Hospiz Sankt Klara Troisdorf: Ein würdiger Ort zum Sterben

Hospiz Sankt Klara Troisdorf : Ein würdiger Ort zum Sterben

Der Tod ist allgegenwärtig. Dennoch: Schon das lichtdurchflutete Entree des Hospiz Sankt Klara in Troisdorf zeugt davon, dass an diesem Ort zum Sterben auch jede Menge Leben ist. Martin Keßler leitet das Hospiz, das neben dem Elisabeth-Hospiz in Lohmar-Deesem die zweite Einrichtung im Kreis ist.

Die Kerze auf dem kleinen Holztisch am Eingang brennt nicht. Der Docht ist kalt, das Wachs hart. Es ist ein gutes Zeichen. Bedeutet es doch, dass an diesem Tag niemand im Hospiz Sankt Klara gestorben ist. Brennt sie, erzählt Einrichtungsleiter Martin Keßler, ist einer der Gäste für immer gegangen. Sie erlischt erst, wenn der Gast aus dem Hospiz an der Troisdorfer Viktoriastraße abgeholt worden ist. Seit Eröffnung der Einrichtung im Dezember war das mehr als 35 Mal der Fall.

Die Namen der Toten bleiben. Auf Blättern verewigt hängen sie im Eingang an einem Zweig. Der Tod ist allgegenwärtig. Dennoch: Schon das lichtdurchflutete Entree samt farbenfroher Pflanzen zeugt davon, dass an diesem Ort zum Sterben auch jede Menge Leben ist. Das Hospiz Sankt Klara ist neben dem Elisabeth-Hospiz in Lohmar-Deesem, das es seit November 1990 gibt, das zweite im Rhein-Sieg-Kreis. Konkurrenz gibt es zwischen beiden Häusern nicht. Im Gegenteil: „Wir arbeiten eng zusammen“, sagt der gelernte Altenpfleger Keßler.

Bis zum Schuljahr 2013/2014 sind an der Viktoriastraße noch täglich Kinder ein und aus gegangen. Daran erinnert die alte Schulbank im Flur. Über ihrer Lehne hängt eine Ledertasche. Keßler hat sie bewusst dort stehen lassen. Das 1900 errichtete Haus habe seine Geschichte und die wolle er nicht verändern, sagt der 43-Jährige. Um aus der Grundschule ein Hospiz zu machen, bedurfte es intensiver Bauarbeiten. Rund 2,8 Millionen Euro hat die Gemeinnützige Gesellschaft der Franziskanerinnen zu Olpe (GFO), die Trägerin der Einrichtung ist, investiert.

Das Hospiz ist laut Keßler im laufenden Betrieb auf Spenden angewiesen. „Das sind 200.000 bis 300.000 Euro pro Geschäftsjahr“, sagt er. Niemandem, der ein Hospiz eröffnet, könne man wirtschaftliche Interessen unterstellen. „Sie können damit kein Geld verdienen – bestenfalls schaffen sie eine schwarze Null.“

Dass ihm das neu geschaffene Hospiz am Herzen liegt, wird bei einem Rundgang durch das Haus klar. Wenngleich hier und da noch letzte Arbeiten zu erledigen sind, so ist Keßler, der seit 1999 in der Palliativmedizin fest angestellt ist und auch die pflegerische Leitung der Palliativstation im Troisdorfer Sankt Josef Krankenhaus innehat, auf das Erschaffene sichtlich stolz. Ihn freut besonders, dass es so viele Rückzugsmöglichkeiten und Sitzecken gibt. Das sei wichtig, vor allem für die Angehörigen. „Es sind ja meist ganz viele hier. Auch die müssen sich einmal zurückziehen können.“

Schmuckvoll eingerichtete Zimmer

Die 13 Zimmer für die Gäste – so werden die Sterbenden genannt – sind belegt, betreut werden sie unter anderem von 18 angestellten Pflegekräften und von Ehrenamtlichen. Die Zimmer sind schmuckvoll eingerichtet, an den Wänden hängen ein Fernseher und Bilder, große Fenster lassen viel Tageslicht herein. In Vasen stehen bunt blühende Blumen. Nur die Betten und Bäder erinnern daran, dass hier todkranke Menschen leben, die viel Pflege benötigen. Manche von ihnen sind nur wenige Tage, andere Wochen oder Monate hier.

Die Gäste, die es noch können, nutzen auch die Terrasse. Gerade schläft dort eine Frau in den warmen Strahlen der Sonne. Sie sieht friedlich aus. Nicht weit von der Terrasse entfernt ist die große Küche. Sie lädt Gäste und Angehörige zum Verweilen ein. Und sie bietet die Möglichkeit, jedem Gast genau das zuzubereiten, worauf er Appetit hat. Darum kümmern sich neben den Angehörigen auch vier hauswirtschaftliche Kräfte. „Auf Wunsch bereiten die auch schon mal einen strammen Max mit einem Kölsch zu“, sagt Keßler.

Ein langer, heller Gang führt in der ersten Etage direkt zum „Raum der Stille“. Er ist nicht sonderlich groß, die Fenster sind mit blauen Farben verdunkelt, an einer Wand hängt ein großes Kreuz aus Olivenholz. Es stammt aus dem italienischen Assisi. Dem Ort, wo der Franziskanerorden, auf den die GFO gründet, seinen Ursprung hat. „Ein Schnitzer, der in Assisi ein kleines Geschäft betreibt, hat es in unserem Auftrag angefertigt“, erzählt Keßler. Im Oktober haben Mitarbeiter es dort abgeholt.

Im „Raum der Stille“, so Keßler, sprechen die Mitarbeiter unter anderem über die Verstorbenen. Das geschehe regelmäßig. So könnten auch die Mitarbeiter abschließen, sehr wohl in dem Wissen, alles für den Verstorbenen getan zu haben. „Uns ist bewusst, dass wir die Krankheiten nicht heilen können. Wir können unseren Gästen aber einen möglichst schönen Abschied von dieser Welt ermöglichen“, sagt Keßler.

Dass das ihm und seinen Mitarbeitern gelingt, davon zeugt das Gästebuch des Hospizes. „Wir sind froh, dass uns das Team vom Hospiz Sankt Klara die Möglichkeit gegeben hat, unsere liebe Ehefrau/Mutter auf ihrem friedlichen Weg in Ruhe begleiten zu dürfen“, steht dort geschrieben. Auf einer anderen Seite ist die Rede von einer „kurzen und doch sehr intensiven Zeit, in der wir uns getragen fühlten. Es ist gut zu wissen, in schweren Momenten nicht allein zu sein.“ Dass das Gästebuch schon gut gefüllt ist, zeigt aber auch – die Kerze wird wieder brennen.

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