Beratungsstelle in Siegburg: Verbraucherschutz warnt vor hohen Handwerkerrechnungen

Beratungsstelle in Siegburg : Verbraucherschutz warnt vor hohen Handwerkerrechnungen

Je mehr Handwerkeraufträge es gibt, umso mehr Beschwerden gehen auch bei der Beratungsstelle der Verbraucherzentrale in Siegburg ein. Die Zentrale warnt außerdem vor Haustürverträgen.

Mit hohen Rechnungen für Handwerkerleistungen haben nicht nur die Kreisverwaltung oder die Stadt Bonn bei ihrer Beethovenhalle zu tun. Damit müssen sich zunehmend auch Privatleute im Kreis herumschlagen. „Der Baumarkt ist ausgelastet“, weiß Martin Wieler, Leiter der Beratungsstelle der Verbraucherzentrale in Siegburg. „Viele haben eher Probleme, Handwerker zu finden. Aufgrund der niedrigen Zinsen beziehungsweise teilweise sogar Strafzinsen auf Sparvermögen, ist die Bereitschaft, in Immobilien zu investieren, gestiegen.“ Und je mehr Aufträge es gibt, desto mehr Beschwerden gibt es auch bei der Verbraucherzentrale – vor allem über zu hohe Kosten oder nicht eingehaltene Summen, die im Kostenvoranschlag gemacht wurden.

„Wenn Sie den Auspuff von einem Opel Corsa auswechseln lassen müssen, wissen Sie genau, was Sie am Ende bezahlen. Oder wenn Sie den Akku vom Handy erneuern wollen. Und auch der Schuster kann Ihnen genau sagen, was die neue Sohle kosten soll. Sobald es um Bautätigkeiten geht, wird es schwierig“, so Wieler. Und so mehren sich die Fälle derer, die Rat suchen.

Die Siegburger Verbraucherzentrale beobachtet vermehrt eine besonders perfide Abzocke. „Da gibt es ganze Firmen, die Mitarbeiter losschicken, um Akquisen an der Haustür abzuschließen. Sie suchen sich bevorzugt Haushalte von älteren Menschen aus, klingeln an der Haustür und bieten vermeintlich dringende Arbeiten am Dach oder energetische Sanierungen an“, berichtet der Verbraucherschützer. Die Firmenvertreter kommen unangekündigt und drängen die Hausbewohner, sofort einen Vertrag abzuschließen. Manchmal diene eine bereits laufende, von außen sichtbare Sanierungsarbeit als Aufhänger. Die vermeintlichen Energieberater behaupteten dann, dass die Handwerksfirmen nicht die richtigen Schritte umsetzten oder schlecht arbeiteten. Stattdessen wollen sie anstelle der ursprünglich beauftragten Firma übernehmen.

Verbraucherzentrale Siegburg warnt davor, Geschäfte an der Haustür abzuschließen

Eine weitere Masche: Die Fremden weisen auf einen vermeintlich dringenden Sanierungsbedarf hin, etwa weil der Keller angeblich feucht sei. Unverzüglich sollen die überrumpelten Hausbesitzer dann einen Auftrag erteilen – ohne Bedenkzeit, in der sie Notwendigkeit und Preis der Leistung überprüfen könnten. „Wir wissen von einem konkreten Fall, bei dem eine Seniorin weit über 100.000 Euro zahlen musste“, so Wieler. „Deshalb warnen wir davor, jemals irgendein Geschäft an der Haustür abzuschließen.“

Der weitaus häufiger vorkommende Fall indes betrifft Leistungen von Handwerkern. Wenn sich Kunden beschweren, dass die vereinbarte Summe nicht eingehalten oder Leistungen nicht korrekt erfüllt worden seien, dann liege das häufig daran, dass die Angebote zu vage festgehalten worden sind. „Wenn in der Vereinbarung etwa nicht genau drinsteht, wie viel von einer Hecke weggeschnitten werden soll oder die Summe für die Handwerkerleistung nur ‚unverbindlich‘ war, dann haben Sie keine großen Chancen, dagegen vorzugehen.“

Rechtlich sei das alles recht komplex, sodass der Verbraucherschutz eher zu einer außergerichtlichen Einigung rät – vor allem dann, wenn die Betroffenen keine Rechtsschutzversicherung haben. „Wenn noch ein Sachverständigengutachten eingeholt werden muss, dann wird die Sache am Ende vielleicht teurer, als in den sauren Apfel zu beißen“, so Wieler.

Verbraucherzentrale Siegburg rät dazu, mehrere Angebote einzuholen

Außerdem sei ein Kostenvoranschlag nur eine „grobe Schätzung“. Halte man eine Handwerkerrechnung für zu hoch, könne man sich auch an die Schiedsstelle der Handwerkskammer zu Köln wenden. „Der Kunde ist Laie, und wenn es ein guter und seriöser Handwerker ist, dann weist er beim Gespräch auf mögliche Risiken und Mehrkosten hin“, sagt Wieler. Er rät dazu, immer mindestens drei Angebote reinzuholen, besser fünf. Wer auf Nummer sicher gehen will, der kann auch einen Festpreis vereinbaren. „Das ist dann unter Umständen etwas teurer, aber man erlebt keine böse Überraschung.“

Vorsicht sei auch geboten, wenn sich Handwerker meldeten, die weite Anfahrten haben, denn diese könnten als Arbeitszeit die Rechnungen in die Höhe schnellen lassen. „Da ist man bei einem örtlichen Betrieb oft besser dran, es sei denn, es ist eine so spezielle Angelegenheit, wie etwa ein besonderer Treppenlift, den nur ein Fachbetrieb durchführen kann“, so der Experte.