Wetter im Rhein-Sieg-Kreis: Zahl der Sommertage in der Region nimmt zu

Wetter im Rhein-Sieg-Kreis : Zahl der Sommertage in der Region nimmt zu

Die extreme Hitze der vergangenen Wochen macht den Sommer auch im Rhein-Sieg-Kreis zu einem besonderen. Das bestätigen auch mehrere Wetterstationen, die Daten aus dem Kreis aufzeichnen.

Rekorddürre, Extremhitze, Jahrhundertsommer – der Sommer 2018 hat viele Namen bekommen, auch im Rhein-Sieg-Kreis. Zurecht? Noch ist der meteorologische Sommer nicht zu Ende, erinnert Meteorologe Guido Halbig vom Deutschen Wetterdienst in Essen an den Herbstbeginn am 1. September: „Die Aussage 'Jahrhundertsommer' ist schwierig, denn es kommt auf die Bezugsperiode an. Wenn man den reinen Sommer nimmt, könnte das Jahr 2003 mit dem extrem heißen August einen noch heißeren Sommer gehabt haben – also müssen wir erst den August 2018 abwarten, um eine genaue Aussage zu treffen. Aber 2018 ist sicher ganz vorne mit dabei und sicher trockener als der Sommer 2003.“

So hatte die DWD-Wetterstation Köln-Bonn im Zeitraum vom 1. Juli bis 10. August gerade einmal vier Tage gezählt, an denen das Thermometer die 25-Grad-Marke, die für einen echten Sommertag notwendig ist, nicht übersteigen konnte – davon an zwei Tagen nur ganz knapp. Am Ölberg in Königswinter, wo der Bonner Wetterdienstleister Donnerwetter.de eine Wetterstation am Funkmasten betreibt, wurden im gleichen Zeitraum acht Nicht-Sommertage gezählt. An der Station in Troisdorf-Spich gab es vier Nicht-Sommertage, ebenso in Aegidienberg im südöstlichen Bad Honnef. Links und rechts des Rheins und auch innerhalb kurzer Entfernungen sei es an heißen Tagen nicht automatisch auch gleich heiß, erklärt DWD-Meteorologe Halbig: „An einem flachen Feld ist es anders als in einem bewaldeten Tal oder in einer Stadt mit starker Bebauung – nachts kühlt das Umland schneller aus als die Großstadt, die dann natürlich auch viel wärmer in den nächsten Tag startet.“

Lokale Windströmungen spielen eine Rolle

Auch spielen lokale Windströmungen eine Rolle, die etwa kühle Luft aus den Seitentälern in große Täler fließen lassen, und auch Effekte des gern genannten „Eifelföhns“, bei dem im Lee der Eifel trockenere und wärmere Luft als in der Umgebung zu spüren ist, können eine Rolle spielen, so Halbig. Feine Unterschiede, die bei Wetterstationen von Donnerwetter.de aufgezeichnet wurden, bestätigt Mitarbeiter Michael Mertens auf Nachfrage: So kletterte das Thermometer am 16. Juli, dem ersten NRW-Ferientag des Sommers, in Troisdorf-Spich auf 32,4 Grad Celsius, auf dem Ölberg in Königswinter auf 28,5 Grad und in Aegidienberg hinter dem Siebengebirge auf 30,6 Grad. Das Thermometer am Flugplatz Hangelar blieb knapp unter 30 Grad stehen, ergänzt Flugplatzbetriebsleiter Jürgen Unterberg aus den Wetterdaten am Platz.

Doch allein die Temperatur machte das Hitzeempfinden nicht aus, berichtet Mertens aus seiner Arbeit bei Donnerwetter.de. Für den Wachtberger war der Sommer eine Entschädigung für den Winter: „Wir hatten im Dezember insgesamt kaum über zehn Sonnenstunden, der ganze Winter war grau, das schlug vielen Leuten aufs Gemüt.“ Sonne gab es nun „satt“, sagt der gelernte Kaufmann, der vom Wetter und seiner Wissenschaft fasziniert ist, aber auch die Nachteile kennengelernt hat: „Wir haben viele Reaktionen auf das Sommerwetter erhalten, insbesondere in sozialen Netzwerken. Nicht nur Landwirte, sondern auch Hobbygärtner waren in großer Sorge und haben uns anfragt, wann es wieder regnen würde.“

Experten erkennen Trend

Tatsächlich sei die Trockenheit im Juli überdurchschnittlich gewesen, resümiert der Deutsche Wetterdienst angesichts der ausgebliebenen Niederschläge. Die wenigen Regenschauer haben das Wasser nicht gleichmäßig über der Region verteilt, so Halbig beim Blick in die aufgezeichneten Daten: Vom 1. Juli bis zum 10. August fielen im linksrheinischen Alfter-Volmershoven 36,6 Liter pro Quadratmeter, in Asbach südlich des Siebengebirges waren es 52,4 Liter, in Bad Honnef 56,8 Liter. Die Donnerwetter.de-Station in Troisdorf-Spich erfasste gerade einmal 28,7 Liter je Quadratmeter. In Rheinbach zählte eine private Wetterstation mit Internetzugang knapp 26 Liter im gleichen Zeitraum. Von einem Extremwetterjahr auf Klimaveränderungen zu schließen, das sei nur mit Hilfe der langjährigen Wetteraufzeichnungen und Klimastatistiken möglich, lasse aber einen eindeutigen Trend erkennen, so Halbig, der unter anderem in der Forschung für eine klimawandelgerechte Stadtentwicklung tätig ist: „Die statistische Auswertung der Sommertage der Jahre 1958 bis 2018 zeigt, dass wir aktuell eine Steigerung der Sommertage um den Faktor 0,29 haben, also umgerechnet 29 zusätzliche Sommertage über einen Zeitraum von 100 Jahren.“

Weil die Mechanismen hinter Wetter und Klima viel komplexer seien, könne man diese Prognose allerdings nicht linear betrachten, so Halbig, „da gibt es zu viele Einflussfaktoren. Aber die Klimaprojektionsrechnungen zeigen, dass der Anstieg bei der Zahl der Sommertage sich erst einmal weiter fortsetzen wird.“ Gleiches gelte für die Jahresdurchschnittstemperatur an Rhein und Sieg, die im Moment steige – aktuellen Daten zufolge um 2,49 Grad bezogen auf 100 Jahre. „Man sieht es weltweit, bundesweit und auch im Rhein-Sieg-Kreis: die Jahresdurchschnittstemperatur steigt. Und solche Rekordsommer wie 2003 oder 2018 könnten bei den anhaltenden Entwicklungen auch in dieser Region zum Ende des Jahrhunderts eher der Normalfall als die Ausnahme werden.“

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