Gemeinde Grafschaft: Volles Haus beim Unternehmerabend für das Factory Outlet Center

Gemeinde Grafschaft : Volles Haus beim Unternehmerabend für das Factory Outlet Center

Gespannt folgten knapp 100 Unternehmer, Freiberufler und Handwerker aus der Grafschaft den Ausführungen der potenziellen Investoren für das Factory Outlet Center (FOC), das im Innovationspark Rheinland bei Ringen geplant ist.

Beim Unternehmerabend der Gemeinde im Vorfeld des Gelsdorfer Frühlingsfestes erläuterten Sebastian Sommer, Deutschland-Chef des spanischen FOC-Spezialisten Neinver, und Michael Flesch, Geschäftsführer des niederländischen Immobilienfonds MAB Development GmbH, ihre Pläne.

MAB sei ein Tochterunternehmen der niederländischen Genossenschaftsbank Rabobank, die wiederum die beste Bonitätsnote aller Privatbanken weltweit besitze, so Flesch. Es verwalte ein Immobilienportfolio im Wert von 7,6 Milliarden Euro mit 4,6 Millionen Quadratmetern gewerblicher Entwicklungsfläche und sei somit europaweit einer der Marktführer in diesem Bereich. Mit Neinver zusammen habe man ein Joint Venture gegründet, um Factory Outlet Center in Deutschland, Frankreich und Holland zu entwickeln.

Am Beispiel des vor Kurzem eröffneten "Style Outlet" im elsässischen Roppenheim machte Flesch deutlich, dass die Befürchtungen der Unternehmen in der Umgebung, nach der Eröffnung eines FOC drastische Umsatzeinbußen zu verzeichnen, völlig unbegründet seien. Auch dort hätten die deutschen Kommunen allesamt die Ansiedlung abgelehnt und damit das Center ins französische Roppenheim vertrieben. Was zur Folge habe, dass bis zu 90 Prozent der Käufer aus Deutschland anreisten, die Steuern jedoch nach Frankreich fließen - ähnlich wie im niederländischen Roermond.

Jetzt wolle man aber endlich für einen Standort in Deutschland kämpfen und habe dafür die günstig gelegene Grafschaft ausgesucht. "Wir sind uns aber auch im Klaren: Planungstechnisch hat das Projekt noch einen richtig langen Weg vor sich", ergänzte Sebastian Sommer vom Outlet-Pionier Neinver.

Er machte deutlich, dass es sich bei dem geplanten "Ahrtal The Style Outlet" um keinen Resteverkauf, sondern um ein Objekt mit hochwertigem Design und "proaktivem Center Management", hande, das sich auf lokale Expertise und nachhaltige Bauweise stütze. "Dort wird es kein Ramsch-Umfeld geben", versprach er. In den Shops sollten ausschließlich Vorsaisonware und Rückläufer, zweite Wahl und Überschussproduktion an den Mann und an die Frau gebracht werden.

Die Praxis der bestehenden Outlet Center zeige darüber hinaus, dass durch sie keine Arbeitsplätze im umliegenden Einzelhandel vernichtet würden. Die prognostizierten negativen Auswirkungen auf die benachbarten Standorte hätten sich nicht bestätigt, die Umsatzeinbußen beispielsweise durch "Wertheim Village" lägen in den umliegenden Ortschaften unter einem Prozent. Andererseits gebe es eine deutliche Zuleitung von Besuchern in die dazugehörigen Ortschaften, was wiederum dem Tages- und Mehrtagestourismus einen Impuls versetze. Die Outlets dienten durchaus als touristische Anker und hätten schon mit zahlreichen Hotels Kooperationen abgeschlossen. Das könne man sich auch sehr gut im Ahrtal vorstellen.

"Wir wollen lokaler Unternehmer werden, nutzen Sie diese einmalige Chance", plädierte Sommer an die Bereitschaft der Grafschafter Unternehmer, das FOC aufzunehmen. "Wir wollen das Potenzial gerne mit Ihnen zusammen erschließen." Dazu gehöre auch, dass sowohl beim Bau als auch bei der anschließenden Instandhaltung des Centers regionale Unternehmen nach Möglichkeit zum Zuge kommen sollen, wenn sie die erforderlichen Leistungen erbringen könnten. "An so einem Objekt ist immer etwas zu tun", schmunzelte Flesch. Dabei denke man allerdings nicht in Gemeindegrenzen, sondern habe die ganze Region im Blick.

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