Spaziergang auf mörderischen Pfaden

Spaziergang auf mörderischen Pfaden

Schriftstellerin wollte sie eigentlich nie werden. Vorgesehen war die Promotion, ein geregeltes Berufsleben, aber bestimmt nicht, ein Buch zu schreiben. Jetzt hat Nadine Buranaseda doch eins veröffentlicht. "

BONN. Schriftstellerin wollte sie eigentlich nie werden. Vorgesehen war die Promotion, ein geregeltes Berufsleben, aber bestimmt nicht, ein Buch zu schreiben. Jetzt hat Nadine Buranaseda doch eins veröffentlicht.

Am Sonntagnachmittag führte sie auf einem Spaziergang einige ihrer Leser durch die Innenstadt zu Schauplätzen ihres Krimis "Seelengrab". "Das bringt ein ganz anderes Leseerlebnis", so die Autorin. Besonders für Bonner sei es interessant, fügte sie hinzu. "Sie sehen Orte, an denen sie täglich vorbeikommen, vielleicht in einem anderen Licht."

In dem Buch geht es um Hauptkommissar Lutz Hirschfeld, der eine Serie von Morden aufklären muss. An jeder Station der Reise las Buranaseda passende Passagen aus dem Krimi vor, erster Halt war die LVR-Klinik, Aufenthaltsort von Hirschfelds Vater. Anschließend ging es an den Rhein, wo die Leiche einer unbekannten Frau gefunden worden war. "Mich interessieren die menschlichen Abgründe", so die Autorin.

Vor ihrem Buch hatte sie sich durch Fachliteratur gewälzt und nach Kriminalfällen gesucht, denn Buranaseda arbeitet immer nach Plan. Eine Fähigkeit, die sie vielleicht an der Universität Bonn erworben hat, wo sie Deutsch und Philosophie auf Lehramt studierte.

Dort begann ihre ganz eigene Geschichte, wurde aus der Studentin die Schriftstellerin. "Ich bin im Hörsaal entdeckt worden", erzählte die 34-Jährige. Statt einer Hausarbeit habe ihr Professor ihr erlaubt, einen Krimi zu schreiben.

Als sie wenig später anrief, um nach der Note zu fragen, staunte sie nicht schlecht: Der Professor hatte ihre Arbeit an einen Verlag geschickt. Dem war die Story zwar zu kurz, aber der Einstieg in die Schriftstellerei war geschafft. Sie schrieb kleinere Geschichten für die Jerry-Cotton-Reihe, dann kam ihr erster großer Roman.

Buranaseda will das echte Polizeileben darstellen. Deswegen ging die Krimi-Reise am Ende ins Präsidium in Ramersdorf, wo die Gruppe die Leitstelle besichtigen durfte.

Einige Teilnehmer hatten für den Spaziergang einen langen Weg auf sich genommen: "Ich wollte die Autorin kennenlernen", so Besucher Jörg Wittler aus Dortmund. Der Spaziergang sei für ihn die Möglichkeit, die Orte des Buches anzuschauen. "Es ist immer interessant zu sehen, wie alles in Wirklichkeit aussieht." Selbst für die Bonnerin Lydia Materna waren einige Plätze neu: "Im Polizeipräsidium bin ich noch nie gewesen."

Buranaseda arbeitet zurzeit an ihrem zweiten Roman über Lutz Hirschfeld. "Schattengrauen" soll im Herbst 2012 erscheinen.

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