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Situation an Sieg und Rhein: Wie Hotels und Restaurants mit der Corona-Krise umgehen

Situation an Sieg und Rhein : Wie Hotels und Restaurants mit der Corona-Krise umgehen

Der Lockdown hat Restaurants und Hotels an Sieg und Rhein hart getroffen. Von einem Tag auf den anderen war Schluss: Keine Einnahmen mehr. Mit kreativen Ideen, der Solidarität der Gäste und dem Entgegenkommen der Vermieter hoffen sie, die Corona-Krise durchzustehen.

Der 16. März ist für Igor Blazevic ein besonderes Datum: 2016 hat er an diesem Tag sein Restaurant „Be Real“ in Siegburg eröffnet. Genau vier Jahre später musste er es wegen der Corona-Pandemie schließen – zumindest vorübergehend. Wie all seine Kollegen der Gastronomiebranche. Wann Restaurants und Hotels wieder öffnen, ist unklar. Die Wirte und Hoteliers in der Region gehen ganz unterschiedlich mit der Krise um.

„Ich hatte schon lange das Gefühl, dass es so kommt“, sagt Blazevic. Daher habe er sich früh darauf vorbereitet, seine Burger auszuliefern, und dafür Mietautos reserviert. „Es war die richtige Entscheidung“, sagt er sechs Wochen später.

Das Geld für Miete und Mitarbeiter ist da

Der März sei gut gelaufen, trotz höherer Ausgaben. „Ich kann meine Miete und meine Mitarbeiter bezahlen.“ Komplett weggebrochen seien hingegen die Einnahmen über seinen Foodtruck. „Veranstaltungen, Firmenfeste oder Hochzeiten, für die wir gebucht waren, wurden abgesagt“, so Blazevic.

Pläne für eine mögliche Wiedereröffnung mache er nicht. Aber der Gastronom blickt positiv in die Zukunft: „Ich bin zuversichtlich, dass wir da durchkommen.“

Kosten sparen und die Krise aussitzen

Diese Hoffnung hat auch Maximilian Arnolds, der seit einem Jahr den „Traubenwirt“ im Sankt Augustiner Stadtteil Hangelar betreibt. Er bietet keinen Lieferservice. „Wir haben uns lange den Kopf darüber zerbrochen“, sagt er. Und letztlich entschieden, dass es nicht rentabel sei.

„Wir haben ganz geschlossen, sparen Kosten, wo es geht, und sitzen die Sache aus.“Seine Mitarbeiter bekämen Kurzarbeitergeld, die Pachtzahlung konnte er für zwei Monate um die Hälfte reduzieren.

Doch auch Konfirmationen, Kommunionen oder Taufen fallen weg.Arnolds rechnet mit Umsatzeinbußen von bis zu 120 000 Euro „Ich hoffe, dass es nach Pfingsten langsam wieder weitergehen kann.“ Lichtblick: die Solidarität seiner Gäste. Die Gutscheine, die er für spätere Zeiten anbietet, werden sehr gut angenommen.

Kurz nach Eröffnung schon wieder geschlossen

Anfang Februar haben Daniel Lengsfeld und Stephanie Schulze das Gasthaus „Scheiderhöhe“ in Lohmar übernommen. „Man plant ja anfangs eher vorsichtig, aber man geht nicht davon aus, dass man nach sechs Wochen gar keinen Umsatz mehr hat“, sagt Lengsfeld.

„Uns war schnell klar, dass wir etwas anbieten wollen“, so der Spitzenkoch. Damit etwas Geld reinkomme und damit das Gasthaus im Gespräch bleibe.

„Angesichts der Hamsterkäufe hatte ich die Idee, eine Soße für all die gekauften Nudeln anzubieten“, sagt er. Inzwischen hat er jede Woche neue Gerichte im Angebot. „Wir kochen vor und geben sie portioniert in Vakuumbeuteln aus“, erklärt Lengsfeld.

Das werde sehr gut angenommen. „Unser Vermieter erlässt uns unsere Pacht komplett“, sagt er. Die Mitarbeiter seien in Kurzarbeit. „Ich träume schon von dem Tag, an dem wir wieder öffnen können.“

Das Boarding-Haus, das die Brüder Bernd und Rüdiger Kranz neben ihrem Parkhotel in Siegburg bauen, wächst zusehends in die Höhe. „Wir setzen geplante Projekte um“, sagt Bernd Kranz. Das gelte für die Eröffnung des Anbaus Anfang 2021 wie auch für den Erdgeschossumbau im Hotel.

Alle anderen Investitionen ruhen indes vorerst. „Wir haben momentan wenige Geschäftsreisende“, beschreibt Kranz den Hotelalltag. Zwei bis acht der insgesamt 120 Zimmer seien pro Tag belegt. Dafür seien acht der Mitarbeiter, die in Kurzarbeit sind, im Einsatz.

Frühstück gibt es unter Einhaltung der Abstandsregeln, die Rezeption ist mit Plexiglas geschützt, Aufzüge sind nur allein zu nutzen und es gilt Maskenpflicht. Bereits Ende Februar habe es einen Rückgang der Buchungen und erste Absagen gegeben.

Seit dem 16. März sei das Geschäft fast auf null runtergefahren. „Wir reduzieren die Kosten, wo es geht, müssen aber auch an unsere Reserven gehen.“ Die Perspektive sei in der gesamten Branche schlecht. „Wir wissen nicht, wann es wie wieder losgeht“, sagt Bernd Kranz. Daher könne man nicht planen. „Wir hängen alle in der Luft.“

Große Hoffnung setzt der Hotelier auf eine Senkung der Mehrwertsteuer auf sieben Prozent. „Ohne zeitliche Begrenzung wäre das etwas, das nachhaltig wirkt.“ Eugen Podgorski ist überwältigt von dem Engagement seiner Stammgäste. Die haben unter dem Motto „Deckel für Eugen“ eine Hilfsaktion für den Wirt der Hennefer Traditionskneipe „Klein’s Eck“ aus dem Boden gestampft.

Das Prinzip ist einfach: Über Gutscheine bringen sie Geld in die Kasse der geschlossenen Kneipe. „Das ist eine gute Unterstützung für mich“, freut sich Podgorski, der seit elf Jahren das Gesicht des „Klein’s Eck“ ist. Der Vermieter habe ihm zudem eine Monatsmiete erlassen. Momentan nutze er die Zeit für Renovierungen, fürs Fensterputzen und Gardinenwaschen, damit alles strahlt, wenn er seine Kneipentüren endlich wieder öffnen kann – eines Tages.