Reptilien in der Region: Zwei Schlangenarten leben im Rhein-Sieg-Kreis

Reptilien in der Region : Zwei Schlangenarten leben im Rhein-Sieg-Kreis

Im Rhein-Sieg-Kreis sind zwei Schlangenarten heimisch: Die Ringelnatter und die Schlingnatter. Die Biologische Station beobachtet den Bestand – etwa im Eitorfer Krabachtal.

Kniehoch steht das Gras, es ist feucht vom Tau und dem sumpfigen Boden. An manchen Stellen drückt eine schwarze, rechteckige Matte die Halme nach unten. Sie wird von der frühen Morgensonne angestrahlt. Darunter fühlen sich Schlangen und andere Reptilien besonders wohl. Klaus Weddeling, Biologe und Herpetologe der Biologischen Station im Rhein-Sieg-Kreis, kontrolliert diese Matten regelmäßig. Sie liegen in den Wiesen, die die Biologische Station im Krabachtal in Eitorf pflegt. Mit dem Lebensraum, den die Matten bieten, kann die Biologische Station den Bestand und die Artenvielfalt in den Wiesen beobachten.

Im Rhein-Sieg-Kreis gibt es nur zwei Schlangenarten: die Ringelnatter und die Schlingnatter. Die Schlingnatter findet sich jedoch nicht in den Wiesen im Krabachtal. Diese Schlangenart lebe in warmen, trockenen Hängen, beispielsweise im Siebengebirge, erklärt Weddeling. Die Schlingnatter wird höchstens 60 Zentimeter lang und ernährt sich von Eidechsen, die ebenfalls in den Hängen leben. „Im Eitorfer Krabachtal leben Ringelnattern. Sie fühlen sich nämlich in feuchten Gebieten wohl und ernähren sich von Fröschen“, sagt Weddeling. Schlangen sind exotherm. Das heißt, sie können ihre Körpertemperatur nicht durch Stoffwechsel auf einem konstanten Niveau halten, sondern sind auf Wärme von außen angewiesen. Diese Wärme bekommen sie etwa auf und unter den schwarzen Matten der Biologischen Station: „Die Sonne heizt die Matten auf und daran wärmt sich die Schlange.“ Die Körpertemperatur, die in der kühlen Nacht abgefallen ist, steigt wieder und die Schlange wird agil genug, um jagen zu können.

Eine ausgewachsene Ringelnatter kann bis zu 1,20 Meter lang werden. Ganz so einfach ist es jedoch nicht, eine Ringelnatter zu Gesicht zu bekommen. Im hohen Gras ist es unmöglich, sie zu entdecken und unter den Matten ist auch nicht immer eine zu finden. Oft kommen hier Blindschleichen zum Vorschein. Auch wenn sie durch ihr Äußeres den Anschein erwecken, sind Blindschleichen keine Schlangen, sondern eine Echsenart. „Wie Eidechsen ohne Beine“, erklärt der Biologe.

Kein Grund zur Angst

Insgesamt zehn schwarze Matten sind auf den Wiesen im Krabachtal ausgelegt. Eine nach der anderen geht der Biologe ab. Unter einer findet sich eine Spur einer Ringelnatter, eine Haut. „Die Haut der Schlangen wächst nicht mit und so muss sie sich von Zeit zu Zeit häuten“, erklärt der 48-Jährige und schaut sich die gefundene Schlangenhaut ganz genau mit seiner Lupe an. An der Form der Schuppen erkennt er, dass es die Haut einer Ringelnatter sein muss. Unter der nächsten Matte wird Weddeling endlich fündig: Eine junge Ringelnatter wärmt sich dort auf. Der Herpetologe nimmt sie in die Hand. Die Oberseite des Tieres ist schwarz, die Unterseite ist hell. Weddeling dreht die Schlange ein wenig und zeigt auf kleine schwarze Striche an der Seite. Er erklärt: „Bei der Ringelnatter wird seit 2016 zwischen zwei Arten unterschieden, der normalen Ringelnatter und der Barrenringelnatter.“ In seiner Hand hält er eine Barrenringelnatter, erkennbar an den schwarzen Streifen. Das Tier ist in seiner Hand erstarrt, es stellt sich tot. „Auch wenn Katzen sich eine Ringelnatter schnappen und ins Haus bringen, denken die Menschen oft, die Schlange ist tot. Doch meistens sind sie quicklebendig“, erklärt Weddeling weiter. Es gäbe aber keinen Grund, vor den Schlangen Angst zu haben, die Ringelnatter und die Schlingnatter seien nicht giftig oder gefährlich für den Menschen.

Die Ringelnatter ist laut Weddeling nicht bedroht. In der Region gebe es genügend feuchte Gebiete. Wichtig sei, dass sie nicht zuwachsen und sonnig genug seien. Die Biologische Station lässt die Wiesen deshalb von Schafen beweiden. Der Herpetologe macht sich eher Sorgen um die Schlingnattern, die oft in Weinanbaugebieten leben. Klaus Weddeling: „Noch genutzte Gebiete werden zu stark landwirtschaftlich bearbeitet und Hänge, die nicht mehr bewirtschaftet werden, wachsen zu, und die Sonne kommt nicht mehr durch.“

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