Situation im Rhein-Sieg-Kreis: Strategien für regionale Online-Portale gesucht

Situation im Rhein-Sieg-Kreis : Strategien für regionale Online-Portale gesucht

Wie stellen sich die Städte im Rhein-Sieg-Kreis mit Blick auf den Onlinehandel auf? Die bisherigen Projekte sind unterschiedlich weit gediehen. Einige Beispiele:

Mit der Online-Plattform „Mein Bad Honnef“ verfolgt die Stadt das Ziel, dass sich der stationäre Einzelhandel die Vorteile des Online-Handels zunutze macht, um der Konkurrenz aus dem Netz die Stirn zu bieten. Die Online-Plattform als Ganzes ist im August an den Start gegangen, im November soll das „Kiezkaufhaus“ nach dem Vorbild des gleichnamigen Projektes in Wiesbaden starten – mit Bad Honnefer Zuschnitt. Das Projekt wird mit 100 000 Euro vom Land gefördert, dieselbe Summe investiert die Stadt. Die Einzelhändler zahlen einen festen Betrag für die Erst-Aufnahme mit professionellen Fotos und mehr, danach einen Monatsbeitrag sowie zehn Prozent Provision auf die über die Plattform erzielten Umsätze. Für den Kunden fällt eine Liefergebühr an. Ausgeliefert wird mit einem E-Bike. Teil des Konzeptes ist auch die intensive Begleitung der teilnehmenden Händler, so mit einem Workshop Ende September.

In Troisdorf gibt es ein zentrales Stadtportal, dessen Inhalte per App und über Social Media verfügbar sind, wie Fabian Wagner von der Wirtschaftsförderungsgesellschaft Trowista mitteilt. Dort gibt es einen Mehrwert für die Bürger durch Serviceangebote wie etwa einen Eventkalender und der Auflistung von Treffpunkten in der Innenstadt. Wenn Plattformen so etwas aufweisen, können sie auch durch Fördermittel vom Land oder der IHK unterstützt werden. In Troisdorf betreibt die Firma mediata-Fachagentur für intelligente Kommunikation die Seite. Geschäftsführer Dirk Pohlscheidt ist auch stellvertretender Vorsitzender der City-Werbegemeinschaft Troisdorf. In Siegburg ist ein City-Portal schon längere Zeit angekündigt und geplant; es befindet sich noch in der Einrichtungsphase. Ansprechpartnerin ist die Wirtschaftsförderin Susan Klose-Lehmann. Sankt Augustin steht indes „in einem engen Dialog mit den organisierten Einzelhändlern im Stadtgebiet“, wie Stephanie Harke von der Wirtschaftsförderungsgesellschaft Sankt Augustin mitteilt. Außerdem steht die Stadt in Kontakt mit der DHL in Bezug auf die Local Commerce Plattform AllyouneedCity in Bonn, der City-Plattform der Bundesstadt. „Unsere Arbeit zielt dabei im Moment vor allem darauf ab, den stationären Einzelhandel in Sankt Augustin für den Online-Vertriebsweg zu sensibilisieren. Daran arbeiten wir auch unter Mitwirkung der IHK Bonn/Rhein-Sieg“, so Harke.

Mit Blick auf die Konkurrenz aus dem Internet wolle der Gewerbeverein seinen Mitgliedern Wege aufzeigen, wie man selbst einen Fuß in den Online-Handel bekomme, hatte Jörg Gütelhöfer anlässlich seiner Wahl zum neuen Vorsitzenden des örtlichen Gewerbevereins angekündigt. Gütelhöfer steht dem Verein seit rund einem Jahr vor. „Die Bürger sind grundsätzlich pro Bornheim“, sagt er. Die Menschen merkten, dass es wichtig sei, lokale Unternehmen zu unterstützen. Überdies biete man direkte Beratung an und sei auch bei Problemen umgehend ansprechbar. „Wir sind nahbar“, so Gütelhöfer. Man könne und wolle aber nicht mit Städten wie Bonn oder Köln oder mit Amazon konkurrieren. Der Bornheimer Handel setzt aber auch weiterhin auf verkaufsoffene Sonntage.

Im boomenden Internethandel möchte auch der Rheinbacher Gewerbeverein bald mit einem lokalen Internetangebot mitmischen. „Den großen anonymen Plattformen kann man einen regionalen virtuellen Internetmarktplatz entgegensetzen“, sagt Oliver Wolf, Vorsitzender des Gewerbevereins Rheinbach. „Wir werden das Internet für uns arbeiten lassen müssen, darum kommen wir nicht herum“, erklärt Wolf. Derzeit laufen noch Gespräche mit örtlichen Anbietern. Sie wollen insbesondere mit dem Vorteil der Nähe punkten – etwa mit „kaufen und liefern in zwei Stunden“. Genau das könnten die Großen im Internethandel nicht schaffen. Andere Modelle sähen vor, den Kunden anzubieten, die gewünschte Ware entweder noch am gleichen Tag nach Hause liefern zu lassen oder sie selbst im Geschäft abzuholen. Solch kurze Wege könnten die großen Internetversandriesen nicht bieten, meinen die Rheinbacher. Und: Die Geschäftsleute planen die Zusammenarbeit mit einem Logistiker wie etwa DHL, der in Rheinbach derzeit ein neues Distributionszentrum baut – exklusiv für den Elektroriesen Eaton.

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