„Wiener Klassik“ im Kurhaus Bad Neuenahr: Unbändiger Applaus für die Musiker

„Wiener Klassik“ im Kurhaus Bad Neuenahr : Unbändiger Applaus für die Musiker

Mit sinfonischer Musik von Joseph Haydn, Wolfgang Amadeus Mozart und Felix Mendelssohn-Bartholdy riss die Klassische Philharmonie Bonn unter Leitung von Heribert Beissel ihre Zuhörer im Bad Neuenahrer Kurhaussaal aus der November-Tristesse heraus und versetzte sie in eine Welt voller Klang und Harmonien.

Das Konzert in der Reihe „Wiener Klassik“ war eine Reise vom Rokoko zur Romantik. Immer wieder schön ist in dem durchaus übersichtlichen Raum die Nähe der Zuschauer zu den Aufführenden. Eingeladen hatte die Heilbad Gesellschaft Bad Neuenahr-Ahrweiler, und wenn auch nicht alle Plätze besetzt waren, genossen die Anwesenden einen großartigen Abend, der noch lange nachklingen wird.

Stürmischer Applaus auch für den Solisten des Abends, Sven Stucke, der seine italienische Violine in höchsten Tönen erklingen ließ. Hervorragend war das sichere Miteinander des Solisten mit dem Orchester. Saßen im Orchester durchweg Mitglieder jüngerer Jahrgänge, so dominierten im Publikum die „Grautöne“.

Bravourös meisterte Sven Stucke, gebürtiger Magdeburger und bereits vielfach international geehrter Künstler, die Solo-Partien in Mozarts Konzert für Violine und Orchester Nr. 5 A-Dur KV 219. Einfühlsam, leidenschaftlich und zugleich spannungsvoll erklang vor allem die erste Kadenz, bei der das Publikum den Atem anzuhalten schien. Hatte das Mozart-Konzert mit feinen Trillern und weichen Melodien begonnen, so zeigte es sich im Menuetto zunächst verspielt, steigerte sich dann aber energisch und schwelgend ins Liedhafte. Als Zugabe stellte Stucke sein exzellentes Spiel mit einem Solostück zu Goethes „Erlkönig“ noch einmal unter Beweis.

Begonnen hatte das Konzert mit Joseph Haydns Sinfonie Nr. 70 D-Dur Hob. I:70, bekannt durch die Tripel-Fuge im vierten Satz und die Dur-Moll-Gegensätze insbesondere im Andante. Ein Kontrast zwischen „gelehrtem“ und „galantem“ Stil, der für die Musik des 18. Jahrhunderts bedeutend ist. Frisch und fröhlich stieg das Orchester in das Werk ein, brillierte mit feinem Spiel und ließ den Alltag vergessen.

Nach der Pause brachte die Klassische Philharmonie Felix Mendelssohns Symphonie Nr. 1 c-Moll op. 11 zu Gehör, die von Anfang an gewaltig, fast ungestüm temperamentvoll daherkam. Durch lyrisch anmutende Wiederholungen schafften sich die Motive immer wieder Gehör. Romantisch, verträumt und liedhaft entwickelte sich das Andante. Und schließlich bahnte sich im vierten Satz die Melodie ihren Weg durch das Zupfen der Streicher. Die Sinfonie endet in großer Klangfülle und gewaltigem Tempo, so dass Beissel sich für eine Zugabe entschied, die die Gemüter besänftigte: den rührend-stimmungsvollen zweiten Satz „Andante con moto“ aus Mendelssohns „Italienischer Sinfonie“.

Mit der Spielzeit 2016/2017 ist die Klassische Philharmonie Bonn in ihre 30. Saison der Konzertreihe „Wiener Klassik“ gestartet. Heribert Beissel leitet sein Orchester seit 57 Jahren und fördert junge Musiker.