24-Stunden-Rennen: Slotcars jagen in Heimerzheim über die Rennbahn

24-Stunden-Rennen : Slotcars jagen in Heimerzheim über die Rennbahn

Ein leises Zischen, ein monotones Sirren erfüllt den großen Raum. Sechs Männer stehen auf einem Podest und schauen konzentriert auf eine asphaltgraue Modell-Rennbahn. In den Händen haben sie Steuergeräte mit Pistolengriffen.

Manchmal zieht einer die Schulter hoch, lehnt sich mit in die Kurve. Kleine "Slotcars" sausen über die Geraden, flitzen mit blitzenden Scheinwerfern über die Piste. Dann und wann trägt es einen aus der Kurve. Streckenposten setzen das Fahrzeug sofort wieder auf die Bahn. "Circuit de Spa Francorchamps" steht auf der Leitplanke.

Zum zweiten Mal hat die "Interessengemeinschaft Slotracingfreund Swisttal" zum 24-Stunden-Rennen auf ihrem 55 Meter langen Nachbau der belgischen Ardennen-Rennstrecke Spa geladen. Neun Teams mit insgesamt 46 Fahrern aus Deutschland und Nachbarländern kamen am Wochenende mit ihren offenen Le Mans Prototypen (LMP) im Maßstab 1 zu 24.

Ein Team besteht aus mindestens drei Mitgliedern. Einer fährt, einer steht als Posten an der Strecke und einer ist für den Service zuständig. "Er beobachtet, wie das Wägelchen driftet und beschleunigt und gibt Korrekturanweisung", erläutert Renn-Organisator Jürgen Landsberg. Im Obergeschoss seines Reisemobil-Unternehmens haben die Slotcar-Freunde zwei Kurse aufgebaut.

Einmal den Spa-Nachbau aus Holz und einen kleineren auf Kunststoffbasis. Slotcars ähneln "Carrera-Autos". Sie werden von kleinen Elektromotoren angetrieben. Die Energie kommt aus einem Leitkiel, der sie in einem Slot (Schlitz) auf der Spur hält. Jannick Horn aus Trier hat gerade 100 Minuten am Handregler verbracht.

Ein wenig tut ihm der Arm weh, sagt er, "aber das geht nach kurzer Zeit wieder weg". Vor der Kurve abbremsen, langsam durch die Kurve beschleunigen und dann wieder Vollgas, beschreibt der 17-Jährige den Rhythmus. Am gefährlichsten ist die Spitzkurve, "da haben die meisten auf den Außenspuren große Probleme", weiß Horn.

Die 24 Stunden verbringt er überwiegend an der Rennbahn. Es bleibt aber auch Zeit für einen Kurzschlaf im Hotel. Andere haben Feldbetten dabei oder Isomatten. Als Vierjähriger hatte Horn seine erste Carrera-Bahn bekommen. Vor fünf Jahren hörte er von den "professionellen" Rennstrecken. Seitdem steht das Spielzeug im Keller, denn die Fahrbahnen hier sind viel besser.

Das ist für ihn richtiger Rennsport. Ein teures Hobby? "Geht noch", antwortet Horn, ohne Summen zu nennen. Das Rennen in Heimerzheim sei günstig, weil die Autos standardisiert seien. Slotcar-Fans wissen, dass ein Rennwagen bis zu 500 Euro kosten kann. Die Motoren sind mit etwa sieben Ampere bei 12 Volt relativ stark.

In Teamsitzungen spricht Horn mit den anderen drei über Anpassungen an Federung, Karosseriespiel, Leitkiel oder Höhe. Jedes Team hat seine Werkstatt in Koffern dabei, die an den Wänden auf langen Tischen aufgebaut sind. Lötbestecke liegen da, Schraubenzieher, Kabel, eine Spraydose mit der Aufschrift "Bremsen & Teilereiniger".

Laut Reglement ist der Motor der selbst gebauten Modelle gleich. Räder, Gewicht und Bodeneinheit sind ebenfalls standardisiert. Fahrwerk und Federung können indes individuell eingestellt werden. Bis zu 36 Stundenkilometer erreichen die Mini-Boliden. Der Rundenrekord liegt bei 7,6 Sekunden.

99 Prozent der Aktiven sind Männer. Melanie Bauer aus Ratingen ist heute die einzige Frau an der Piste. Ihr gefällt besonders "das Beisammensein, die Arbeit an den Modellen, das Filigrane". Durch einen Freund ist sie in dieses Hobby hineingerutscht. Einmal fuhr sie auch selbst. "Da haben wir gewonnen", erinnert sie sich stolz.

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