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Rhein-Sieg-Kreis: So bekommen Kinder von psychisch Kranken Hilfe

Rhein-Sieg-Kreis : So bekommen Kinder von psychisch Kranken Hilfe

Caritas und SKM kooperieren noch enger bei der Unterstützung von Kindern, deren Eltern sucht- und psychisch krank sind. "Bärenstark" lautet der Name der Gruppe unter Leitung zweier Expertinnen.

Sie leiden oft im Stillen, ziehen sich zurück, machen sich Vorwürfe, entwickeln Schuldgefühle, versuchen zu helfen, sind überfordert. Für Kinder, deren Mutter oder Vater sucht- oder psychisch krank ist, kommt es einer Herkulesaufgabe gleich, mit dieser Situation zurechtzukommen. Beate Schönborn und Anna Clasen helfen Jungen und Mädchen im Grundschulalter dabei, mit einer solchen Familiensituation umzugehen. "Bärenstark" lautet der Name der Gruppe unter Leitung der beiden Expertinnen.

Zwölf bis 14 Treffen umfasst eine Gruppeneinheit für bis zu sieben Kinder. Dabei gehe es etwa um eine kindgerechte Aufklärung darüber, was die Eltern haben, erläutert Clasen bei einem Pressegespräch. Die Kinder sollen Gefühle zulassen und einordnen können sowie erfahren, dass sie mit ihren Problemen nicht alleine sind, ergänzt Schönborn. Das Ganze ist ein Kooperationsprojekt. Schönborn arbeitet im Sozialpsychiatrischen Zentrum des SKM (Katholischer Verband für soziale Dienste in Deutschland) in Meckenheim, Clasen bei der Suchtkrankenhilfe der Caritas in Rheinbach. Beide Organisationen haben zudem Außenstellen in Bornheim. Zusammen decken Suchtkrankenhilfe und Sozialpsychiatrisches Zentrum den gesamten linksrheinischen Rhein-Sieg-Kreis ab. Und das nun noch enger abgestimmt als zuvor.

Zusammen mit Clasen und Schönborn sind Birte Holm-Smend, Teamleiterin der Suchtkrankenhilfe, und Rodger Ody, Fachbereichsleiter des Sozialpsychiatrischen Zentrums, in die Caritas-Beratungsstelle nach Bornheim gekommen, um von der neuen Stufe der Kooperation der beiden Hilfsdienste im Linksrheinischen zu berichten. Vor zwei Jahren sei es Zufall gewesen, dass man nebeneinander Räume an der Bornheimer Königstraße bezogen habe, sagt Holm-Smend. Die Zusammenarbeit sei indes kein Zufall, sagt sie weiter. So sind die Aufgaben nicht nur bei der besagten Arbeit mit Kindern - und den weiteren Angeboten für Familien wie Ausflüge oder Frühstücke - ähnlich. Gleiches gilt auch für den sogenannten Ambulant Aufsuchenden Dienst (AAD).

Helfen kranken Menschen und ihren Kindern: (v. l.) Beate Schönborn, Anna Clasen, Birte Holm-Smend und Rodger Ody.

Hier werden Menschen mit einer Sucht- oder psychischen Erkrankung - oder auch, wenn ein Verdacht darauf besteht - zu Hause aufgesucht. In Gesprächen versuchen die Experten, Probleme zu erkennen, zu helfen und gegebenenfalls zu anderen Angeboten oder gar Kliniken zu vermitteln. Die Caritas ist dabei auf Suchtkranke spezialisiert, der SKM auf das Psychische. Wie Ody erläutert, seien aber nicht selten beide Teams vor Ort, schließlich sei die Krankheitsursache nicht immer klar und direkt erkennbar. Hinweise auf mögliche Erkrankungen erhalten die Hilfsdienste von Angehörigen, Nachbarn, aber auch von Ämtern oder Ärzten.

Die nun geschlossene Kooperation ist nach Aussagen der Beteiligten im Prinzip dazu da, die bisherige gute Zusammenarbeit schriftlich zu fixieren und nicht nur an den aktuell handelnden Personen festzumachen. Alle Angebote richten sich an alle Menschen und sind aufgrund der Finanzierung durch den Rhein-Sieg-Kreis kostenlos.

Und doch: Geld ist in einem Fall ein Problem. Und zwar für die "Bärenstark"-Kindergruppe. "Das Problem ist, dass die Fahrerei nicht finanziert wird", führt Holm-Smend aus. Da man sich auf die Eltern nicht immer verlassen kann oder will, werden die Kinder laut Clasen mit einem Fahrdienst zu den Gruppentreffen in Meckenheim oder Bornheim gebracht. Und das kostet eben nicht nur Zeit, sondern auch Geld. Geld, das laut Holm-Smend über Spenden eingenommen werden muss. Nach den Herbstferien startet eine neue "Bärenstark"-Gruppe in Bornheim - mit neuen Kindern, aber vielleicht auch mit Jungen und Mädchen, die schon einmal daran teilgenommen haben. "Es kommen auch Kinder öfters", sagt Schönborn. Eine solche Gruppe kann indes ohne die grundsätzliche Bereitschaft der Eltern nicht funktionieren. "Die Kinder müssen die Erlaubnis haben, in der Gruppe offen zu reden", betont Holm-Smend.

Die Beratungsangebote haben folgenden Kontaktdaten:

Suchtkrankenhilfe der Caritas: Pfarrgasse 6, 53359 Rheinbach, 0 22 26/1 24 04, suchtkrankenhilfe.rheinbach@caritas-rheinsieg.de; Nebenstelle: Königstraße 25, 53332 Bornheim, 0 22 22/6 02 65, suchtkrankenhilfe.bornheim@caritas-rheinsieg.de.

Sozialpsychiatrisches Zentrum des SKM, Adolf-Kolping-Straße 5, 53340 Meckenheim, 0 22 25/99 97 60, spz@skm-rhein-sieg.de; Nebenstelle: Königstraße 25, 53332 Bornheim, 0 22 22/8 04 75 17, spz@skm-rhein-sieg.de.