Mordprozess vor dem Schwurgericht: Angeklagter verletzt Opfer schwer mit Samuraischwert

Mordprozess vor dem Schwurgericht : Angeklagter verletzt Opfer schwer mit Samuraischwert

Ein 26-jähriger Mann aus Troisdorf muss sich wegen eines Mordversuchs vor dem Bonner Schwurgericht verantworten. Der Angeklagte schlug mit einem Samuraischwert auf einen pensionierten Polizisten ein.

Er hat die Kapuze ins Gesicht gezogen, als er in Handschellen von Wachtmeistern in den Bonner Schwurgerichtssaal geführt wird. Der schmächtige 26-Jährige, der sich vor den Kameras verstecken will, hat am 9. April in Troisdorf-Sieglar an einem Glascontainer nahe eines Supermarktes mit einem Samuraischwert auf Kopf und die zum Schutz erhobenen Arme und Hände eines ihm fremden Mannes eingeschlagen. Das Opfer, ein pensionierter Polizist, wäre fast verblutet.

Die Anklage wirft dem 26-Jährigen nicht nur gefährliche Körperverletzung, sondern auch versuchten Mord aus Heimtücke und Mordlust vor. Denn, so Staatsanwalt Florian Geßler: „Er wollte sein Opfer töten, um seine Tötungsfantasien zu befriedigen.“ Davon ist allerdings nicht die Rede, als Verteidiger Martin Mörsdorf für seinen Mandanten das Wort ergreift und erklärt: „Dass er sein Opfer mit einem Samuraischwert angegriffen und schwer verletzt hat, hat er nie in Abrede gestellt.“ Die Frage sei nur: Warum hat er das getan?

Wie der Anwalt erklärt, sei der Angeklagte damals „völlig von der Rolle“ gewesen und habe im Drogen- und Alkoholrausch mit den bei ihm lebenden Freunden in der Wohnung seiner zwei Monate zuvor verstorbenen Mutter „rumgehangen“. Ihr Tod habe ihn total aus der Bahn geworfen. Am Tatabend habe er nur noch raus gewollt aus der Wohnung. Er habe das von seinem vier Jahre zuvor verstorbenen Vater geerbte Samuraischwert genommen, um draußen mit Holz ein Feuer zu machen. Doch dann habe er gemerkt, dass er viel zu betrunken war und wieder den Heimweg angetreten. Als er an dem Glascontainer eine Gestalt gesehen habe, die die ihn mit der Taschenlampe angeleuchtet habe, sei er in Panik geraten. Er habe sich bedroht gefühlt und zugeschlagen.

Dann habe er sich auf das Rad des Opfers gesetzt, sei jedoch nach 100 Metern gestürzt und zu Fuß zu seiner Wohnung in der Laarstraße gelaufen. Dort sei er zu sich gekommen, habe das Blut gesehen, sich gewaschen, das Schwert versteckt und weitergemacht wie zuvor, bis er am 15. April verhaftet wurde.

Was der 26-Jährige anschließend selbst über sein Leben schildert, ist verstörend: Er wuchs bei Eltern auf, die Alkohol und Drogen konsumierten. Auch er begann früh mit Cannabis und auch mit Schnaps, bis er von seinem Vater vor die Wahl gestellt worden sei, „entweder kiffen oder trinken“. Doch er habe schließlich beides weiter konsumiert – und dazu auch noch Amphetamine. Sein Vater, der im Gefängnis saß, als er ein kleiner Junge war, sei 2014 gestorben: „Er hat Kokain gekocht und geraucht, da ist seine Lunge geplatzt.“ Seine Mutter habe mit einer Spenderniere gelebt und weiter Alkohol getrunken. Er habe sie jahrelang alleine versorgt und bis zum Tod gepflegt. Zuletzt mit der Hilfe von Freunden, die auch in der Wohnung lebten. Alle nahmen Drogen, zu essen gab es nicht viel. Seitdem er im Knast sei, gehe es ihm viel besser, sagt er.

Sein Opfer war an Händen und Armen schwer verletzt und konnte gerade noch einen Notruf mit dem Handy absetzen. Als die Polizei kam, hatte der 64-Jährige sehr viel Blut verloren. Wie ein Polizist als Zeuge schildert, hätten er und die Kollegen dem Mann erst einmal die Arme abgebunden, um die Blutungen zu stoppen. „Er hatte sehr tiefe Verletzungen, an einem Arm guckte ein Knochen raus.“

Wie sehr der Ex-Polizist unter der Tat leidet, schildert seine Anwältin Dagmar Schorn in einer Prozesspause: Der 64-Jährige werde nicht damit fertig, dass er aus dem Nichts attackiert worden sei. Abgesehen von dem seelischen Trauma könne er seine Hände nicht mehr richtig benutzen. „Er ist völlig auf die Hilfe seiner Frau angewiesen. Sie muss ihm die Schuhe zubinden und die Brötchen schmieren.“ Der 64-Jährige soll nächste Woche als Zeuge gehört werden.

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