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Pneumissimo: Chorgesang hilft Lungenkranken aus Troisdorf und Köln

Singen ist wie Medizin : Chorgesang hilft Lungenkranken aus Troisdorf und Köln

Die Proben im Chor Pneumissimo machen den Sängern nicht nur Spaß, sie verbessern auch die Lebensqualität. Denn die Frauen und Männer leiden an verschiedenen Erkrankungen der Atemwege. Die Arbeit mit Chorleiterin Anette Einzmann wird wissenschaftlich begleitet.

Wenn sie auf der Bühne stehen und Lieder aus Afrika oder Spanien, Gospels oder Mundart-Songs der Bläck Fööss singen, dann klingen sie wie ein „ganz normaler“ Chor. Doch Pneumissimo ist mehr. Für die 15 Frauen und Männer, die in zwei Gruppen in Troisdorf und Köln singen, ist Musik wie Medizin.

Alle Teilnehmer haben eine eingeschränkte Lungenfunktion. Chorleiterin Anette Einzmann arbeitet mit den Sängern seit fünf Jahren. Vor allem das Einsingen hat einen hohen therapeutischen Wert.

Zurzeit wird per Lernvideo geprobt

Normalerweise proben sie wöchentlich an den Chorsätzen, mittwochs in der Uniklinik Köln, dienstags in der Kapelle des Sieglarer Krankenhauses St. Johannes. Zurzeit ist allerdings Pause, denn die Mitglieder von Pneumissimo zählen zur Corona-Risikogruppe. Viele von ihnen leiden an der Lungenkrankheit COPD, andere an chronischer Bronchitis, einige haben eine Lungentransplantation hinter sich oder aus anderen Gründen starke Einschränkungen der Atmungsleistung.

Atemtechnik-Übungen helfen gegen die Atemnot

Sie alle bekämpfen ihre Atemnot mit Gesang und den dadurch verbundenen intensiven Atemtechnik-Übungen.

Lernvideos ersetzen gerade das, was sonst in der Gruppe so viel Spaß macht: Das gemeinsame Proben. „Aussetzen sollte keiner der Sänger, denn alle singen auch aus gesundheitlichen Gründen“, so Einzmann.

Chor ist Studienobjekt für eine Doktorarbeit

Der Chorname Pneumissimo ist Programm. Pneuma ist das griechische Wort für Luft. Die Endung -issimo ist Musikern von Bezeichnungen wie pianissimo oder fortissimo bekannt als Steigerungsform. „So viel Luft wie möglich“ soll bei Pneumissimo geschöpft werden.

Die Singgruppen werden seit drei Jahren von der Uniklink Köln wissenschaftlich begleitet. Die Medizinstudentin Katrin Enste (26) schreibt an einer Doktorarbeit über die Effekte des Chorsingens bei Patienten mit eingeschränkter Atemwegsfunktion und setzt dabei ihren Fokus auf das Krankheitsbild von COPD.

Dazu hat sie regelmäßig die Proben besucht und die Sängerinnen und Sänger unter anderem mit einem Lungenfunktionstest vorher und nachher untersucht. Schon jetzt steht für Enste fest: „Die Patienten profitieren von der Chorarbeit.“

Sie konnte bei den Pneumissimo-Sängern eine Verbesserung der Lungenkapazität nachweisen – so wurde die nach dem Ausatmen in der Lunge bleibende Luft, das sogenannte Residualvolumen, um acht Prozent reduziert – zudem stellte sie eine Verbesserung der Leistungsfähigkeit und des Wohlbefindens fest.

Auch die Lebensqualität wurde durch das Singen gesteigert. Die Not der Sänger, nicht genügend Kohlendioxid abatmen zu können, mit gezielten Atem- und Gesangsübungen zu bekämpfen, ist das Ziel der Chorleiterin.

„Die Stimme soll wieder schwingen und meinen Sängern soll ein längeres Ausatmen und vertiefteres Einatmen ermöglicht werden“, sagt Einzmann, die unter anderem eine atempädagogische Ausbildung absolvierte und über „Eine Mikrotheorie der Stimme“ promovierte.

Für Chormitglied Lisa Jahnen (61), die regelmäßig aus Bonn nach Troisdorf zur Probe kommt, ist der Chor im doppelten Sinne eine Bereicherung. Sie hat bereits bei einigen Konzerten mit Pneumissimo auf der Bühne gestanden.

Das Ensemble ist ein gern gesehener Vorzeige-Chor bei Lungeninformations-Tagen und Pneumologen-Kongressen. Vor allem aber liebt Jahnen die Proben und den Austausch mit Leidensgenossen.

„Schon nach jeder Probe merke ich eine Verbesserung meiner Atmung und der Austausch mit den anderen Sängern tut ebenfalls gut.“ Die Proben über Lernvideos sind für die Sängerin „zwar nicht das gleiche, aber für die Übergangszeit ist es ein guter Kompromiss.“

Mehr Infos zum Chor und Kontakt über die Homepage www.pneumissimo.de.