Stadtentwicklung in Siegburg: Wohnen und Arbeiten im Siegburger Haufeld

Stadtentwicklung in Siegburg : Wohnen und Arbeiten im Siegburger Haufeld

Politik legt sich auf den Entwurf eines niederländischen Planers für das Viertel am ICE-Bahnhof fest. Dort soll ein Quartier entstehen, das Wohnen und Arbeiten miteinander verbindet.

Die Planer des niederländischen Büros „De Zwarte Hond“ haben mit ihren Visionen zur Zukunft des Haufelds das Rennen gemacht: Ihre Idee vom kombinierten Wohnen und Arbeiten im Siegburger Areal zwischen ICE-Bahnhof und Innenstadt überzeugte letztlich alle Fraktionen. Einstimmig beauftragte der Planungsausschuss die Verwaltung am Dienstag damit, ihr Konzept im Masterplan Haufeld weiterzuverfolgen, dabei aber, wenn möglich, auch Aspekte der anderen beiden Planungsbüros aufzugreifen.

Wie berichtet, sieht die Stadt im derzeit eher unscheinbaren Gebiet zwischen Europaplatz, Wilhelmstraße, Von-Stephan-Straße und Bahnlinie eine große Chance für die Stadtentwicklung. Das Haufeld ist geprägt von Wohnhäusern, Gewerbe, Gastronomie, viel Parkfläche und der früheren Hauptschule Innere Stadt. Der Weg hin zu einem neuen Gesicht für das 8,5 Hektar große Areal soll über einen Masterplan gehen. Der bündelt zunächst Ideen, die Basis für eine spätere Planung bilden könnten. Drei Planungsbüros haben im Auftrag der Stadt ihre Vorstellungen zu Papier gebracht und dabei auch Bürgervorschläge aus einer Ideenschmiede berücksichtigt. Ihre Konzepte präsentierten die Planer im April im Planungsausschuss und in einer Bürgerversammlung.

Am meisten hat die Siegburger Politik das Konzept von „De Zwarte Hond“ überzeugt. „Uns gefällt die Verbindung von Wohnen und Arbeiten“, sagte CDU-Fraktionschef Jürgen Becker. Ursprünglich war seine Fraktion zusammen mit dem Koalitionspartner FDP dafür eingetreten, eine Ansiedlung von Gewerbe zu präferieren. Und hatte diese im März 2017 auch gegen die Stimmen von SPD, Grünen und Linken durchgesetzt. Aber eben die Konzentration auf ein urbanes Mischgebiet hob jetzt auch Dieter Haas (FDP) im Entwurf der Niederländer besonders hervor: „Wir sollten versuchen, hier ein urbanes Gebiet zu realisieren“, sagte er mit Blick auf die im Mai eingeführte neue Gebietskategorie, die eine höhere bauliche Dichte und Nutzungsmischung in städtischen Lagen ermöglicht. Zudem lobte Haas die fußläufigen Verbindungen zu Bahnhof und Innenstadt.

30 Prozent der Fläche sozialen Wohnungsbau vorbehalten

Die Bemühungen, die Sichtachsen auf den Michaelsberg herauszustellen, gefielen Becker am Konzept des Büros „HJP Planer“. Diese seien aktuell kaum mehr vorhanden. „In den Planungen haben sie das dann aber leider nicht berücksichtigt“, so Becker. Die Sicht auf den Michaelsberg solle daher auch in den favorisierten Vorschlag von „De Zwarte Hond“ einfließen. Am Vorschlag des dritten Planungsbüros „O&O-Baukunst“ kritisierte der CDU-Fraktionschef das Verkehrskonzept. „Das ist bei 'De Zwarte Hond' besser gelöst.“

Als innovativstes Konzept bezeichnete der SPD-Vorsitzende Stefan Rosemann den Vorschlag der Niederländer. „Hier finden wir uns sehr wieder. Eine Mischung aus Wohnen und Arbeiten, Kultur und Grün war von Anfang an unsere Idee“, sagt er. Die CDU habe sich 2017 vehement dagegen gewehrt, Wohnbebauung direkt mit aufzunehmen. Dennoch hätten jedes der drei Büros einen hohen Anteil an Flächen für den Wohnungsbau vorgeschlagen, fühlen sich die Sozialdemokraten bestätigt. 30 Prozent dieser Fläche sollten für den geförderten sozialen Wohnungsbau vorbehalten werden. Gute Ansätze sah die SPD auch in den anderen Konzepten. So plädierte sie etwa dafür, die Idee zur Gestaltung entlang der Bahntrasse von „HJP Planer“ oder die Definition eines Zentrums von „O&O-Baukunst“ zu berücksichtigen.

„Wir sind froh, dass umgesetzt wurde, was wir von Anfang an wollten, eine Mischung aus Wohnen, Arbeiten und Grün“, sagte Charly Halft (Grüne). Seine Fraktion bevorzuge ebenfalls den Entwurf von „De Zwarte Hond“, da er eine hohe Flexibilität aufweise. Nicht festlegen wollten sich die anderen Fraktionen, stimmten aber am Ende mit. „Jetzt geht es richtig los“, freute sich die Technische Beigeordnete Barbara Guckelsberger. Das Konzept sei das eine, seine Umsetzung in den Masterplan das andere. Anwalt Stefan Typser erläuterte die rechtlichen Hintergründe für die nächsten Schritte.

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