Aidshilfe im Rhein-Sieg-Kreis: HIV-Schnelltest für zu Hause

Aidshilfe im Rhein-Sieg-Kreis : HIV-Schnelltest für zu Hause

Die Troisdorfer Beratungsstelle in der Troisdorfer Gesundheitsagentur beriet in den vergangenen sieben Jahren mehr als 2000 Menschen.

HIV und Aids sind zwar nicht mehr Tagesthema. Dennoch ist die Infektion mit den daraus folgenden Krankheitsbildern nicht vom Tisch. Damit aus HIV nicht Aids wird, ist die Beratung gefährdeter Menschen und die Früherkennung von HIV-Infektionen unerlässlich. Seit sieben Jahren nun bietet die Aids-Hilfe Rhein-Sieg in der Troisdorfer Gesundheitsagentur im Auftrag des Kreisgesundheitsamtes den HIV-Schnelltest an, den seit Mitte 2010 immerhin mehr als 2000 Menschen nutzten. Allein in diesem Jahr waren es bereits 135 Schnelltestungen, sagte gestern Martin Dohmstreich, Leiter der Beratungsstelle mit Sitz in der Troisdorfer Hippolythusstraße.

Er stellte zudem auch einen neuen Schnelltest für zu Hause vor, der indes noch nicht offiziell zugelassen ist. Damit rechnet Dohmstreich aber noch in diesem Jahr. Mittels eines speziellen Röhrchens und einer Lanzette werden einige Tropfen Blut aus dem Finger entnommen und sogleich analysiert. Damit könnten auch Menschen erreicht werden, die sich nicht in die Beratungsstelle wagen. Petra Becker-Hammen und Bettina Breuer, die die HIV-Testberatung durchführen, wissen um die seelischen Nöte der Menschen, die fürchten, sich infiziert zu haben. „Die sind oft sehr aufgeregt, und ob sie es schaffen, mit dem Heimtest die nötige Menge Blut zu gewinnen, mag fraglich sein“, sind die beiden Expertinnen eher unsicher.

Anonymes Angebot

Das Problem sei jedoch, dass die wenigsten Menschen offen über ihre Sexualität sprechen. „Wir müssen Vertrauen schaffen und brauchen genügend Zeit für unsere Gespräche“, sagte Dohmstreich weiter. Darum habe die Agentur auch ein niederschwelliges und anonymes Angebot. Statistisch gesehen hat es bei den Schnelltests in der Troisdorfer Gesundheitsagentur zwölf sogenannte reaktive HIV-Schnelltestergebisse gegeben. Die werden dann von dem Arzt Stephan Schölzel, der in Troisdorf eine HIV-Schwerpunktpraxis betreibt, genauer analysiert. Wie Schölzel gestern sagte, waren auch tatsächlich elf der Tests positiv, nur einer war „falsch positiv“.

Die Gesundheitsagentur wird von Kreis (22.000 Euro) und vom Land (68.000 Euro) bezuschusst. Wie Dohmstreich sagte, müssen aber noch weitere 50.000 Euro von der Aids-Hilfe selbst aufgebracht werden. „Das ist kaum zu schaffen“, erklärte er. Für den Kreis sagte Rainer Meilicke, Leiter des Kreisgesundheitsamtes, dass die Agentur auch weiterhin unterstützt werde. Deren Arbeit sei für den Kreis eine große Erleichterung.