Retrospektive zu Hans-Günther van Look: „Wie ein Blick in den Himmel“

Retrospektive zu Hans-Günther van Look : „Wie ein Blick in den Himmel“

Maya van Look gibt ein Konzert und spricht im GA-Interview über die Kunst ihres Vaters Hans-Günther, dessen Werke im Siegburger Stadtmuseum gezeigt werden. Energiegeladen, kraftvoll und in abstrakten Blautönen ist van Looks unverkennbarer Pinselstrich.

Auf dem Bühnenvorhang der Rhein-Sieg-Halle „blüht“ seine „Blaue Kreisblume“. Im ICE-Bahnhof empfängt sein „Großer Lichthorizont“ den Besucher der Kreisstadt. Und Konzertbesucher erleben im Blick auf die Bühne des Konzertsaals im Stadtmuseum einen weiteren Beitrag von Hans-Günther van Look (1939-2007) zur Kunst im öffentlichen Raum.

Energiegeladen, kraftvoll und in abstrakten Blautönen ist van Looks unverkennbarer Pinselstrich. Was der informelle Künstler auf Leinwand brachte, erscheint seiner Tochter Maya van Look heute „wie ein Blick in den Himmel“. Als sie sich entschied, Sängerin zu werden, begann sie die Kunst ihres Vaters immer mehr zu verstehen.

Aus Anlass seines zehnten Jahrgedächtnisses zeigt das Siegburger Stadtmuseum ab Sonntag, 19. November, eine Retrospektive van Looks. Die Vernissage beginnt um 11 Uhr. Seine Tochter gibt im Anschluss daran ein Konzert mit Liedern und Arien, die ihrem Vater am Herzen lagen. Was das für die Sängerin bedeutet und wie sie zu seiner Kunst fand, verriet Maya van Look vor ihrem Siegburger Auftritt.

Am Sonntag wird es aus Anlass des 10. Todestages Ihres Vaters Hans-Günther van Look eine Retrospektive seiner Kunst im Stadtmuseum geben, und Sie werden singen. Woher kommt Ihr Siegburg-Bezug?

Maya van Look: In Freiburg haben wir gelebt, und dort bin ich groß geworden. Die Stadt Siegburg ist mir aber schon von klein auf vertraut und bekannt. Meine Großeltern mütterlicherseits haben ja hier gelebt. Mein Opa war der Firmengründer Dietrich Starck. Wir waren so oft in Siegburg, dass mein Vater sogar ein Atelier in der Firma hatte.

Ihr Vater war als Maler und Bildhauer sehr erfolgreich. Welches seiner Kunstwerke verbinden Sie am stärksten mit ihm?

van Look: Das ist einer seiner „Lichthorizonte“. Er gehört heute meiner Mutter und wird auch bei der Ausstellung zu sehen sein. Er steht für mich für die Suche nach dem Wahren, dem inneren Prinzip der Natur. Was ich als Kind schon ganz intuitiv mochte, habe ich erst später über die Sprache der Musik begonnen zu verstehen.

Es ist abstrakte, informelle Kunst, mit der van Look in Siegburg auch an einigen Stellen im öffentlichen Raum vertreten ist. Was verbinden Sie mit der Farbe Blau?

van Look: Das ist auch meine Farbe. Wir haben lange in Spanien gelebt und da habe ich die Farbe genau so im realen Leben gesehen. Es ist nichts anderes, als wenn man herausschaut in die Natur.

Van Looks Kunst steht in Siegburg für großflächige, abstrakte Dynamik, und man erkennt sofort seine blautönigen Pinselstriche. Er malte aber auch konkret und ist mit seinen figürlichen Kirchenfenstern im Freiburger Raum bekannt. Was assoziieren Sie am stärksten mit ihm?

van Look: Mein Vater hat im Freiburger Münster zwei großartige figürliche Kirchenfenster geschaffen. Eines stellt die Ordensfrau Edith Stein dar, die interessanterweise als Assistentin von Edmund Husserl im gleichen Haus in Freiburg gelebt hat, das wir später bewohnten. Heute lebt meine Mutter noch dort. Ich bin inzwischen nach Montreux gezogen, in die französische Schweiz. Man muss die Himmel gesehen haben. Das sind alles Lichthorizonte, wie sie mein Vater gemalt hat.

Ihre Mutter spielt Klavier, ihr Vater war Maler und Bildhauer. War es schwierig, mit solchen künstlerischen Eltern heranzuwachsen?

van Look: Na ja, also das waren schon Herausforderungen im Alltagsleben. Immerhin wusste ich früh, was es heißt, in der heutigen Zeit als Künstler zu leben. Aber Kunst und Musik sind in unserer Familie schon immer zu Hause gewesen. Bereits meine Großeltern hatten Kontakte mit dem Hause Wagner. Richard Strauß war mit meinen Urgroßeltern befreundet und spielte bei Hauskonzerten.

Haben Sie oder Ihre Schwester jemals mit dem Gedanken gespielt, ebenfalls Malerin oder Bildhauerin zu werden?

van Look: Meine Schwester hat in Kunstgeschichte promoviert, und ich habe ein abgeschlossenes Wirtschaftsstudium. Aktiv gemalt haben wir beide nie. Aber mein Vater bestärkte mich, Musik zu machen und hat beim Malen auch immer Musik gehört.

Was hat er denn gerne gehört?

van Look: Die Wesendonck-Lieder, die ich am Sonntag singe, mochte er gerne. Und auch italienische Arien. Sie werden am Sonntag von Claudio Rocchi, einem befreundeten Tenor, der Schüler von Luciano Pavarotti war, aufgeführt. Martine Grandjean begleitet uns am Flügel.

Siegburg zeigt zum 10. Jahresgedächtnis ihres Vaters eine Retrospektive seiner Kunst. Was machte seine besondere Beziehung zu Siegburg aus?

van Look: Neben den Schwiegereltern war es die Freundschaft mit dem Architekten Hartmut de Corné, mit dem er viele Kunst-am-Bau-Projekte umsetzte. Dabei war der Siegburger Raum für beide immer ganz wichtig und inspirierend. Ich sehe die beiden noch heute im Gespräch, immer wurde hitzig diskutiert, gestritten, ausgetauscht. Der Maler und der Architekt – eine kongeniale Freundschaft.

Sie singen dramatischen Sopran – Opernarien und Liederprogramme. Wo liegt musikalisch Ihre Heimat?

von Look: Im romantischen Lied-Bereich. Text und Musik bekommen in dieser Zeit den gleichen Rang. Das bedeutet mir selber auch sehr viel. Und es ist die Zeit Wagners und Humperdincks, die ich mit Siegburg verbinde.

Was bedeutet es Ihnen, bei der Vernissage zu singen?

van Look: Bei seiner Beerdigung in Spanien habe ich auch gesungen. Auch nach zehn Jahren ist es für mich ein sehr großer, emotionaler Moment. Es bedeutet mir viel.

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