Flüchtlinge in der Region: Betreuer beobachten großes Interesse an deutscher Kultur

Flüchtlinge in der Region : Betreuer beobachten großes Interesse an deutscher Kultur

Flüchtlinge brauchen früh eine Perspektive, sagt der Arbeiter Samariter Bund. Dann sind sie bereit zur Integration.

Welche Werte brauchen die mehr als 11 500 Flüchtlinge, die aktuell allein in Bonn und dem Rhein-Sieg-Kreis registriert sind? Jemand, der das beurteilen kann, ist Jana Schwindt-Bohn, Geschäftsführerin des Arbeiter-Samariter-Bundes (ASB) Bonn/Rhein-Sieg Eifel, und ihre Mitarbeiterinnen Carina Flerlage und Kristina Schartner. Die drei Frauen sind verantwortlich für die Betreuung der Notunterkunft des Rhein-Sieg-Kreises in der Turnhalle des Berufskollegs in Troisdorf-Sieglar. Ausgelegt für bis zu 250 neu ankommende Flüchtlinge, leben hier derzeit 42 Menschen vor allem aus Syrien, Iran, Irak und Afghanistan.

Unterkunftsleiterin Kristina Schartner und Carina Flerlage, Fachbereichsleiterin für mobilen sozialen Dienst, wissen aus dem tagtäglichen Miteinander: Das Gros der Menschen ist höchst interessiert an seiner neuen Heimat und den dortigen Werten. Aber die ASB-Fachfrauen sagen: Damit das so bleibt, brauchen die Flüchtlinge eine zeitnahe Perspektive und eine Wertvermittlung von Anfang an.

Probleme mit Frauen als Respektsperson? Einen solchen Fall hat Carina Flerlage noch nicht erlebt: „Ich arbeite seit September hier, und es gab keinen dummen Spruch.“ Ihrer Wahrnehmung nach sind es sogar eher junge Männer. die hilfsbereit sind: „Frauen brauchen oft Zeit“, betont Flerlage. Auch Kollegin Kristina Schartner, Leiterin der Notunterkunft, sagt: „Ich wurde immer akzeptiert, egal, ob es sich um einen syrischen oder afghanischen Flüchtling handelte.“ Keine Frage ist für Schartner, dass man hiesige Werte vermitteln, dafür aber erst das Vertrauen der Menschen gewinnen muss: „Viele sind nach einer oft wochenlangen Flucht skeptisch, geben vor, keine Papiere zu haben, und nennen falsche Namen.“

Doch das ändert sich aus Sicht der ASB-Expertinnen nach wenigen Tagen, wenn der gesundheitliche Zustand überprüft ist und das Warten auf die Registrierung durch die Bezirksregierung beginnt. „Da wir uns hier rund um die Uhr um die Menschen kümmern, werden sie auch immer offener“, stellt Flerlage fest. Damit wächst auch das Interesse an ihrer neuen Heimat, ergänzt Geschäftsführerin Schwindt-Bohn. Deshalb sollte dann auch eine Wertvermittlung beginnen.

Beleg dafür sei das große Interesse an den freiwilligen, kombinierten Deutsch-Sozialkursen, die sie vor Ort anbietet: „Vor allem die Syrer sind alle total wissbegierig, was etwa die Sitten und Gebräuche hier angeht“, zeigt sich Schwindt-Bohn beeindruckt. Mit Afghanen sei das schwieriger, weil ihre Bildung oft schlechter sei: „Viele beherrschen noch nicht einmal ihre eigene Sprache.“ Welche Gruppe ihr zudem auffiel: eine überschaubare Zahl von „Drehtürflüchtlingen“, „die offensichtlich nicht zum ersten Mal in Deutschland ist und lieber unter sich bleibt“. Dabei handele es sich oft um junge Männer aus Nordafrika.

Was sich für Jana Schwindt-Bohn verheerend auf den Prozess der Vertrauensbildung auswirkt: „Viele Flüchtlinge müssen in der Notunterkunft oft monatelang auf ihre Registrierung durch die Bezirksregierung warten.“ Erst dann könnten sie einen Asylantrag stellen und würden auf die Kommunen verteilt. „Doch in vielen Fällen passiert lange nichts, und wir können ihnen auch keinen Termin nennen“, kritisiert sie. Für viele breche ihr Idealbild von einem perfekt durchorganisierten Deutschland zusammen. Viele wollten wieder zurück. Aber mancher wird laut Schwindt-Bohn auch „anfällig für Islamisten“. Oft sei es dann zu spät für eine Wertvermittlung.

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