SWR4-Mundart-Festival in Ahrweiler

SWR4-Mundart-Festival in Ahrweiler

Die Mitglieder der Brauchtums- und Theatergruppe im Heimatverein Alt-Ahrweiler inszenieren die Operette "Der Herbst ist Hochsaison für Weinteufel" aus dem Jahre 1951 neu.

Ahrweiler. Moderator Heinrich Schöneseiffen hatte recht: "Der Herbst ist Hochsaison für Weinteufel." Das gleichnamige Musical jedoch steht in Ahrweiler immer und immer noch hoch im Kursus seit im Jahre 2006 rund 2 500 Besucher die Neuinszenierung der Ahrweiler Operette aus dem Jahr 1951 auf dem Marktplatz bestaunten.

Die Mitglieder der Brauchtums- und Theatergruppe im Heimatverein Alt-Ahrweiler sind am Samstag noch einmal in Kostüme und Rollen von vor fünf Jahren geschlüpft und haben Lieder aus dem Werk von Gisbert Stenz präsentiert, die perfekt passten zum Motto im vollen Ahrweiler Bürgerzentrum: "Mussik, Sprooch un Wein".

Beim SWR4-Mundart-Festival, das der Ahrtal-Tourismus Bad Neuenahr-Ahrweiler mit Unterstützung der Kreissparkasse in die Rotweinmetropole geholt hatte, war alles angesagt, auch Hochdeutsch, aber vor allem der regionale Dialekt - und nicht nur der von der Ahr.

Vor dem Ahrweilerisch stand das Rheinhessisch der Hörfunkfiguren Gerda und Walter. Ulrike Neradt und Norbert Roth, wie sie im richtigen Leben heißen, brachten Radio auf die Bühne. Das "Ehepaar seit fast 40 Jahren" diskutierte beim Bügeln, Essen oder Zeitunglesen über Eheglück, Urlaubsvorhaben oder Tortengusskrise und stets auch über die Sprache.

Er verstand grundsätzlich jede Redewendung wörtlich (Sie: "Die Badehose kannst du dir an den Hut stecken." - Er: "Und was zieh ich dann untenrum an?") und sie wendete Wörter falsch an (Sie: "Putz dir de Füß ab. Ich sach es dir provisorisch." - Er: "Du meinst prophylaktisch.") Und als Walter fand, die Kartoffeln seien "angebrennt und versalze", entgegnete sie: "Karamellisiert nennt me des en de feine Sprach."

Für die feine Sprache, also Hoch- oder Neudeutsch, hatte auch die Kölner Kabarettistin und Autorin Alice Herrwegen wenig übrig. "Mit Schönschwaaderei hätt et Kölsche nix ze donn", las sie aus ihrem Buch "Am Schönste es et, wenn et schön es". Objektmanager waren demzufolge für sie auch immer noch "Huusmeester" und Mollikids "dicke Pänz".

Als Computeranfängerin folgerte sie, "mikro" sei wenig und "soft" eben weich. So wurde aus "Microsoft" unversehens winzig-weich. "In Mundart drückt sich Heimat aus", erklärte Gisbert Stenz im Interview mit Schöneseiffen und auch, dass es in der Mundart kein Wort für Liebe gibt.

Was herzlos klang, war alles andere als das, als noch einmal ein "Best of" aus dem Musical "Weinteufel" erklang - als Playback zwar, aber dennoch mitgesungen von den Akteuren auf der Bühne.

Noch einmal Revue passieren ließen sie die weinselige Geschichte mit Witz, die in die 50er Jahre führte, als Sonderzüge die Touristen zum Wochenendausflug an die Ahr kutschierten und Hochdeutschredende auf Plattsprecher herabsahen.

Charaktere wie die Wirtin Ännchen, ihr lange vermisster Sohn Theo und das Paar Josefa und Peter brachten Heimweh und Herzschmerz, Lokalpatriotismus und Liebesglück ins Bürgerzentrum, wo Spaß und Sangesfreude siegten und das Publikum mitschunkelte zu den längst schon nicht mehr heimlichen heimischen Hymnen.

"Mussik, Sprooch un Wein" aus Ahrweiler ist am Sonntag, 23. Oktober, von 18 bis 20 Uhr noch einmal in der SWR4-Sendung "Heimatmusikanten" zu hören.

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