So gesehen: Freiheit für Ribéry

So gesehen: Freiheit für Ribéry

Die erste Frage war noch leicht zu beantworten. "Nein, Franck Ribéry muss nicht ins Gefängnis", beruhigte ich meinen siebenjährigen Neffen. In großer Sorge um die Freiheit seines Idols im Bayern-Trikot hatte er sich vertrauensvoll an mich gewandt.

Bei der Anschlussfrage geriet ich aber schon ein wenig ins Schwitzen. "Was hat der Ribéry denn eigentlich gemacht", wollte der kleine Junge wissen. "Na ja", druckste ich herum, "er ist mit ein paar Mitspielern aus dem Trainingslager der französischen Nationalmannschaft verschwunden, ohne dem Trainer Bescheid zu sagen." Diese Antwort war zwar nicht die volle Wahrheit, aber auch nicht ganz gelogen. Schließlich wusste ich, dass das Fach Biologie mit all seinen spannenden Themen im ersten Schuljahr noch nicht auf dem Stundenplan stand.

Mein Neffe bohrte weiter: "Aber das ist doch nicht schlimm, wenn man mal aus dem Trainingslager abhaut, warum muss er dann zur Polizei?" Langsam vergrößerte sich mein Erklärungsnotstand. "Die haben bestimmt die ganze Nacht Bier getrunken", mutmaßte ich, "und vor einem wichtigen Spiel ist das für Fußballprofis verboten."

Das leuchtete meinem Neffen dann auch ein, wobei er glücklicherweise einen Fehler in meiner Argumentationskette nicht bemerkte: Franzosen bevorzugen Wein, wenn sie nachts um die Häuser ziehen. Und dafür muss man nun gerade in Frankreich wirklich nicht ins Gefängnis.

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