Denkmalschutz: Verein ruft zum Erhalt der Bad Neuenahrer Kuranlagen auf

Denkmalschutz : Verein ruft zum Erhalt der Bad Neuenahrer Kuranlagen auf

Der Rheinische Verein für Denkmalpflege ruft zum Erhalt der Bad Neuenahrer Kuranlagen auf. Die Gebäude sollen nicht abgerissen werden.

Auf Initiative des Rheinischen Vereins für Denkmalpflege und Landschaftsschutz veröffentlichten am Mittwoch die zu den bedeutenden Denkmalschutzorganisationen in Deutschland gehörenden Vereinigungen einen gemeinsamen öffentlichen Appell zum Erhalt der Bad Neuenahrer Kuranlagen. Ob Präsidentin des Bundes Heimat und Umwelt, ob Vertreter der Technischen Hochschule Köln oder des Internationalen Rates für Denkmalpflege: Das Bauensemble am Bad Neuenahrer Kurpark stelle ein bedeutsames Kulturdenkmal der Klassischen Moderne dar, das – sofern möglich – tunlichst zu erhalten sei. Bekanntlich sollen die stark sanierungsbedürftigen Bauten abgerissen werden. Die Konzerthalle ist als für Bad Neuenahr wichtige Versammlungsstätte gar wegen Baufälligkeit gesperrt.

Neben Fachleuten der Denkmalpflege waren auch einige Ratsvertreter sowie Alfred Bach von der Bauverwaltung der Kreisstadt gekommen, um sich die Position des Rheinischen Vereins anzuhören. Ebenfalls mit dabei: Prüfingenieure und Sachverständige, die im Auftrag der Stadt Statik und Tragfähigkeit der Konzerthalle untersucht hatten.

„Bad Neuenahr besitzt mit seinen Kuranlagen aus den 1930er Jahren ein deutschlandweit einzigartiges Ensemble unter dem Einfluss der Klassischen Moderne“, unterstrichen Martin Bredenbeck und Matthias Müller vom Rheinischen Verein. Sie betonten insbesondere die kunsthistorische Bedeutung der Bauanlagen am Kurpark. Beide zeigten allerdings Verständnis für die Lage der Stadt. Es gebe eine Sanierungsbedürftigkeit der von Architekt Hermann Weise Ende der 20er Jahre entworfenen Bauteile und gleichzeitig den Wunsch, Neuenahr als zeitgemäße, attraktive Kurstadt weiterzuentwickeln.

Gutachten kann nicht Todesurteil bedeuten

„Verständnis fehlt jedoch für die Vorgehensweise der Stadt, die den Eindruck nahelegt, das Kulturerbe als Last abwerten zu müssen, und mit Berufung auf rein technische Umstände den Abriss favorisiert“, so die Vertreter des Rheinischen Vereins. Sie ermunterten die Stadt vielmehr, sich hinsichtlich der technischen Machbarkeit der Sanierung an vorhandenen erfolgreichen Sanierungsbeispielen zu orientieren, damit deutschlandweit nicht der Verlust eines der sehr seltenen Zeugnisse einer Bäderarchitektur zu verzeichnen sein müsse. Müller: „Wir wollen eine gute Lösung hinbekommen.“ Ein Gutachten, das die Baufälligkeit der Bauten aufzeige, könne doch nicht gleich deren Todesurteil bedeuten.

Andreas Denk von der Technischen Hochschule wies auf die technischen Möglichkeiten hin, die eine Sanierung auch eines solchen Bauensembles denkbar machen würde. Herlind Gundelach, einst Wissenschaftssenatorin in Hamburg, appellierte: „Versuchen Sie den Bau zu retten.“ Auch wies sie auf etwaige Fördermittel durch den Bund hin.

„Was wir vorgefunden haben, war eine Katastrophe“, stellte der Gutachter der Stadt vom Kölner Sachverständigenbüro Tuchlinski, Trippel und Neff klar. Der Beton sei brüchig, der Stahl zerstört. „Der Zustand ist sehr sehr schlecht“, so der Bauexperte. Auch Müller vom Rheinischen Verein räumte ein: „Die Fakten sind desaströs.“ Dennoch sollte jedoch die Chance genutzt werden, das Denkmal zu erhalten. Andreas Denk ergänzte: „Wo eine Wille, da ein Weg.“

Sollte das Gebäude tatsächlich nicht mehr zu retten sein, könnte sich der Verein für Denkmalpflege auch eine Rekonstruktion vorstellen, „an der wir gerne mitarbeiten“. Die Vertreter der Stadt nahmen die vorgetragenen Bedenken und Anregungen mit ins Rathaus.

Seit Langem wird in Bad Neuenahr darüber gestritten, ob das von Weiser entworfene Bauensemble als Denkmal eingeordnet werden muss.

Die Stadt verweist darauf, dass lediglich die zum Bau gehörende Orchestermuschel einen besonderen Schutz genießt. Eine in Bad Neuenahr gegründete Bürgerinitiative („Lebenswerte Stadt“) oder auch die Generaldirektion Kulturelles Erbe („Die Position der Stadt ist für uns nicht nachvollziehbar“) hingegen sehen dies anders. Ihr Credo: „Eine Zukunft für unsere Vergangenheit.“