(Viertel-) Finale, oh oh!

(Viertel-) Finale, oh oh!

Joan Carvallho aus Siegburgs Partnerstadt Guarda tippt auf 2:0-Sieg seiner Portugiesen - Mancher Türke sieht sein Team schon als Europameister, auch Kroaten vertrauen auf ihre Elf

Rhein-Sieg-Kreis. Großartige Fußballer haben sie immer schon hervorgebracht, die Portugiesen - Eusebio, Figo, Ronaldo und wie sie alle heißen. Doch dem großen Titel laufen sie seit vielen Jahren hinterher.

Ob es wirklich so ist, wie es der Schriftsteller Francisco José in einer Zeitungskolummne geschrieben hat? "In Brasilien sagt man, die portugiesische Nationalmannschaft hat keine Laster: Sie raucht nicht, sie trinkt nicht, und sie spielt nicht." Darauf wird sich das deutsche Team am Donnerstag im Viertelfinale (20.45 Uhr) sicher nicht verlassen. Jogis Jungs werden sich eher an das kleine Finale bei der WM in Deutschland 2006 erinnern - 3:1.

Am Donnerstag indes wird es ein ganz anderes Spiel, da sind sich die Hobby-Nationaltrainer einig. Und für die Siegburger ist es auch ein besonderes Spiel, denn eine der Partnerstädte der Kreisstadt ist die portugiesische Stadt Guarda.

Siegburg war im Jahre 1985 die erste bundesdeutsche Stadt, die eine Partnerschaft mit einer portugiesischen Gemeinde einging. Guarda ist die Hauptstadt des Bezirks Beira Alta im Nordosten des Landes. 54 km entfernt von der spanischen Grenze und an der Europastraße 3 gelegen, gilt Guarda als das "Tor Portugals". Rund 40 000 Menschen leben dort. Gute Kontakte haben sich besonders zwischen den Feuerwehren der Städte ergeben.

"Ballack wird kein Tor schießen", sagte der Kabinettschef von Guarda, Joan Carvallho, am Mittwoch dem General-Anzeiger am Telefon. Er tippe auf ein 2:0. Alle seien optimistisch, dass Portugal gewinnen werde, und es herrsche eine tolle Stimmung in der Stadt. Auch in Guarda haben die Leute ihren Spaß beim Public Viewing. Es wird sich zeigen, ob die Portugiesen oder die Deutschen lauter jubeln können.

Gleich am Freitag geht es weiter und zahlreiche türkischstämmige Fußballfans werden mit Altintop und Co. fiebern, die gegen die Kroaten den Einzug ins Halbfinale schaffen wollen. "Egal welcher Gegner - wir werden Europameister", ist Hasan Saat vom Dönerladen an der Bahnhofstraße in Siegburg überzeugt.

Bei ihm wird auf jeden Fall der Fernseher laufen. Und was die türkischen Personalprobleme angeht - Torwart Volkan Demirel hatte im Spiel gegen die Tschechen kurz vor Abpfiff die rote Karte gesehen, Mehmet Aurelio kassierte seine zweite gelbe und ist damit ebenfalls gesperrt, zudem sind mehrere Spieler verletzungsbedingt angeschlagen - meint Hasan Saat: "Keine Sorge, wir haben starken Ersatz."

Eher skeptisch ist dagegen Ali Bullut. Ein vorsichtiges 1:0-Ergebnis tippt der Vorsitzende des Deutsch-Türkischen Freundschaftsvereins der Stadt Siegburg. "Aber im Spiel gegen die Tschechen haben wir das Ding ja auch noch gedreht". Zuhause mit der Familie will er das Spiel verfolgen, vor allem sein Sohn fiebert mit, denn der kickt selbst in Kaldauen.

"Wir spielen anders als die Tschechen, und dann geht das mit einem 2:0 gegen die Türken klar", meint hingegen Kroate Mato Grgec vom Restaurant Steingarten in Sankt Augustin-Menden. Und auch Enver Saracevic, Inhaber des Blumenhofs in Mülldorf und halb Bosnier, halb Kroate, setzt selbstverständlich auf die Kroaten: "Die sind spielerisch einfach gut."

Das mussten die Deutschen auch schon feststellen, aber wer weiß: Vielleicht treffen sie im Halbfinale erneut auf das Team und können zeigen, was sie wirklich drauf haben.

Fußball ist...44 Beine rasen
durch die Gegend ohne Ziel
und weil sie rasen müssen, nennt man es ein Rasenspiel.
An den Seiten 2 Gestelle,
je ein Spieler steht davor,
hält den Ball er,
ist ein Held er,
hält er nicht, schreit man
"du Tooooooor".

Heinz Erhard

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