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Collagen im Bilderbuchmuseum: Zerschnitten und zusammengesetzt

Collagen im Bilderbuchmuseum : Zerschnitten und zusammengesetzt

Bilderbuchmuseum in der Troisdorfer Burg Wissem zeigt das Künstler-Labor „Hannah Höch und die Collage“. Neue Ausstellung ist bis zum 27. September zu sehen.

Für jeden, der die neue Ausstellung im Bilderbuchmuseum an der Burg Wissem betreten möchte, heißt es zunächst einmal „Augen zu und durch“. Und zwar ganz bildlich gesprochen, denn im Türrahmen hängen Fotos von unterschiedlichen Augen an Fäden, ähnlich einem Mobile. Am Sonntag, 25. Juni, startet im Bilderbuchmuseum eine neue Art der Ausstellung. „LAB – Künstlerbilderbücher/Bilderbuchkünstler Hannah Höch und die Collage“. Das LAB, steht in diesem Fall für Labor. „Wir haben uns bewusst dafür entschieden, es nicht als Ausstellung, sondern als Labor zu bezeichnen“, sagt Jens Thiele, Bilderbuchforscher aus Münster. „Wir wollten das Ganze offener gestalten, um so dem Phänomen 'Collage' besser auf den Grund gehen zu können“.

Was geschieht mit Collagen im Bilderbuch und in der Kunst?

Gemeinsam mit der leitenden Kuratorin des Bilderbuchmuseums Maria Linsmann und Friedrich C. Heller, Bilderbuchsammler und Forscher aus Linz, hat er sich über drei Jahre mit dem Thema beschäftigt. „Die Kernfrage, die wir uns gestellt haben, war: Was geschieht mit Collagen im Bilderbuch und in der Kunst?“, erläutert Maria Linsmann die Idee dahinter. Und dazu muss man sich zuerst einmal die Frage stellen, was eine Collage überhaupt ist? „Eigentlich zerstört man ein Bild mit einer Schere und setzt es hinterher wieder zusammen“, so Jens Thiele. „In der Kunst werden Collagen als Provokation genutzt, während sie in Bilderbüchern die Fantasie, die Komik, aber auch das Merkwürdige darstellen.“ Im Labor können interessierte Besucher verschiedene Formen der Collage aus den mehreren Jahrzehnten bewundern.

Vor allem die Künstlerin Hannah Höch arbeitete mit Collagen, indem sie vertraute Motive zerschnitt und sie auf irritierende Weise wieder zusammenfügte, sodass vollkommen neue Grundeindrücke entstehen konnten. Ihr erstes Buch entwarf sie 1945, der Stil ist jedoch in den 20er Jahren anzusiedeln. „Hannah Höch hat das Buch damals gemacht, weil sie Geld brauchte, doch damals wollte es keiner drucken“, beschreibt Jens Thiele die Lebenssituation der Künstlerin. Erst 1989 wurde es gedruckt und 2008 erneut aufgelegt. Im Bilderbuchmuseum ist eine skurrile Waldszene aus Höchs Werk, das den schlichten Titel „Bilderbuch“ trägt, lebensgroß nachgebaut worden.

Ein weiteres Highlight ist die Collage aus dem berühmten Kinderbuch von Leo Leonni „Das kleine Blau und das kleine Gelb“. Ein Bild, das Maria Linsmann besonders gefällt. „Es ist quasi die Mona Lisa der Bilderbuchillustration.“

Wer selber eine Collage basteln möchte, kann das in der „Werkstatt Collage“ ausprobieren. Die Ausstellung „Hannah Höch und die Collage“ ist noch bis Sonntag, 27. August, im Troisdorfer Bilderbuchmuseum, Burgallee 1, zu sehen.