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Fahrplan für kurzfristige Unterkünfte: Vorbereitungen auf den Flüchtlingsansturm

Fahrplan für kurzfristige Unterkünfte : Vorbereitungen auf den Flüchtlingsansturm

Die Kommunen im Rhein-Sieg-Kreis schlagen Alarm: Um sich für den weiteren Ansturm an Flüchtlingen zu wappnen, haben die Bürgermeister aller 19 Städte und Gemeinden auf beiden Seiten des Rheins beschlossen, sich vorsorglich auf die mögliche Erstaufnahme von Flüchtlingen vorzubereiten.

Dazu haben die Verwaltungschefs jetzt während eines gemeinsamen Treffens in Much einen Arbeitskreis gegründet, der sich mit allen kniffligen Fragen rund um die schnelle Aufnahme von Flüchtlingen beschäftigt, wie Stefan Raetz, Sprecher der Bürgermeister des Rhein-Sieg-Kreises, im Gespräch mit dem GA sagte.

Hintergrund: Bislang gibt es nur in Troisdorf, der einwohnerstärksten Kommune des Kreises, eine Erstaufnahmestelle, in Sankt Augustin ist mit der früheren Medienzentrale der Bundeswehr eine Zwischenstation - zwischen Erstaufnahme und der Unterbringung in den Kommunen - gefunden worden.

"Viele Städte und Gemeinden werden bald vor dem Problem stehen, ad hoc Unterbringungen zu schaffen", so der Bürgermeister Rheinbachs. Ad hoc bedeute innerhalb vor drei Tagen. Um dafür gerüstet zu sein, erarbeitet die Arbeitsgruppe nun einen Fahrplan, der auflistet, was die Kommunen im Falle des Falles zu tun haben.

Viele offene Fragen

Die Liste, die es abzuarbeiten gilt, ist umfangreich: So geht es etwa um die Frage, wo es noch potenzielle Unterbringungsmöglichkeiten gibt, wo Betten zu besorgen sind, Hilfsorganisationen oder ehrenamtliche Helfer vor Ort vorhanden sind, wie die Verpflegung oder die Gesundheitsvorsorge laufen. "Wir sagen nicht: Wir warten den Tag X ab, wenn die Zuteilung kommt."

Der Sprecher der 19 Bürgermeister kritisierte, dass das Land die Städte und Gemeinden bei dieser kosten- und personalintensiven Aufgabe alleine lässt. "Von den Kosten, die wir haben, erstattet das Land 30 Prozent. Das heißt für uns: Wir müssen diese Aufgabe über Kassenkredite finanzieren und falls wir keine Erstattung bekommen, die Steuern erhöhen."

Ein weiteres Problem sei es, überhaupt neue Unterbringungsmöglichkeiten zu finden. "Wir werden nicht umhin kommen, Turnhallen zu nutzen." Das wiederum habe zur Folge, dass Lösungen gefunden werden müssen, wo der Schul- und Vereinssport stattfinden kann.

Warum die Zeit drängt, zeigten zwei Zahlen: Während das Land bislang davon ausging, dass rund 7000 Asylsuchende pro Monat nach Nordrhein-Westfalen kommen, sind es derzeit rund 7000 in der Woche.