Erste Bilanz im Rhein-Sieg-Kreis: Wie Anti-Gaffer-Wände bei schweren Unfällen helfen

Erste Bilanz im Rhein-Sieg-Kreis : Wie Anti-Gaffer-Wände bei schweren Unfällen helfen

Die Feuerwehren in Sankt Augustin und Lohmar arbeiten bei schweren Unfällen mit Sichtschutzwänden. Auf diese Weise sollen Gaffer abgewehrt werden. Auch die Stadt Hennef will das System anschaffen.

Sie stören oder gefährden Einsatzkräfte, fotografieren oder filmen das Leid anderer Menschen in Not und verursachen dabei nicht selten selbst schwere Unfälle: Gaffer bei Einsätzen von Feuerwehr, Polizei und Rettungsdienst sind kein neues Phänomen. Neu war in den vergangenen zwei Jahren aber die Rücksichtslosigkeit, mit denen die aufdringlichen Zuschauer am Werk waren.

Schutz vor neugierigen Blicken boten bislang meist Decken, die von Einsatzkräften zu einer Wand hochgehalten wurden. Weil das bei langen Rettungseinsätzen nicht nur anstrengend ist, sondern auch mitunter viele Einsatzkräfte allein zum Festhalten eines Sichtschutzes bindet, haben einige Feuerwehren an Rhein und Sieg technisch aufgerüstet.

Mit Unterstützung des ortsansässigen Unternehmers Joachim Langen konnte die Feuerwehr Lohmar bereits im Januar 2018 als eine der ersten Einheiten der Region eine aufblasbare Anti-Gaffer-Wand in Betrieb nehmen. Über ein Jahr später ziehen die Helfer eine erste positive Bilanz, wie Feuerwehrsprecherin Ella Neufeld auf Nachfrage mitteilt: „Für den Aufbau benötigt man nur zwei Einsatzkräfte.

Der Aufbau dauert etwa drei bis fünf Minuten. Die Wand wird mit Hilfe eines Gebläses aufgeblasen, dann steht sie von allein.“ Bei Wind sorgen Gewichtsbeutel dafür, dass die Wand nicht wegfliegt. Bislang kam das System aber erst zwei Mal bei schweren Unfällen auf der Autobahn 3 zum Einsatz, so Neufeld: „Große Erfahrungen haben wir also noch nicht sammeln können.“

Gleich mehrfache Ausfertigungen auffaltbarer Sichtschutzwände hat sich auch die Feuerwehr Sankt Augustin beschafft, die neben der Autobahn 3 auch die Autobahnen 59 und 560 zu ihrem Einsatzgebiet zählt. „Die Wände sind schon mehrfach zum Einsatz gekommen und wir sind damit sehr zufrieden“, sagt Feuerwehrsprecher Sascha Lienesch: „Das System lässt sich schnell aufbauen und schirmt effektiv ab. Sie haben ein kleines Transportgewicht und nehmen im Fahrzeug nicht viel Platz weg.“

Die Feuerwehr Troisdorf, die ebenfalls an der Autobahn 59 tätig ist, hat bislang keine Sichtschutzwände im Einsatz, teilt Sprecher Peter Kern auf Anfrage mit. Auch die Feuerwehr Hennef, die regelmäßig auf die Autobahn 560 eilen muss, hat noch keine Anti-Gaffer-Wände angeschafft. Das soll sich aber bald ändern, sagt Feuerwehrsprecher Thomas Vitiello: „Bei einer Sitzung der Einheitsführer vergangenen Donnerstag wurde beschlossen, solche Wände anzuschaffen. Der Verwaltung soll daher demnächst ein entsprechender Anschaffungsantrag vorgelegt werden.“