Unfreiwillige Zweisamkeit währt eine Nacht

Unfreiwillige Zweisamkeit währt eine Nacht

In Niederbachem verfangen sich Mäusebussard und Uhu in Drachenschnur

Wachtberg. Der kürzeste Weg ist nicht immer auch der beste. Das könnte ein Mäusebussard aus einem glücklich zu Ende gegangenen Zwischenfall für sein Leben lernen.

Vermutlich schon am Montag wollte er in sechs Metern Höhe zwischen zwei Fichten an der Vulkanstraße hindurch fliegen anstatt darüber hinweg. Genau an dieser Stelle hing jedoch eine Drachenschnur, in der sich der Vogel verfing.

"Leichte Beute" mag sich in der darauffolgenden Nacht der Uhu gedacht haben, als er auf seiner Nahrungssuche an eben jener Stelle vorbeikam und den flatternden Mäusebussard entdeckte. Statt einen großen Fang zu machen, verhedderte auch er sich in der Schnur. Das wilde Flügelschlagen der Tiere alarmierte dann am Dienstagmorgen eine Spaziergängerin.

Sie rief bei Alexander Heyd vom Naturschutzbund (NABU) Bonn an, der ihr riet, die Feuerwehr zu holen. Außerdem bat er den Biologen Axel Hirschfeld vom Komitee gegen den Vogelmord, sich die Situation anzusehen. "Der Bussard hing bestimmt schon seit Montag da, weil er sehr erschöpft war", sagte Hirschfeld auf GA-Anfrage.

Er sei zwar nicht die bevorzugte Nahrung für den Nachtvogel Uhu, "aber da der Bussard wehrlos war, wird er versucht haben, ihn zu schlagen", so Hirschfeld. Nachdem die Feuerwehr den Bussard im Kescher hatte, übernahm der Biologe. "Im Kescher hätte sich der Uhu wieder verfangen, und ich weiß, wo man die Tiere anfassen muss."

Der Bussard habe vermutlich eine Fraktur im Fuß, der Uhu ein großes Hämatom im Flügel, meinte der Experte. Er brachte die Tiere zur Wildvogelpflegestation nach Kirchwald bei Mayen. "Dort werden sie geröntgt und aufgepäppelt", so Hirschfeld. Das muss vor allem beim Uhu schnell gehen.

Der Biologe vermutet nämlich, dass es sich um einen Brutvogel aus Oberbachem handelt. Da unklar sei, ob das Weibchen die Versorgung des Nachwuchses sicherstellen könne, wollen Hirschfeld und Mitstreiter den Brutplatz beobachten. "Wir werden den Uhu so bald wie möglich in Niederbachem freilassen."

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