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Siegburger Boogie & Jazz-Night: Wenn Hände und Finger über Tasten fliegen

Siegburger Boogie & Jazz-Night : Wenn Hände und Finger über Tasten fliegen

Er solle sich etwas Unauffälliges anziehen, habe ihm seine Mutter geraten, und das sei ihm wohl gelungen, begrüßte Boogie-Pianist Stefan Ulbricht die Besucher in der fast ausverkauften Rhein-Sieg-Halle.

Dorthin hatte er zur mittlerweile sechsten Siegburger Boogie & Jazz-Night eingeladen und ein fast dreistündiges Programm der Sonderklasse zusammengestellt.

Im feuerwehrroten Anzug, an den Füßen silberne Schuhe und im Muster der britischen Flagge gestaltete Socken: So kündigte er seine Gäste aus der internationalen Boogie-Woogie-Szene an, die im Laufe des Abends einzeln und in wechselnder Besetzung zusammen für Highspeed an den Klaviertasten sorgten.

Die treibende Kraft an den Drums war wie in den Jahren zuvor Ulbrichts langjähriger Partner Moritz Schlömer, ein ebenso begnadeter Schlagzeuger wie Pianist. Unterstützung erhielten die Tastenvirtuosen außerdem von den beiden Gast-Saxofonisten Nicolai Fedder und Gordon Bruchmann sowie dem Siegburger Ole Krautkrämer am Bass und an der Gitarre.

Nach einem kurzen Warm-up durch Stefan Ulbricht übernahm Frank Muschalle das Klavier. Der Wahlberliner ist seit rund 25 Jahren international "auf Dauertournee", wie Ulbricht über seinen Kollegen berichtete, und zählt zu den gefragtesten Pianisten in Europa. Sowohl als Solist als auch in verschiedenen Formationen.

Für Ulbricht ist Muschalle einer der "filigransten und vielseitigsten" Boogie- und Blues-Pianisten überhaupt. Einmal schien er das Instrument überfallartig zu traktieren, dann flogen seine Finger wieder leicht und in einer unglaublichen Schnelligkeit über die Tasten.

Die Zuhörer waren begeistert und durften sich im Anschluss über einen jungen Mann freuen, der schon nach den ersten Tönen das Publikum erobert hatte. Der erst 25-jährige Chase Garrett aus Saint Louis ist der amerikanische Shootingstar des Blues und Boogie-Woogie schlechthin.

Er begann bereits mit 17 Jahren seine professionelle Karriere und stürmt seitdem unablässig nach oben. Garrett ist gefragter Teilnehmer vieler Festivals in den USA und Europa, veranstaltet ein eigenes in Iowa, USA. Laut Ulbricht spielt außer seinem Gast kaum noch jemand so "erdig" den Chicago Blues der Altmeister, beispielsweise im Stil des legendären Otis Spann.

Als der eher schmächtig wirkende junge Mann dann auch noch kraft- und gefühlvoll sang, waren die Zuhörer hin und weg. Solch eine Stimme hatten sie wohl nicht erwartet. Optisch war der Abend ebenfalls ein Genuss: Auch dieses Jahr wirbelte die Kölner Tanzformation "Juke Box Angels" zu den antreibenden Klängen der Musiker über die Bühne.