die Arbeitshilfe zum Schutz vor Starkregenschäden umsetzen, erhalten die Hälfte der Gutachtenkosten erstattet.

Erste Maßnahme bereits im Jahr 2010

Die Starkregengefahrenkarten sollen als Ergänzung zu den bereits vorliegenden Überschwemmungskarten dienen, weil in der Karte auch Gebiete berücksichtigt werden, die nicht in unmittelbarer Nähe von Gewässern liegen. Vor allem für die Alfterer Hanglagen könnten anhand der neuen Karten genauere Aussagen über die Risiken und mögliche Schutzvarianten getroffen werden, da sie analysieren, wie das Wasser über die Flächen abläuft. „Das kann in einer Überschwemmungsgebietskarte so nicht dargestellt werden“, erklärte Franziska Parthen vom Fachbereich Planen, Entwickeln, Bauen der Gemeindeverwaltung.

„Mir scheint das sinnvoll, um gewappnet zu sein für das, was auf uns zukommt“, erklärte Bürgermeister Rolf Schumacher. Nach Auskunft von Parthen gibt es derzeit neben den Überschwemmungskarten keine Informationen zu überflutungsgefährdeten Gebieten in den Alfterer Ortschaften. Um diese ermitteln zu können, wird ein digitales 2D-Modell erstellt, das mit verschiedenen Regenstärken getestet wird.

Bisher hat die Gemeinde in Abstimmung mit der Bezirksregierung Köln das Hochwasserrisiko bewertet und davon ausgehend Hochwassergefahren- und Hochwasserrisikokarten sowie Karten zu den Überschwemmungsgebieten erstellen lassen. Auf deren Grundlage werden sogenannte Hochwasserrisikomanagementpläne ausgearbeitet.

Als erste Maßnahme wurde 2010 das Rückhaltebecken am Stühleshof um 4700 Kubikmeter auf 11.500 Kubikmeter erweitert und saniert. Messungen haben ergeben, dass dieses Becken nur ein einziges Mal in den vergangenen vier Jahren voll gelaufen ist – am 1. Juni 2018 infolge der starken Gewitter in der Region. 2014 wurde ein 800 Meter langer Entlastungsgraben vom Schlossweg bis zur Stadtbahnlinie 18 angelegt, der die Wassermassen aus den Hangbereichen abfängt und ableitet. Zudem hat die Gemeinde an mehreren Stellen Uferbereiche renaturieren lassen.

Berücksichtigung bei Planung von Neubaugebieten

Auch bei den aktuellen Neubaugebieten soll der Hochwasserschutz in die Planungen mit einfließen und ausreichend Rückstauflächen in der Kanalisation geschaffen werden. So sollen im Neubaugebiet Olsdorfer Kirchweg zwei Stauraumkanäle sowie ein Regenrückhaltebecken mit einem Fassungsvermögen von 243 Kubikmetern entstehen. In Birrekoven soll ein Kanalstauraum von 150 Kubikmetern realisiert werden, am Buschkauler Feld in Witterschlick zwei offene Rückhaltebecken. Trotz des einstimmigen Beschlusses wurden die neuen Gutachtenpläne in der Sitzung des Gemeindeentwicklungsausschusses zunächst kontrovers diskutiert.

„Alles, was dieses Thema vorantreibt, ist gut“, sagte Sandra Semrau von den Freien Wählern. Fridhelm Marx von der SPD kritisierte die Erstellung der Starkregenkarte als „ein Papier, das das Gewissen beruhigt“. „Im Moment erscheinen mir die 100.000 Euro zu viel und überflüssig“, sagte der SPD-Politiker.

Paul Breloh von der FDP unterstützte hingegen das Vorhaben: „Ich halte diese Karten für ganz wichtig.“ Aus seiner Sicht müssten auch Privateigentümer Vorsichtsmaßnahmen treffen, um einen möglichen Schaden zu minimieren. „Der Mehrwert liegt darin, dass wir über das ganze Gemeindegebiet reden und nicht nur die Ortschaft Alfter. Uns ist wichtig, dass wir das ganze Gemeindegebiet ansprechen“, sagte Robert de la Haye (Grüne). Zudem sei das Gutachten unerlässlich, um die Fördermittel zu erhalten.

Jan Duensing (CDU) schlug vor, ebenso wie die Stadt Bonn für rheinnahe Wohngebiete in Bad Godesberg und Beuel „empfindliche Bauvorgaben“ zu machen, etwa Keller kacheln zu lassen oder Wohnräume erst im ersten Geschoss einzurichten. „Die Verantwortung liegt nicht nur bei der Gemeinde, sondern auch bei einzelnen Bewohnern“, so Duensing. Auf Antrag von Barthel Schölgens (CDU) sollen nach Vorlage der Untersuchungsergebnisse diese den Anwohnern bei Infoveranstaltungen vorgestellt werden.