Stephan Neuhoff stehend applaudiert

Stephan Neuhoff stehend applaudiert

In einer Sondersitzung dankt der Kölner Rat dem Feuerwehrchef - OB Fritz Schramma verspricht Aufklärung

Köln. Oberbürgermeister Fritz Schramma war die Anstrengung der vergangenen Tage anzusehen, als er am Mittwoch die außerordentliche Sitzung des Kölner Rates eröffnete. Nach einer Schweigeminute für die beiden Opfer des Archiveinsturzes äußerte Schramma die Hoffnung, dass der zweite Vermisste bald gefunden würde: "Wir hoffen immer noch auf ein Wunder".

Er versprach eine umfassende Aufklärung. "Niemand kann angesichts dieser Katastrophe zur Tagesordnung übergehen", sagte Schramma. Priorität habe die Sicherheit, nichtsdestotrotz gelte es, die U-Bahn nach dem Baumoratorium fertigzustellen.

Um eine unbürokratische Hilfe für die Geschädigten zu gewährleisten, benannte er den Juristen und Mitarbeiter von Transparency International Peter von Blomberg als Ombudsmann. Der SPD-Fraktionsvorsitzende Martin Börschel versicherte: "Wir werden nicht zulassen, dass die Frage nach der Verantwortlichkeit im Nirwana entschwindet."

Ausdrücklich dankte Schramma den Rettungskräften, allen voran dem Einsatzleiter und Chef der Kölner Feuerwehr Stephan Neuhoff, der anschließend den Verlauf des Einsatzes seit dem Unglück am 3. März und detailliert das Vorgehen der vergangenen Tage schilderte. Nach wie vor habe die Suche nach dem Vermissten Vorrang.

Neuhoff zeigte sich erleichtert, dass es keine weiteren Verletzten gegeben habe. Entwarnung wollte der Feuerwehrchef allerdings nicht geben: "Man muss davon ausgehen, dass der Boden noch nicht seinen endgültigen Zustand erreicht hat." Die Ratsmitglieder dankten Neuhoff stehend mit Applaus.

Anschließend informierten die Dezernenten über die Hilfsmaßnahmen ihrer Ämter. Sozialdezernentin Marlis Bredehorst berichtete von den Wohnungsvermittlungen, den ausgezahlten Hilfsgeldern und der Hilfsbereitschaft der Bevölkerung, die bisher 127 Sachspenden und 47 000 Euro erbracht hat. Kulturdezernent Georg Quander sagte, dass man bisher etwa 20 Prozent des Archivbestandes geborgen habe.

Mit Spannung erwartet wurden die Ausführungen vom Chef der Kölner Verkehrsbetriebe (KVB), Jürgen Fenske. "Wir können noch nicht alle Fragen beantworten", sagte er. Unwahr sei jedoch die Behauptung, man habe Schwierigkeiten mit einem unterirdischen Brunnen gehabt: "Das Grundwasser wurde erfolgreich abgesenkt." Die KVB habe keine Kenntnis von Versäumnissen. Inzwischen wurden weitere Gutachter des TÜV Rheinland hinzugezogen, die Grundwasserpegel und Höhenmessung der Gebäude werden mehrfach täglich geprüft.

Wer den Betroffenen helfen möchte, erhält unter der Telefonnummer (07 00) 02 21 11 11 über das Bürgertelefon der Stadt Köln nähere Informationen.

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