Weinbau an der Ahr: Trockenheit bedroht junge Rebstöcke im Kreis Ahrweiler

Weinbau an der Ahr : Trockenheit bedroht junge Rebstöcke im Kreis Ahrweiler

Für Junganlagen kann es kritisch werden, auf ältere Rebstöcke an der Ahr wirkt sich die heiße Witterung bislang nicht negativ aus. „Es kann ein guter Jahrgang werden", sagt Winzer Paul-Josef Schäfer aus Heppingen.

Wochenlang Sonnenschein, Hitze und Trockenheit. Dem Wein ist es recht. Vor allem bei zehn und mehr Jahre alten Anlagen reichen die Wurzeln tief in die Erde, wo noch immer Feuchtigkeit vorhanden ist. Das trifft sowohl für die Wingerte auf Lehm, Löß und vulkanischem Boden an der unteren Ahr zu, als auch für die Schieferböden in den Steillagen der Mittelahr. Und im Flachland? Da gibt die Ahr den Böden ausreichend Wasser. Darin sind sich die Winzer Paul-Josef Schäfer aus Heppingen und Alexander Stodden aus Rech einig.

Beide wissen aber, dass es für Junganlagen kritisch werden kann, da die Wurzeln noch nicht tief genug ins Erdreich vordringen. So wünscht sich Schäfer doch noch etwas Regen in den Wochen bis zur Ernte. „An den Junganlagen haben sich einige Blättchen gelb verfärbt“, hat er beobachtet. Regnen sollte es aber nicht beim anstehenden Burgunderfest und auch nicht während der Lese, die beim Frühburgunder schon in drei Wochen beginnen kann.

Nach Beobachtung des Winzers sind die Beeren teilweise kleiner als in Jahrgängen mit mehr Regen. „Da kann die Ausbeute an Most nicht so hoch sein“, sagt er. Angesichts der Trockenheit sei das Unkraut weniger gewachsen, folglich müsse weniger gemulcht werden, stellt er fest. Leichter Befall mit Mehltau an den Spitzen sei beim Einkürzen der Ranken, dem „Gipfeln“, weggefallen. Auch Sonnenbrand der Trauben scheint kein Problem zu sein. Die Reihen würden früh entblättert, und so legten sich die Beeren eine dicke Haut zu, sagen die Winzer.

Lese kann früher beginnen

Während Paul-Josef Schäfer also doch noch etwas Regen gebrauchen könnte, hält sich Alexander Stodden an das mahnende Wort, das seine Großmutter, Regina Stodden, nachfolgenden Generationen mit auf den Weg gegeben hat: „Als Winzer betet man nicht um Regen.“ Bei den „alten Knochen“ von 15 oder 20 Jahren reichten die Wurzeln in Regionen, in denen immer noch Wasser sei, sagt er. Außerdem speichere der Schiefer an sich die Feuchtigkeit gut, weswegen das Gestein ja bei Frost leicht platze. Zudem hätte der leichte Landregen zwischendurch mehr Wasser verfügbar gemacht, das die wichtigen Inhaltsstoffe in die Früchte befördert habe.

Einig sind sich die beiden Winzer, dass die Lese etwa drei Wochen früher beginnen kann. Das heiße aber nicht, dass die Trauben dadurch weniger Mineralien und Extrakt eingelagert hätten, stellt Stodden fest und weist auf die frühe Blüte hin. „Von der Blütezeit her betrachtet kann man nicht sagen, dass die Vegetation schneller verlaufen ist“, sagt er. Der Spätburgunder brauche 100 Tage von der Blüte bis zur Lese. Wenn er Mitte September geerntet werde, sei die Zeit nicht viel kürzer. Sogenannter Trockenstress ist folglich bislang kein Problem an der Ahr. Trotzdem wollen die beiden Winzer noch keine Prognosen über den Jahrgang 2018 abgeben. „Es kann ein guter werden, wenn die Vegetation weiterhin mitmacht und die Trauben in der Reifezeit, wenn die Haut der Beeren dünn wird, keinen Regen bekommen und wenn sie nicht faulen“, sagt Schäfer.

„Es wird ein spezieller Jahrgang, aber es wird kein 2003er“, glaubt Stodden. Damals war die Lage an der Ahr nach wochenlanger Hitze dramatisch. „Ob es ein Jahrhundertjahrgang wird, kann ich erst sagen, wenn die letzte Traube gelesen ist“, gibt er sich vorsichtig. Über andere Sorten im „Rotweinparadies“ zerbricht sich Stodden nicht den Kopf. „Vorher müssten die Winzer in Burgund überlegen, was angebaut werden soll“, stellt er fest. Denn die Heimat der Burgunder, denen die Ahr ihren guten Ruf verdankt, ist die Region in Frankreich.

Hoffen, dass die Natur mitspielt

„Die Trockenheit könnte ein massives Problem werden“, prognostiziert Matthias Baltes, Geschäftsführer der Winzergenossenschaft Mayschoß-Altenahr. Er wünscht sich einen „vernünftigen Landregen, natürlich kein Unwetter“. Er sieht die Gefahr auch sowohl für die jungen, ein- bis fünfjährigen Rebanlagen, die noch keine lange Wurzeln haben als auch für die in den extremen Steillagen mit wenig Boden. Die Folge: Trockenstress. „Die Stöcke könnten die Trauben abstoßen, sie schrumpeln dann ein wie Rosinen.“

Die Mitglieder würden zwar vereinzelt bewässern, bevorzugt spät abends, aber der Aufwand sei enorm. „Das geht zum einen über ein Schlauchsystem, wo Wasser auf die Wurzeln tropft, was bei uns aber ohnehin nur für 0,5 Prozent der 140 Hektar Rebfläche in Frage kommt.“

Oder aber die Winzer agieren extrem aufwendig mit Wasserlanzen, wo jede einzelne Rebe per Spritzkübel und Schlauch bewässert werden muss. „Die kommenden zehn Tage brauchen wir noch Regen, danach, wenn die Trauben Farbe bekommen, bitte nicht mehr. Denn dann würde das schlimmste Szenario mit Fäulnis auf den Beeren eintreten.“ Baltes: „Aber das ist nun mal Weinbau, wir hoffen jedes Jahr aufs Neue, dass die Natur mitspielt.“

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