Sicherheit für Radfahrer: Abbiege-Assistenten für Müll-Laster im Rhein-Sieg-Kreis

Sicherheit für Radfahrer im Rhein-Sieg-Kreis : RSAG stattet Lastwagen mit Abbiegeassistenten aus

Die Rhein-Sieg Abfallwirtschaftsgesellschaft stattet ihre Sammelfahrzeugflotte schrittweise mit Abbiegeassistenten aus. Dadurch sollen Unfälle mit Radfahrern vermieden werden.

An jeder Kurve und jeder Kreuzung fährt die Angst mit. Die Angst der Radfahrer, von einem abbiegenden Lastwagen erfasst oder überrollt zu werden. Und die Angst der Lkw-Fahrer, trotz aller Seiten- und Hilfsspiegel einen Menschen im toten Winkel zu übersehen. Etwa im vergangenen Juni war es in Bonn zu einem tödlichen Fahrrad-Unfall gekommen: Eine 25-jährige Radfahrerin starb, nachdem ein 63-jähriger Lastwagenfahrer sie an der Kreuzung Bornheimer Straße/Heinrich-Böll-Ring mutmaßlich übersehen und mit seinem Fahrzeug erfasst hatte.

Um das Risiko sogenannter Abbiegeunfälle zu reduzieren, stattet die Rhein-Sieg Abfallwirtschaftsgesellschaft (RSAG) ihre Flotte von rund 120 Fahrzeugen schrittweise mit sogenannten Abbiegeassistenten aus.

Elf Lkw der Entsorgungs- und Containertochter ERS sowie sieben 40-Tonner für den Transport von Abfall und Wertstoffen zwischen den Standorten verfügen über entsprechende Systeme. Und auch beim Gros der Flotte, den hundert jeweils 26 Tonnen schweren Sammelfahrzeugen, sei das Unternehmen auf einem guten Weg, teilten RSAG-Vorständin Ludgera Decking und Logistikleiter Sascha van Keeken am Dienstag bei einer gemeinsamen Demonstration der Abbiegeassistenten mit dem Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC) Bonn/Rhein-Sieg in Troisdorf mit.

RSAG will alle neuen Lkw mit Abbiegeassistent ausstatten

Rund 2,175 Millionen Kilometer legen die Sammelfahrzeuge jährlich im Kreisgebiet zurück, davon den Großteil in den schmalen Straßen der Wohngebiete. Sieben Sammelfahrzeuge konnten gleich ab Werk mit einem Assistenten bestellt werden. „In den letzten sechs Monaten hat sich bei den Abbiegeassistenten unglaublich viel getan. Es gibt nun mehrere Lösungen zum Nachrüsten“, sagte von Keeken: „Mit diesen Systemen lassen sich nahezu alle gängigen Fahrzeuge nachrüsten.“

Das habe die RSAG nun bei 26 Fahrzeugen getan, sie habe nun insgesamt 33 Sammelfahrzeuge mit Abbiegeassistenten im Einsatz und dafür etwa 100.000 Euro aufgewendet, so der Logistikleiter: Die gesamte Logistikbranche habe großes Interesse an den Nachrüstungen, wenngleich die beiden Fördertöpfe des Bundesverkehrsministeriums von zwei Mal jeweils fünf Millionen Euro binnen kürzester Zeit ausgeschöpft gewesen seien.

Die RSAG wolle und werde die Umrüstungen weiter vorantreiben, so Decking: „Alle neu angeschafften Fahrzeuge werden mit dem Assistenten ausgestattet.“ Dabei sei die Nachrüstung der vorhandenen Flotte an Sammelfahrzeugen mit den jeweils rund 3000 Euro teuren Assistenten wirtschaftlicher, als vorhandene Fahrzeuge, die bei der Anschaffung mit etwa 160.000 bis 180.000 Euro zu Buche schlagen, schon vor Ende der durchschnittlichen Nutzungsdauer von neun Jahren auszutauschen.

ADFC: „Wir brauchen eine Verkehrswende“

Die Nachhaltigkeit in der Strategie der Nachrüstung begrüßte Sigurd van Riesen, Sprecher des ADFC in Hennef, bei seinem Besuch des RSAG-Logistikstandorts Troisdorf ausdrücklich. Van Riesen hatte sich mit einem Brief an Landrat Sebastian Schuster, der Vorsitzender des Verwaltungsrates der RSAG ist, gewandt und um eine Ausstattung der Flotte mit den Assistenten gebeten. „Umso erfreulicher war es zu erfahren, dass die RSAG bereits am Thema dran ist und in die Sicherheit investiert.“

Nun sei es auch an der Zeit, dass Bund, Land und Kommunen in die sichere Gestaltung der Einmündungen und Kreuzungen investierten – etwa in die „geschützte Kreuzung“, auch „Holländisches Modell“ genannt, bei der Radfahrer auf einer eigenen Spur von der Kreuzung weggeführt werden, um anschließend die Spur eines bereits rechtsabbiegenden Fahrzeuges in einem rechten Winkel zu kreuzen: „Andere Länder haben die Vorteile nun erkannt und bauen ihre Kreuzungen um.“

Entsprechende Weichenstellungen dazu in Deutschland erkennt der ADFC-Sprecher derzeit nicht. „Alle wollen und wir brauchen eine Verkehrswende“, ergänzte die stellvertretende ADFC-Vorsitzende Satu Ulvi und dankte der RSAG für ihr Engagement: „Dazu gehört, dass Fußgänger und Radfahrer sich sicher bewegen können.“

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