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Erster Wirtschaftsdialog: Wie Siegburg lebendig bleibt

Erster Wirtschaftsdialog : Wie Siegburg lebendig bleibt

Erstmals treffen sich im September Geschäftsleute, Politik und Verwaltung zum Wirtschaftsdialog in Siegburg. Er steht ganz im Zeichen von Onlinehandel und Huma-Konkurrenz.

Wer dieser Tage durch die Siegburger City geht, der erlebt eine quirlige Stadt. Belebte Straßen, Cafés ohne freie Plätze, Straßenmusik, abends volle Open-Air-Veranstaltungen. So gesehen ist es ein ungünstiger Zeitpunkt, eine Diskussion über die Zukunft der Siegburger Innenstadt anzustoßen. Wirtschaftsförderin Silke Göldner tut es dennoch. Wie Siegburg als Einkaufsstadt dauerhaft attraktiv bleibt, wie sie sich gegenüber der Huma-Konkurrenz aus Sankt Augustin und dem wachsenden Onlinehandel behauptet – das ist Thema des ersten Siegburger Wirtschaftsdialogs am Dienstag, 30. August, im Stadtmuseum.

„Mir geht es um einen Austausch zwischen Geschäftsleuten, Politik und Verwaltung“, sagt Göldner. Zur Sprache gebracht werden Themen, die schon seit Längerem im Raum stehen: vom offenen WLAN bis hin zur Rückvergütung von Parkgebühren an die Kunden, von der Idee einer Immobilienstandortgesellschaft bis hin zur verstärkten Zusammenarbeit unter den Geschäftsleuten. Und natürlich: der Onlinehandel.

„Geboren“ wurden die Themen im „Arbeitskreis Einkaufsstadt“, einem Gremium des Wirtschaftsausschusses, in dem Vertreter der Ratsfraktionen, des Verkehrsvereins und Geschäftsleute sitzen. „Es ist jetzt an der Zeit, die Ideen in die Diskussion zu geben“, so Jürgen Peter auf Anfrage. Der FDP-Politiker leitet den Arbeitskreis und den Ausschuss. „Ansonsten würden wir uns damit nur im akademischen Raum bewegen und am Ende Lösungen für Probleme anbieten, die es gar nicht gibt.“

Kommunikation ist ein Knackpunkt

Wo der Schuh drückt – das sollen die Geschäftsleute selbst artikulieren. Mehr noch: Sie sollen sich aktiv einbringen, vernetzen. „Natürlich hat jeder mit seinem eigenen Geschäft genug zu tun“, räumt Silke Göldner ein. Sie will aber dafür werben, nach rechts und links zu schauen: Wo gibt es Synergien, wo kann man voneinander lernen? Deshalb hält Göldner nichts von pauschalen Lösungen, die Geschäftsleuten verordnet werden. Beispiel Onlinepräsenz, Onlinehandel, soziale Netzwerke: „Man muss genau hinschauen, welche Lösung zu welchem Geschäft passt“, sagt Göldner. Die nötige Kompetenz soll der Wirtschaftsdialog bieten, bei dem verschiedene Ansprechpartner vertreten sind. So auch zum Pilotprojekt „Digital kundennah“. Nach Impulsvorträgen teilen sich die Besucher je nach Interessengebiet in Arbeitsgruppen auf, in denen sie diskutieren werden und Kontakte knüpfen.

Dass es schon an der Kommunikation hapert, zeigte eine 2015 veröffentlichte Händlerumfrage, die von einem Studenten der Uni Bonn in Abstimmung mit der Wirtschaftsförderung durchgeführt worden ist. Demnach beschränkt sich die Kommunikation unter den Händlern meistens auf Small Talk, echte Netzwerke und Interessengemeinschaften sind laut Umfrage dagegen die Ausnahme.

Göldner, Peter und auch der Verkehrsverein werden indes nicht müde, auf die Konkurrenz durch den Huma-Neubau in Sankt Augustin hinzuweisen – eine wesentliche Triebfeder für die Diskussion. Der zweite Bauabschnitt mit einer Textilverkaufsfläche von 17 000 Quadratmetern ist 2017 fertig. „Gegenüber Siegburg hat so eine Einkaufsmall viele Vorteile – von einheitlichen Öffnungszeiten über die zentrale Organisation bis hin zum gemeinsamen Marketing“, warnt Peter. Der Siegburger Verkehrsverein hat bereits 2015 vor dem „Aufrüsten“ der Städte Sankt Augustin und Troisdorf beim Einzelhandel gewarnt und einen Zehn-Punkte-Plan für Siegburg vorgelegt – ein Forderungskatalog, der vom Branchenmix bis hin zu Kernöffnungszeiten reichte. Und auch unorthodoxe Ideen enthielt, etwa die gläserne Überdachung von Kaiserstraße und Holzgasse.

Siegburger Wirtschaftsdialog: Dienstag, 30. August, Stadtmuseum, ab 19 Uhr, Anmeldung bis Donnerstag bei Silke Göldner, silke.goeldner@siegburg.de.